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TV-Experte Timo Glock: „Mick Schumacher wird seinen Weg finden“

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Von: Ralf Bach

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Führt TV-Interviews in der Formel 1 neuerdings während des Tischtennisspielens: Timo Glock (rechts) mit Valtteri Bottas.
Führt TV-Interviews in der Formel 1 neuerdings während des Tischtennisspielens: Timo Glock (rechts) mit Valtteri Bottas. © IMAGO/PanoramiC

Formel-1-Experte Timo Glock über Kritik an Mick Schumacher, den Formanstieg von Sebastian Vettel und sein eigenes Kurz-Comeback in der DTM.

Herr Glock, wie ist die Idee zu Ihrem DTM-Comeback in Imola entstanden?

Das kam spontan. Bei einem Test haben mein Teamchef Roberto Ravaglia und ich geflachst, dass wir irgendwann zusammen ein Rennen bestreiten müssen. Imola ist dafür die perfekte Rennstrecke, so haben wir das Paket mit BMW geschnürt.

Ist die Vorfreude groß?

Ich bin zwar erst ein halbes Jahr draußen aus der DTM; aber das Auto ist mittlerweile anders. Das Team hat noch nie wirklich mit Michelin-Reifen gearbeitet. Das wird also eine Riesen-Herausforderung.

Aber es gibt ja noch eine andere Sportart, die Sie jetzt sehr professionell betreiben: Tischtennis! Auf Sky fordern Sie die Formel-1-Stars heraus. Wie kamen Sie auf die Idee?

(lacht) Die Idee kam letztes Jahr von Sky. Wir haben uns gefragt, wie wir Interviews mal etwas lustiger gestalten könnten. Ich bin begeisterter Darts-Spieler, also haben wir damit angefangen. Für dieses Jahr mussten wir uns was Neues einfallen lassen und die Tischtennis-Idee kam von Ralf Schumacher. Aber ich muss feststellen: Tischtennis zu spielen und gleichzeitig Fragen zu stellen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Das gilt aber auch für die Fahrer. Da gibt es entweder Denkpausen oder Fehler (lacht).

In Monaco haben Sie Mick Schumacher die erste Niederlage des Wochenendes zugefügt. Danach ging es für ihn nicht so toll weiter.

Hmm... Ich darf das ja gar nicht so laut sagen, aber alle Fahrer, die gegen mich verloren haben, haben nie einen guten Sonntag gehabt – mit Ausnahme von Nico Hülkenberg. Das hängt den Fahrern offenbar länger im Kopf drin.

Bleiben wir bei Schumacher, dem Sie früher immer mal wieder geholfen haben. Schmerzt es Sie, wie gerade auf ihn eingedroschen wird?

Das ist natürlich keine leichte Situation für ihn. Aber: Am Ende zählen die Ergebnisse. Ich habe damals bei dem einen oder anderen Rennen Zeit mit ihm verbracht und dann ist es nicht schön zu sehen, wie er kritisiert wird. Zumal ich weiß, wie es in den ersten beiden Jahren ist als Neuling in der Formel 1. Da gibt es Themen, von denen man nie gedacht hätte, dass sie so eine Wirkung auf einen haben. Besonders, wenn nach einem guten ersten Jahr in der zweiten Saison ein schneller Teamkollege um die Ecke kommt und zeigt, wo es langgeht. Allein dieser Moment erhöht den Druck. Im Anschluss vom Teamkollegen zu lernen, geht einfach nicht von heute auf morgen.

Aber dabei muss auch das Team helfen.

Genau. Ich finde es deshalb unfair, nur auf ihn draufzuhauen. Auch das Team hat den einen oder anderen Fehler gemacht. Wie in Barcelona: Da wurde das Getriebe gewechselt und meines Wissens zufolge die falsche Feder eingebaut. Klar, gewisse Fehler dürfen Mick nicht passieren, das weiß er schon selbst. Ich bin mir sicher, dass er das für sich analysiert und einen Ausweg findet.

Wie bewerten Sie seinen Speed?

Auch da fehlen ihm die entscheidenden Zehntel auf Kevin Magnussen. Ich glaube, dass er den Speed durchaus hat. Die zwei, drei Zehntel, die manchmal fehlen, kommen, weil er denkt, er muss es jetzt mit der Brechstange versuchen. Wenn der Knoten geplatzt ist, er den Teamkollegen schlägt oder die ersten Punkte holt, wird es einfacher für ihn.

Kommen wir zu Ihrem anderen Kumpel. Hat Sebastian Vettel nach einem vermasselten Saisonstart die Kurve gekriegt?

Sagen wir mal so: Da kehrt jetzt langsam ein wenig Ruhe ein. Deshalb bin ich mir sicher, dass er auf dem richtigen Weg ist. Die Frage ist: Wie viel Performance hat Aston Martin noch in der Hinterhand, um einen weiteren Schritt nach vorne zu machen? Das ist mit der Budget-Obergrenze nicht leicht. Aber ich glaube, man ist auf dem richtigen Weg.

Auch hinsichtlich einer Vertragsverlängerung mit Vettel?

Ich glaube schon, dass er weiterhin motiviert ist. Sonst würde er sich nicht so ins Zeug legen. Wenn er sieht, dass die Voraussetzungen da sind, ein gutes Paket zu haben, bin ich mir sicher, dass er weitermachen wird.

Interview: Ralf Bach

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