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Unhaltbare Zustände

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Von: Patrick Reichelt

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Wo bleibt die Tournee für Frauen? Das fragt sich nicht nur Olympiasiegerin Maren Lundby aus Norwegen.
Wo bleibt die Tournee für Frauen? Das fragt sich nicht nur Olympiasiegerin Maren Lundby aus Norwegen. © dpa

Von wegen „Schanzengleichheit“: Die Frauen müssen weiterhin auf die Einführung der Vierschanzentournee warten - das ist schlichtweg ein Armutszeugnis.

Es schien so etwas wie ein Weihnachtsgeschenk für die fliegenden Frauen. Pünktlich zum Heiligabend vermeldete die Vierschanzentournee auf ihrer Internetseite: Jawohl, vom kommenden Jahr an werden auch die Skispringerinnen in das Programm des Traditionsturniers eingebunden. Das böse Erwachen folgte bald. Die Sache war ein Irrtum gewesen. Offizielle Erklärung: An den österreichischen Standorten Innsbruck und Bischofshofen könne man die zusätzlichen Programmpunkte frühestens 2025 stemmen.

Doch letztlich spielt es keine Rolle, woran die ohnehin längst überfällige Neueinrichtung denn nun gescheitert war. Dass die Frauen um Vorkämpferin Katharina Althaus in Villach und Ljubno abseits der Scheinwerferlichter von Oberstdorf springen müssen, ist ein Armutszeugnis. Während den Männern am Donnerstag 25 000 Fans zujubeln werden, schauen die Frauen in die Röhre. Unhaltbare Zustände.

Und das Nein für die Skispringerinnen ist eine Entscheidung, die die Disziplin irgendwann teuer zu stehen kommen könnte. Erinnert sei an die Nordische Kombination, die derzeit bekanntlich genau deshalb ums (olympische) Überleben kämpfen muss, weil sie nach offiziellen Maßstäben einen zu kleinen Kreis an Nationen bedient. Klar, die Spezialspringer um Karl Geiger, Dawid Kubacki, Stefan Kraft & Co müssen sich da sicherlich noch keine Gedanken machen. Weil ihre Disziplin bei Zuschauenden und – nicht ganz unwesentlich – auch Sponsoren noch weit höher im Kurs steht. Doch auch die Springer sind vor allem ein Fall für Deutsche, Österreicher, Norweger, Slowenen, Polen – für einen überschaubaren Zirkel eben. Auch vor diesem Hintergrund hat Norwegens Coach Alex Stöckl angemahnt, die Disziplin winterunabhängig und damit auch zum Fall für eine noch größere Zielgruppe zu machen.

Für die Skispringerinnen muss es soweit erst einmal gar nicht unbedingt gehen. Sie wären vermutlich schon über ein Machtwort der Verbände glücklich. Ein entschlossenes Bekenntnis, auch Ihnen eine würdige Plattform zu geben. Der Deutsche Skiverband (DSV) hat da ja immerhin einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Wenn der Weltverband FIS zustimmt, werden die Frauen im nächsten Winter vor dem Jahreswechsel in Garmisch-Partenkirchen und Oberstdorf springen. Immerhin schon mal ein Anfang.

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