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Unterstützung für querschnittsgelähmten Turnbruder

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Von: Harald Stenger

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Die Habliks treffen Rudi Völler. privat
Die Habliks treffen Rudi Völler beim Schlappekicker-Abend im Eintracht-Museum. © Joachim Storch

Vor 20 Jahren verunglückt Johannes Hablik bei einem Salto. Turn-Star Florian Hambüchen, Habliks Bekanntenkreis und FR-Schlappekicker-Aktion helfen bei teuren Arztbehandlungen und Mobilität.

Direkt am Rand der Felder liegt das Haus mit Garten in der 300-Seelengemeinde Neutsch, 16 Kilometer östlich von Darmstadt und damit an der Peripherie des Odenwalds. Das Zuhause der Familie Hablik sieht von außen wie all die anderen Eigenheime in dieser Gegend aus. Doch innen unterscheidet es sich deutlich von der Einrichtung der Nachbarn, denn das Erdgeschoss ist komplett behindertengerecht gestaltet.

Der Anlass liegt 20 Jahre zurück. Sohn Johannes ist seit dem 3. November 2002 querschnittsgelähmt und kann sich seitdem nur noch im Rollstuhl fortbewegen. Bei einem Oberliga-Wettkampf mit der TG Ober-Ramstadt in Eppertshausen änderte ein Salto des jungen Turners bei einer Bodenübung sein Leben in Sekundenbruchteilen. Und das der Familie natürlich auch. Für Mutter Hertha und Vater Hans dreht sich seitdem alles um den mittlerweile 41 Jahre alten Filius, für den sie im alltäglichen Leben unter einem Dach der entscheidende Ansprechpartner sind. Eine wichtige Rolle spielt außerdem Schwester Christina, die ebenfalls eine große Hilfe ist.

Atmen über das Zwerchfell

Seit langem unterstützt die Schlappekicker-Aktion die Familie Hablik mit einer monatlichen Überweisung. Das Geld wird genutzt für die medizinische Behandlung von Johannes. Denn obwohl er über die Eltern krankenversichert ist, müssen jährlich knapp 10 000 Euro privat finanziert werden. Und das Turn-Talent von damals, das auch bei der Artistik-Truppe „Feuerteufel“ im Trikot von Eintracht Frankfurt sein sportliches Können demonstrierte, ist heute immer wieder aufs Neue auf ärztliche Behandlung angewiesen. Zu schwer sind die Folgeschäden des Sturzes vor 20 Jahren. Seitdem atmet er beispielsweise aufgrund eines durch die Lähmungen reduzierten Lungenvolumens über das Zwerchfell.

Trotz dieses schweren Schicksalsschlags zeichnet Johannes Hablik aus, dass er seinen Lebensmut nicht verloren hat. Dass dies nach zunächst schweren Wochen und Monaten möglich wurde, daran haben viele Freundinnen und Freunde sowie der hessische Olympiasieger Fabian Hambüchen großen Anteil. Als sich nach einer einmaligen, überschaubaren Versicherungszahlung bald nach dem Unfall abzeichnete, dass ihr „Turnbruder“ keine Rente erhalten wird, konnte dank ihres Engagements ein Spezialauto und ein High-Tech-Rollstuhl für insgesamt rund 150 000 Euro angeschafft werden.

Wie wertvoll dies ist, zeigte sich in diesem Jahr etwa Anfang November beim Abend der Schlappekicker-Freundinnen und Freunde im Eintracht-Museum. Die Einladung dazu freute Johannes Hablik riesig. Sofort sagte er zu – mit Vater und Schwester, die bei solchen Terminen alles perfekt organisieren. Das Fazit des Frankfurt-Trips von Johannes: „Das war ein echter Höhepunkt für mich.“

Ein Erinnerungs-Foto mit Rudi Völler, der an diesem Abend zu Besuch war, wird die Habliks immer daran erinnern.

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