Hertha BSC - Bayer 04 Leverkusen
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Wie sollen die TV-Gelder gerecht verteilt werden? 

Bundesliga

TV-Gelder: Status quo oder Solidarität?

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Die Debatte um eine gerechtere Verteilung der Fernsehgelder hat bereits begonnen. Im entscheidenden Gremium haben nicht mehr die Spitzenklubs das Sagen.

Seit Februar 2005 gehört Christian Seifert der Geschäftsführung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) an. Die Medienrechte meistbietend zu verkaufen, ist seine Kernaufgabe, aber der 51-Jährige weiß, dass er danach nicht durchschnaufen kann wie Fußballprofis, die gerade ein Bundesligaspiel bestritten haben. Mindestens genauso anstrengend seien anschließend die Verteilungskämpfe. Und die begannen noch am selben Tag: Thomas Röttgermann von Fortuna Düsseldorf möchte „einen Fehler im System“ beheben, damit die Schere nicht immer weiter auseinander geht.

Der beim FSV Mainz 05 für die Finanzen zuständige Jan Lehmann betonte, dass der Rückgang der TV-Gelder vor allem jene kleineren Klubs härter treffe, „die, wie wir, im Verhältnis mehr von den Medienerlösen abhängig sind.“ Der ehemalige DFL-Angestellte will „im Sinne des Wettbewerbs über eine fairere Verteilung“ diskutieren. Ähnlich äußerte sich Klaus Filbry als Geschäftsführer von Werder Bremen, der eine Generation von Kindern aufwachsen sehen möchte, „die nicht nur Bayern München als Meister erleben“. Kontra kam von Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund, der den Status quo verteidigte: „Wenn man versucht, die Zugpferde der Liga zu schwächen, dann schwächt man die ganze Liga.“ Es deutet sich ein Verteilungskampf mit härteren Bandagen an, wo insgesamt der Gürtel enger geschnallt werden muss. Geschäftsführer Frank Briel von der TSG 1899 Hoffenheim mahnte nun zur Besonnenheit. „Mit Populismus ist es hier nicht getan. Die Fragen und entsprechend die Antworten sind komplex.“ Zudem bieten 1,1 Milliarden Euro, die durchschnittlich ab der Saison 2021/22 fließen, genügend Gestaltungsspielraum.

Wer kriegt wie viel?

Die Deutsche Fußball Liga hat für die Spielzeiten 2021/22 bis 2024/25 einen neuen TV-Vertrag abgeschlossen, der den 36 Profivereinen durchschnittlich 1,1 Milliarden Euro pro Saison bringt. Wie viel kassierten die Bundesligisten in der abgelaufenen Saison aus der nationalen Vermarktung? Eine Übersicht nach Berechnungen des „Kicker“:

Verein in Millionen Euro
1. FC Bayern München 65,400
2. Borussia Dortmund 64,119
3. FC Schalke 04 62,720
4. Bayer Leverkusen 61,658
5. TSG 1899 Hoffenheim 58,810
6. Borussia Mönchengladbach 58,531
7. Hertha BSC 56,665
8. Werder Bremen 54,688
9. Eintracht Frankfurt 51,594
10. FC Augsburg 48,645
11. VfL Wolfsburg 46,381
12. 1. FSV Mainz 05 45,822
13. RB Leipzig 40,352
14. VfB Stuttgart 39,815
15. SC Freiburg 36,682
16. Hannover 96 33,689
17. 1. FC Nürnberg 29,367
18. Fortuna Düsseldorf 25,412

Hellmann will nichts sagen

Der Verteilungsschlüssel ist über die Jahre immer komplizierter geworden und basiert auf mehreren Säulen. Rund 70 Prozent werden nach der Fünfjahreswertung ausgeschüttet, belohnt wird auch lange Bundesliga-Zugehörigkeit. Beim letzten Male hatte es Bestrebungen gegeben, über das „Team Marktwert“ Faktoren wie Beliebtheit, Fanaufkommen oder Einschaltquoten einzupreisen – letztlich war dieser von Axel Hellmann, Marketingvorstand von Eintracht Frankfurt, vorangetriebene Plan nicht durchzusetzen. Zur Neuverteilung wollte sich Hellmann auf FR-Anfrage nicht äußern.

Am heutigen Mittwoch kommt das neunköpfige DFL-Präsidium zusammen, um einen Zeitplan festzuzurren. „Ich wünsche mir, dass die Diskussionen mit Anstand und Weitblick geführt werden“, sagte Seifert. Das Ringen wird zum Lackmustest für den Solidargedanken. Die Machtverhältnisse im entscheidenden Liga-Gremium haben sich insofern verschoben, dass hier nicht mehr die Spitzenklubs das Sagen haben. Deren Repräsentant ist allein Jan-Christian Dreesen (FC Bayern), der von Oliver Leki (SC Freiburg) und Alexander Wehrle (1. FC Köln) sowie den Zweitliga-Vertretern Rüdiger Fritsch (Darmstadt 98), Steffen Schneekloth (Holstein Kiel) sowie dem ohnehin für eine Radikalreform eintretenden Oke Göttlich (FC St. Pauli) locker überstimmt werden kann. Schwierig wird die Positionierung für Seiferts Stellvertreter und DFL-Vizepräsidenten Peter Peters, der seinen Vereinsposten beim FC Schalke 04 verloren hat.

Die Medienerlöse sind die wichtigste Einnahmequelle für die Vereine, zumal diese dafür so gut wie gar nichts tun müssen. Innerhalb eines Jahrzehnts haben sich die Einnahmen aus den Übertragungsrechten verdreifacht: auf fast 1,5 Milliarden Euro in 2018/2019. Der jüngste Wirtschaftsreport wies einen Umsatzanteil bei den Erstligisten von knapp 37 Prozent aus. Seifert wird daher auch als Moderator gefragt sein. Eine Rolle, die früher der in den Ruhestand verabschiedete Liga-Präsident Reinhard Rauball übernahm, der oft genug mit diplomatischem Geschick öffentliche Grabenkämpfe verhinderte.

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