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Spieler von Union Berlin feiern mit ihren Anhängern nach dem Spiel gegen den BVB.

Kommentar

Loblied auf die Neulinge

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Die Bundesliga-Neulinge Union Berlin, SC Paderborn und der 1. FC Köln kämpfen - im Tabellenkeller könnte es ein Hauen und Stechen geben, bei dem sich mancher Erstligist im Abstiegskampf wiederfindet. Ein Kommentar.

Kaum eine Branche neigt zu solch vorschnellen Schlüssen wie die Fußball-Bundesliga. Mittlerweile genügt schon der erste Spieltag, um einem ganzen Standort seine Berechtigung abzusprechen, im Oberhaus mitzuspielen. Das beste Beispiel liefert die Schwankungsbreite der Stimmungen, die sich rund um die ersten beiden Bundesligaheimspiele von Union Berlin spannte. Nach einem 0:4 gegen RB Leipzig, als die Eisernen an einem von den Fanprotesten überschatteten Sonntag einen an Naivität kaum zu überbietenden Auftritt hinlegten, deutete sich an, dass es doch nicht passen könnte mit dem Emporkömmling aus Köpenick, der auf seine Art bereichert. Der 56. Verein der Bundesliga-Geschichte zahlte so viel Lehrgeld, dass ihn die größten Skeptiker bereits gedanklich auf eine Stufe mit Tasmania Berlin stellen wollten. Gemach, gemach.

Diese Negativbilanz wird Union Berlin bestimmt nicht unterbieten. Nun, nach einem 3:1 gegen Borussia Dortmund, als der Aufsteiger den selbst ernannten Meisterschaftsanwärter mit allen Zutaten des widerspenstigen Underdogs auf die Bretter schickte, deutet sich das Gegenteil an. Am Ende hatte das verschworene Kollektiv um den Doppeltorschützen Marius Bülter 100 Tempoläufe und 7,2 Kilometer mehr als der Titelfavorit auf dem Tacho. Respekt. Und es ist auch eine Riesenleistung des besonnenen Trainers Urs Fischer, dass er sich in der neuen Umgebung doch schneller zurechtfindet, als viele denken. Der Schweizer ist das Gegenteil des Einpeitschers, der sich von den Emotionen leiten lässt. Und das ist gut so.

Die Neulinge Union Berlin, SC Paderborn und der 1. FC Köln kämpfen

An der Alten Försterei mit seinem fanatischen Publikum könnten noch andere Teams ins Straucheln geraten. In zwei Wochen vielleicht schon Werder Bremen. Die Grün-Weißen sind überhaupt eine jener etablierten Mannschaften, die sich in Acht nehmen müssen. Weil die Neulinge Union Berlin, SC Paderborn und allen voran der 1. FC Köln überhaupt nicht daran denken, sich punktlos ans Tabellenende zu begeben, könnte es hinten schnell ein Hauen und Stechen geben, bei dem sich so manch arrivierter Erstligist im Abstiegskampf wiederfindet.

Während sich der Kölner Premierensieg vor allem auf eine erstligataugliche Besetzung in fast allen Mannschaftsteilen stützt, verdient die Paderborner Herangehensweise aus einem anderen Grund Erwähnung. In Ostwestfalen vertrauen sie einfach dem, was der frühere Bundesligastürmer Steffen Baumgart vorgibt: immer schnell und mutig nach vorne spielen. Lieber 4:5 verlieren als ein 0:0 ermauern. Und wenn es wie am Samstag 1:1 in Wolfsburg ausgeht, ist auch alles gut. Den Fußballlehrer auf seinen Mützenwurf und die erste Gelbe Karte gegen einen Bundesliga-Trainer zu reduzieren, wäre vollkommen verkehrt.

Paderborn hat die richtigen Lehren gezogen

Lieber sollte wertgeschätzt werden, dass an der Pader die richtigen Lehren aus der Berg-und-Tal-Fahrt gezogen wurden. Anders als bei Union haben die Verantwortlichen nicht den halben Kader ausgetauscht und gestandene Profis wie Neven Subotic, Christian Gentner oder Anthony Ujah für teilweise sehr ordentliche Gehälter geholt, sondern sie vertrauen weiter den Namenlosen, die für wenig Geld antreten.

Es ist nicht auszumachen, welcher Weg letztlich ans Ziel führt. Auch nach zehn Spieltagen nicht, nicht mal die erste Halbserie bietet dafür wirklich Gewähr. Abgerechnet wird ganz zum Schluss. Daran sind alle zu erinnern, die am liebsten jede Woche ihre endgültig klingenden Urteile fällen.

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