Vor dem Saisonstart

United Volleys in Lauerstellung

  • vonHarald Joisten
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Der Frankfurter Bundesligist geht ambitioniert in die neue Spielzeit, weiß aber auch, dass der Sprung ganz nach oben fast unmöglich ist

Wie gut, dass es Aufzüge gibt. Die Oberschenkel der Frankfurter Bundesliga-Volleyballer brennen dieser Tage schon genug. Trainer Juan Manuel Serramalera lässt konditionelle Defizite aufarbeiten. „Manche Spieler haben in der langen Pause seit März etwas die Beine hochgelegt“, sagt der Argentinier ohne Groll. Da war es ein Segen, dass die Spieler die letzten Meter zum ersten öffentlichen Termin nach der Corona-Leere nicht zu Fuß gehen mussten. Die Mannschaftspräsentation der United Volleys fand auf einer 110 Meter hohen Dachterrasse des Frankfurter City Gate statt. 27 Stockwerke über dem Boden – das deutsche Spitzenteam war für zumindest für kurze Zeit ganz oben angekommen.

Sportlich dürfte der Weg an die deutsche Spitze deutlich schwerer werden – weil es eben keinen Knopf im Fahrstuhl dafür gibt. Titelverteidiger Berlin scheint in der kommenden Saison erneut unantastbar. Und auch Rekordmeister Friedrichshafen hat sich hochwertig verstärkt, gilt wieder als ernsthafter Herausforderer des Branchenprimus.

Doch die Frankfurter waren vergangene Saison nicht weit weg und der ärgste Rivale der Hauptstädter. Einen ersten Fingerzeig, ob Berlin in dieser Saison schlagbar sein könnte, werden die Hessen in wenigen Wochen bekommen. Im ersten „Finale“ ihrer Vereinsgeschichte treffen die United Volleys im Supercup am 11. Oktober auf Berlin. Es ist das Duell des Tabellenzweiten (Frankfurt) der abgebrochenen Bundesliga-Saison 2019/20 gegen den aktuellen Pokalsieger und Meister. Ausgerechnet in der heimischen Ballsporthalle könnten die Hessen somit ihren ersten Titel gewinnen – was freilich einer dicken Überraschung gleichkäme.

Trainer Serramalera spricht vielmehr von einer „Ehre“ und einem „guten Test“, im Supercup zu Hause gegen das beste deutsche Team antreten zu dürfen. Doch freilich kennt der erfahrene Argentinier auch taktische Kniffe. Er will den Erwartungsdruck von seinem jungen Team nehmen, das sich im Vergleich zur vergangenen Saison stark verändert hat. Es sei ein „komplett neues Team“. betont Serramalera. Es wurde vor allem deutscher. Und jünger. Der Kader scheint in der Qualität etwas an Breite verloren zu haben. Doch die Talente stehen in den Startlöchern.

Es sei „eine Herausforderung gewesen“, sagt Serramalera, das neue Team während der Corona-Zeit zusammen zu stellen. Das Ergebnis kann sich jedoch sehen lassen.

Hoffnung auf Hallen-Fans

Zwar haben den Klub spannende Profis wie Tobias Krick verlassen. Doch andere deutsche Nationalspieler kamen hinzu: Noah Baxpöhler (Mittelblock/aus Lüneburg), Daniel Malescha (Diagonalangreifer) und Jakob Günthör (Mittelblock/beide aus Friedrichshafen). Auch der 22-jährige Neuzugang Mario Schmidgall (Bühl), mit 2,06 Meter ein ungewöhnlich großer Zuspieler, war schon für die Nationalmannschaft im Einsatz.

Der Japaner Satoshi Tsuiki und der extrovertierten US-Amerikaner Kyle Dagostino sind die Liberos im Kader. Geblieben sind der starke belgische Zuspieler Matthias Valkiers, der niederländische Antreiber Floris van Rekom (Außenangriff) sowie Routinier Jochen Schöps und Nachwuchstalent Ben Biwerwisch.

Der Supercup gegen Berlin soll möglichst nicht vor leeren Rängen stattfinden. Die United Volleys haben ein Hygienekonzept fertiggestellt, das maximal 1100 Zuschauer in der Ballsporthalle vorsieht. „Wir hoffen, es genehmigt zu bekommen“, meint der neue Geschäftsführer Guido Heerstraß, Nachfolger von Jörg Krick.

Bis zum Saisonstart in gut drei Wochen stehen noch Testspiele gegen die Bundesliga-Konkurrenten Giesen und Bühl an. Auf Reisen ins Ausland verzichtet der Klub wegen Corona. „Wenn sich ein Spieler ansteckt und in Quarantäne muss, wirft uns das zurück“, betont Juan Manuel Serramalera. Ein Schritt zurück ist das letzte, was der ambitionierte Trainer machen möchte.

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