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Vergeben? Sowieso!

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Von: Jörg Hanau

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Guter Freund von Jan Ullrich: Lance Armstrong, mittlerweile auch schon 51.
Guter Freund von Jan Ullrich: Lance Armstrong, mittlerweile auch schon 51. © afp

Klar sollte man dem einstigen Dopingsünder Lance Armstrong verzeihen, ihm aber keinesfalls seine Gelben Trikots zurückgeben - das wäre ein fatales Signal.

Es gibt viele Serien. Nicht alle muss man gesehen haben. Eine jedoch, die herausragende ARD-Dokumentation „Being Jan Ullrich“, ist ein Muss für jeden Sportsfreund und jede -freundin. Im zurückliegenden Sommer flimmerte die fünfteilige Serie während der Tour de France über den Sender. 25 Jahre nach dem Sieg von Jan Ullrich zeichneten Uli Fritz und Ole Zeisler ein schonungsloses, mitunter aber auch rührendes Bild des gefallenen deutschen Radsportstars. Eine (fast) lückenlose Aufarbeitung - in der ein Mann natürlich nicht fehlen durfte: Lance Armstrong.

UIlrichs Dauerrivale, als Ober-Doper des Radsports überführt, geächtet und verachtet, wird Armstrong in der Ullrich-Soap zum Sympathikus. Einer, der sich kümmert, ein „best buddy“ eben. Er ist es, der an Ullrichs Bett steht, als der im Dezember 2021 in einem mexikanischen Krankenhaus voll mit Alkohol und Drogen um sein Leben kämpft. Armstrong gibt den Engel, für Ullrich ist er das vermutlich auch. Einer, auf den er sich in den dunkelsten Stunden seines Lebens - und davon gab es einige - stets verlassen konnte.

Die Zeiten, in denen beide auf zwei Rädern um die Wette fuhren, Alpenpässe grimassierend hinauf- und auch wieder hinabrasten, sind längst vorbei. Eine gruselige Geschichte von Blutpanschern und Junkies, an deren Ende Armstrong vor genau zehn Jahren lebenslänglich gesperrt wurde und all seine sieben Tour-de-France-Titel verlor. An diesem 22. Oktober 2012 stand der Texaner vor dem Trümmern seiner Karriere. Im zuvor veröffentlichten Report der US-Antidopingagentur Usada ist vom „höchstentwickelten und erfolgreichsten Dopingprogramm, das die Sportwelt jemals gesehen hat“ die Rede. Erst leugnete er, leistete gar einen Meineid, im Januar 2013 gestand er - zumindest teilweise - in einem üppig inszenierten TV-Outing bei Oprah Winfrey.

Nun, zehn Jahre danach, meldete sich überraschend Travis Tygart zu Wort, damals wie heute Chef der Usada, - und er spricht in einem Interview aus, was ohnehin längst passiert sein sollte. Tygart empfiehlt, Armstrong zu verzeihen.

Gegenfrage. Warum denn auch nicht? Mit dem heute 51 Jahre alte einstigen Radstar verhält es sich wie mit jedem anderen, der mal vom rechten Weg abgekommen war und nun seinen Platz in der Gesellschaft sucht. Verzeihen? Sowieso! Was aber nicht bedeutet, dass ihm seine Gelben Trikots zurückgegeben werden. Das, mit Verlaub, wäre ein fatales Signal.

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