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Umbruch steht bevor

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Immer noch gut in Schuss: Rainer Schüttler in Bad Homburg.
Immer noch gut in Schuss: Rainer Schüttler in Bad Homburg. © IMAGO/Eibner

Im deutschen Frauentennis kommt es zu einem Generationswechsel, den Teamchef Rainer Schüttler moderieren wird.

Wohnt er jetzt am Hardtwald oder auf der Ellerhöhe? Selbst eingefleischte Bad Homburger sind sich nicht sicher. Dass ein früherer Daviscup-Spieler wie Rainer Schüttler im Vorjahr seinen Lebensmittelpunkt ins hessische Bad Homburg verlegt hat, ist natürlich Stadtgespräch. Auch wenn er nicht oft da ist. Tennis hat in der Kurstadt im Taunus seit jeher eine besondere Bedeutung, die Anlage im Kurpark gilt als die älteste für diese Sportart auf dem europäischen Festland.

Fest steht, dass Schüttler in dieser Woche entweder mit dem Fahrrad oder zu Fuß ans Clubhaus seines Vereins TC Bad Homburg kommen konnte, um die Geschehnisse beim WTA-Turnier zu verfolgen. Mehr als das: Der heute 46-Jährige, der es einst bis auf Platz fünf der Weltrangliste schaffte, trainierte mit Turnierbotschafterin und Titelverteidigerin Angelique Kerber. Und während der Spiele saß er ganz in der Nähe des Rasens und hatte mit Kerber des Öfteren Blickkontakt. Die Wimbledonsiegerin von 2018 verzichtet auf der Tour auf einen festen Trainer. Zwischen November 2018 und Juli 2019 war dies mal Schüttler, zu dem sie weiterhin einen guten Draht hat, den sie als Fachmann schätzt. „Er weiß genau, wie ich spielen möchte, wie mein Tennis aussieht, wo ich mich verbessern müsste“, sagte die 34-Jährige am Rande des Turniers in Stuttgart, wo sie wie auch jetzt in Bad Homburg seine Dienste in Anspruch nahm.

Lob für Jule Niemeier

Schüttler wurde also am Donnerstag auch Zeuge von Kerbers Ausscheiden im Viertelfinale. Sie war die letzte im Turnier verbliebene deutsche Spielerin. Für den ehemaligen Australian-Open-Finalisten, der sich immer noch gerne die Schildmütze falsch herum aufsetzt, ist das keine unbedeutende Nachricht. Schüttler fungiert schließlich als Teamchef der deutschen Auswahl beim Billie Jean King Cup, seit 2020 der Nachfolgewettbewerb des Fedcups. Sein Team steht vor einem Umbruch, denn der Generationswechsel im deutschen Frauentennis steht unmittelbar bevor. Das zeigte sich jetzt auch in Bad Homburg.

Für Kerber und Andrea Petkovic (34), die in der ersten Runde scheiterte, könnte es jeweils die letzte Saison sein. Ob Sabine Lisicki, im Taunus mit einer Wildcard bis ins Viertelfinale vorgestoßen, nochmals nach oben kommt, ist fraglich. Die Berlinerin ist zudem auch schon 32 Jahre alt. Wie Laura Siegemund (34) hat sie sich nach langer Verletzungspause zurückgekämpft.

Beim letztjährigen Finalturnier des King-Cups in Prag hatte Schüttler zumindest im Doppel schon auf Jule Niemeier (22) und Anna-Lena Friedsam (28) gesetzt. Niemeier wird gemeinsam mit Nastasja Schunk (18) künftig verstärkt im Fokus stehen. „Spielerisch ist sie für mich eine absolute Top-20-Spielerin“, lobte Schüttler Niemeier schon überschwänglich.

Die Dortmunderin, erst seit 2021 auf der WTA-Tour, deutete auch bei den Bad Homburg Open ihr Können an. Ob es ihr etwas ausmache, jetzt die Hoffnung im deutschen Tennis zu sein? „Ist mir ehrlich gesagt egal“, lautete ihr trockener Kommentar. Die Weltrangliste-97. hatte nach einer gewonnenen Partie schließlich das Aus im Achtelfinale ereilt, in dem sie gegen Daria Kasatkina phasenweise überlegen agierte.

Um den Turniersieg in Bad Homburg spielen am Samstag andere. Die erstarkte Kanadierin Bianca Andreescu, US-Open-Siegerin 2019, gilt um 13.30 Uhr als Favoritin. Sie profitierte im Halbfinale von der verletzungsbedingten Absage der ehemaligen Weltranglistenersten Simona Halep.

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