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Zurzeit kaum möglich: Spiele in der DEL.

Eishockey

Spürbare Unsicherheit im deutschen Eishockey

  • Günter Klein
    vonGünter Klein
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Die Situation im deutschen Eishockey spitzt sich zu. Franz Fritzmeier, Chef der Löwen Frankfurt, sagt: „Andere Länder ziehen davon.“

Der EHC München hat am Sonntag in Bern ein Testspiel bestritten und es gewonnen, 5:3. Er ist somit der einzige deutsche Klub, der aufs Eis gegangen ist, um einen Wettkampf zu bestreiten. Dabei ist der Eishockeykalender gut gefüllt. Die in russische KHL hat die Punktspielrunde aufgenommen, finnische, schwedische, dänische, norwegische, österreichische und Schweizer Vereine sind – mit entsprechenden Hygienekonzepten – in der Vorbereitung.

Deutschland dagegen: ein Flickenteppich. Einige unter den 13 DEL-Teams haben noch nicht einmal mit Eistraining begonnen. Weil der Saisonstart auf den 13. November verlegt wurde, sind die Spieler zur Kurzarbeit angemeldet. Die Unsicherheit ist spürbar, das Eishockey, von Publikumseinnahmen abhängig, wartet auf Zeichen aus der Politik. Man braucht mindestens sechs Wochen Vorlauf, um anzufangen. Es muss trainiert, die ausländischen Spieler müssen ins Land gebracht werden – manche ohne Quarantäne (Kanadier), andere mit (US-Amerikaner). DEL-Chef Gernot Tripcke reklamierte, dass der Sport hinter dem Fußball übersehen werde.

Verzweifelt zu Wort melden sich die Vereine aus den Oberligen Süd und Nord. Staatshilfen soll es nur für die beiden höchsten Ligen der Teamsportarten geben, die Oberligen sind die dritten. In einem gemeinsamen Appell verweisen die 25 Vereine aus Deutschland und die Tilburg Trappers aus den Niederlanden, die in der Gruppe Nord mitspielen, unter dem Motto „Hört uns oder verliert uns“ auf ihre Lage. „26 Eishockey-Drittligisten stehen vor dem Aus und damit circa 1400 Mitarbeiter der Vereine vor einer ungewissen beruflichen Zukunft. “, heißt es. 25 Millionen Gesamtumsatz machen die Klubs.

Spieler lösen Verträge auf

Mitte Oktober wollen die Oberligen anfangen, die DEL 2 hat sich von Anfang Oktober auf den 6. November korrigiert. Sie hat wiederum andere Regelungen als die DEL. Während in der höchsten Liga die Spieler die Bereitschaft zu einer Gehaltsstundung von bis zu 25 Prozent haben müssen, gilt in der zweiten Liga, dass nach Beginn der Corona-Krise abgeschlossene Verträge aufschiebende Wirkung haben. „Sie laufen also erst einen Monat vor Saisonbeginn an“, so Franz Fritzmeier, der die ambitionierten Frankfurter Löwen managt. Er hat acht solcher Fälle im Kader. „Diese Spieler haben im August und September Geld verloren“, sagt er.

Dem Eishockey droht ein Verlust an Spielern. Spielerberater Klaus Hille prüft für seine Klienten die Option, in andere Ligen zu wechseln. Der Straubinger Torhüter Jeff Zatkoff. 33. löste seinen Vertrag auf. Ihm ist die Lage zu unsicher, er sucht einen Managementjob in Nordamerika. Einen Weg zu spielen muss die DEL aber finden – sonst müsste sie Regressansprüche ihres Namenssponsors und des TV-Partners erfüllen. Allgemein herrscht Unbehagen über den Stillstand. Löwen-Chef Fritzmeier: „In anderen Ländern hat Eishockey einen höheren kulturellen Wert als bei uns. Sie ziehen davon.“

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