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Shkodran Mustafi bejubelt mit Sami Khedira 2016 einen Treffer für die Nationalelf. afp
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Shkodran Mustafi bejubelt mit Sami Khedira 2016 einen Treffer für die Nationalelf. afp

Zurück in der Bundesliga

Verblasster Ruhm mit neuer Perspektive

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Wie die 2014er-Weltmeister Shkodran Mustafi und Sami Khedira sich selbst und ihren Klubs FC Schalke 04 und Hertha BSC helfen sollen. Es geht um ihre Zukunft - und die der Klubs.

Vor etwas mehr als einer Woche hat sich Shkodran Mustafi zum Abschied von Kumpel Mesut Özil auf Instagram gemeldet. „Bro, du warst der uneigennützigste Spieler, mit dem ich je die Umkleidekabine geteilt habe. Du wirst immer als der #Assistking in Erinnerung bleiben. Leider standen wir als Team nicht an deiner Seite, als du es am meisten gebraucht hättest.“

Und jetzt ist auch Mustafi, wie Özil ein in Deutschland geborener Muslim, kein Spieler des FC Arsenal mehr. In letzter Minute wurde der 28-Jährige bis zum Saisonende von Schalke 04 verpflichtet. Der Innenverteidiger ist nun gemeinsam mit dem von Juventus Turin zur Berliner Hertha transferierten Sami Khedira der zweite 2014-er-Weltmeister, der in seinem Klub nicht mehr gebraucht wurde und stattdessen einem wankenden Bundesliga-Traditionsverein Stabilität verleihen soll. Verblasster Ruhm, der Spielern wie Vereinen neue Perspektiven eröffnen soll.

Während Khedira, im April 34 Jahre alt, in dieser Saison bei Juve zu keinem einzigen Einsatz mehr gekommen war, summierten sich Mustafis Spielminuten für Arsenal in der Premier League auf magere 44. Der Vertrag für den vor viereinhalb für 41 Millionen (!) Euro vom FC Valencia nach London transferierten Nordhessen wäre im Sommer ohnehin ausgelaufen, genau wie der von Khedira in Turin. Die kurzfristigen Wechsel sind für beide Profis somit auch eine Chance, sich in einem schwierigen Markt wieder interessant zu machen und zu demonstrieren, dass sie zumindest auf Bundesliganiveau noch ihren Mann stehen können. Es geht um nicht weniger als ihre persönliche Zukunft - und die ihrer neuen Klubs.

Natürlich sind beide Transfers Ausdruck der Not, in die sich Schalke 04, Hertha BSC, der 77-fache Nationalspieler Khedira und der 20 Mal in der DFB-Auswahl eingesetzte Mustafi gleichermaßen manövriert haben. Auf Schalke ist es gar eine doppelte Not: die sportliche und die finanzielle. Letztere führte dazu, dass der im Sommer 2019 für 15 Millionen Euro aus Stuttgart verpflichtete Ozan Kabak am letzten Tag der Transferperiode noch vom FC Liverpool mit Kaufoption ausgeliehen wurde und den Schalkern so im Sommer 25 Millionen Euro Ablöse winkt. Mustafi soll die Lücke schließen.

Verteidiger hat es einfacher

Die Schalker haben vor dem DFB-Pokal-Achtelfinale beim VfL Wolfsburg (Mittwoch 18.30 Uhr/Sport1) somit einen talentierten Verteidiger verloren und einen erfahrenen Haudegen gewonnen. Dass Mustafi über Führungsqualitäten verfügt, ist unbestritten.

Er ist ein Spieler, der auf dem Platz viel spricht und organisiert. Seine Erfahrung aus mehr als 300 Spielen für Arsenal, den FC Valencia, Sampdoria Genua und die deutsche Nationalmannschaft dürfte hilfreich sein, seine mangelnde Spielpraxis ein Hemmnis. In der Position des Innenverteidigers sollten derartige Defizite aber nicht so sehr ins Gewicht fallen.

Im Mittelfeld könnte es dagegen für Khedira schon schwieriger werden, sich zu behaupten. Die Anforderungen ans Läuferische sind hier höher, der Instinkt für den richtigen Moment der Zweikampfführung will in den großen Räumen erst wiedergefunden werden. Khedira zeigt sich vor dem Bundesliga-Heimspiel gegen den FC Bayern (Freitag 20.30 Uhr) dennoch sehr selbstbewusst: „Körperlich und mental bin ich definitiv einsatzbereit.“

Mustafi und Khedira sind es zeit ihrer Karrieren ohnehin gewohnt, kritisch begleitet zu werden. Besonders Khedira hat sein Unverständnis darüber mehrfach zum Ausdruck gebracht. Die medial vielfach formulierten Zweifel an seinem Wert für die Nationalmannschaft im defensiven Mittelfeld haben ihn stets persönlich getroffen. Sie wurden, wie bei Mustafi, auch vor und während der WM 2014 vielfach formuliert. Bundestrainer Joachim Löw hatte gleichwohl nie Zweifel aufkommen lassen, dass er seinen Führungsspieler mit nach Brasilien nehmen würde, obwohl dieser nach einem im November 2013 im Länderspiel in Italien erlittenen Kreuzbandriss alles andere als topfit in den Flieger nach Bahia stieg. Beim 7;1 im historischen Halbfinale von Belo Horizonte gegen Gastgeber Brasilien machte Khedira das Spiel seines Lebens. Nicht nur, weil er einen Treffer vorbereitete und einen selbst erzielte.

Im Finale gegen Argentinien fehlten dann sowohl Khedira als auch der rechte Verteidiger Mustafi. Letzterer hatte sich im dramatischen Achtelfinale gegen Algerien in der 70. Minute einen Muskelbündelriss zugezogen. Für ihn wechselte der Bundestrainer Khedira ein. Philipp Lahm rückte aus dem zentralen Mittelfeld zurück auf die Rechtsverteidigerposition. Nicht wenige Beobachter sehen in dieser - durchs Mustafis Verletzung ausgelösten - Verschiebung die entscheidende Rochade für den späteren Weltmeistertitel.

Im Finale nur Zuschauer

Khedira musste kurz vorm Anpfiff des Finals in Rio de Janeiro wegen einer Wadenverletzung passen und wurde kurzfristig durch Christoph Kramer ersetzt. Mustafi, beim Endspiel Zuschauer, hielt sich noch bis 2017 im Kreis des DFB-Teams, beim Confederations Cup gehörte er dreimal zur Startelf, schaffte es aber im Gegensatz zu Khedira nicht in den WM-Kader 2018. Seine Einsatzzeiten in der Premier League bei Arsenal sind seit Sommer 2019 immer überschaubarer geworden, ehe sie - genau wie bei Khedira in der italienischen Serie A - gänzlich versiegten.

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