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Turnier ohne Rückschlüsse

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Von: Daniel Schmitt

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Auch er konnte coronabedingt kaum mehr helfen: Hendrik Wagner.
Auch er konnte coronabedingt kaum mehr helfen: Hendrik Wagner. © dpa

Das EM-Turnier mit den 13 coronabedingten Ausfällen kann für die deutsche Auswahl nicht als Gradmesser herhalten, Rückschlüsse auf die künftige Leistungsfähigkeit verbieten sich.

Um einen Eindruck dafür zu bekommen, wie anstrengend, belastend, ja nervend sich dieses Kräftemessen der besten europäischen Handballer für diejenigen aus Deutschland angefühlt haben muss, der hätte einfach mal Hendrik Wagner ins Gesicht schauen sollen. Der Rückraumspieler, 24, aus Ludwigsburg, zweite Liga, saß dann da völlig geplättet auf der Ersatzbank während der das Turnieraus besiegelnden Niederlage gegen Schweden. Er pustete durch, japste nach Luft, denn die war ihm weg geblieben nach nur sechs Minuten und 22 Sekunden auf dem Feld. Der Grund, na klar: Corona. Direkt aus der Isolation war der ohnehin nachnominierte Profi zur Mannschaft gestoßen und konnte ihr dann – eigentlich logisch - nicht weiterhelfen.

Das EM-Turnier mit den 13 coronabedingten Ausfällen kann für die deutsche Auswahl nicht als Gradmesser herhalten, Rückschlüsse auf die künftige Leistungsfähigkeit dieser Mannschaft verbieten sich. Festzuhalten bleibt nur: In dieser fast aussichtslosen Gemengelage waren die Mannen von Bundestrainer Alfred Gislason zwar gut genug für die schwächste EM-Vorrundengruppe, aber eben zu schlecht für europäische Großkaliber wie Spanien, Norwegen und Schweden.

Was zur entscheidenden Frage führt: Hätte es mit voller Kapelle und ohne Corona-Not reichen können? Die Antwort ist hypothetisch, klar, die Erfahrungen der vergangenen Jahre aber lehren, dass es ebenfalls sehr eng hätte werden können. Deutschland zählt nach dem personellen Umbruch im Vorjahr, der Verjüngungskur, derzeit nicht zu den besten Handballnationen der Welt. Beim siebten Großturnier in Folge wurde das Halbfinale verpasst. Die DHB-Auswahl hat dennoch verheißungsvolle Talente in ihren Reihen wie die EM-Aufsteiger Julian Köster, 21, und Till Klimpke, 23, den Kapitän Johannes Golla, 24, oder den ungeimpften und deshalb daheim verbliebenen Juri Knorr, 21.

Doch wird es die Aufgabe des erfahrenen Bundestrainers Gislason sein müssen, diese Begabungen zu einem stabilen Gefüge zusammenzufügen. Eine Medaille bei der Heim-EM 2024 muss das Ziel sein, das entspricht schlicht dem Wettbewerbsgedanken, bis dahin aber sollte sich der deutsche Handball weiter Zeit gönnen, auch für die WM im kommenden Jahr mögliche Rückschläge einkalkulieren. Denn Entwicklung braucht Geduld. Das kann manchmal anstrengend, belastend, gar nervig sein, sich irgendwann aber auch auszahlen.

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