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Thomas Tuchel an der Seitenlinie. dpa
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Thomas Tuchel an der Seitenlinie. dpa

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Tuchel, der Anti-Lampard

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Dass Thomas Tuchel beim anspruchsvollen FC Chelsea anheuert, könnte eine gute Verbindung sein. Denn der deutsche Trainer wollte schon immer in der Premier League arbeiten.

Die Premier League mag in dem, was sie an fußballerischer Qualität und Konkurrenzdruck zu bieten hat, weltweit führend sein. Was die Rekrutierung junger, entwicklungsfähiger Trainer angeht, hängt sie jedoch der deutschen Bundesliga weit hinterher. Hierzulande sind Dutzende Klubs dem leuchtend mutigen Beispiel des FSV Mainz 05 mit Thomas Tuchel gefolgt. Ein Niemand aus der Jugendschule wurde vor elf Jahren über Nacht zum Chefcoach befördert. Es folgten, nur ein paar Beispiele: Marcus Sorg, Christian Streich, Markus Gisdol, Martin Schmidt, Julian Nagelsmann, Hannes Wolf, Manuel Baum, Sandro Schwarz, Florian Kohfeldt, Achim Beierlorzer, Pellegrino Matarazzo, Sebastian Hoeneß.

In England gelten andere Gesetze: Trainer wird dort fast ausschließlich jemand, der entweder a) schon jahrelang Trainer ist, b) Starspieler war oder c) hochdekoriert aus dem Ausland kommt. Ironie der Geschichte: Thomas Tuchel, der nun beim FC Chelsea als Nachfolger von Frank Lampard anheuert, könnte elfeinhalb Jahre, nachdem er zum Role Model für Deutschland wurde, eine ähnliche Vorbildfunktion für England einnehmen.

Erst einmal dürfte der Anti-Lampard auf ein paar Vorbehalte treffen. Sein Vorgänger ist nicht weniger als eine Klub-Ikone, eine Integrationsfigur, ein feiner Kerl dazu, extrem beliebt bei Chelsea-Fans und Medien, Aber am Ende dürfte der einstige Weltklasse-Mittelfeldmann auch daran gescheitert sein, dass er den Trainerjob nicht - wie Tuchel - von der Pike auf gelernt hat und Fußballspiele noch immer eher so erklärt wie ein Spieler, weniger wie ein Fußballlehrer.

Tuchel, der hervorragend Englisch spricht, wird sich schnell Eindruck bei den Profis und Londoner Hauptstadtreportern verschaffen. Es gibt wenige Menschen auf der Welt, die Fußball so komplex, intelligent und spannend erklären können wie der 47-Jährige, der fachlich über weit mehr Zweifel erhaben ist als charakterlich. Es wird spannend zu beobachten, wie der komplizierte, streitbare Nerd Tuchel mit der mächtigen Chelsea-Sportdirektorin Marina Granovskaia zurecht kommt.

Dass er sowohl mit Stars als auch mit Jungprofis umgehen kann, hat er in Mainz, Dortmund und Paris bewiesen. Chelsea verfügt über eine entwicklungsfähige Mannschaft, die viel von dem fanatischen, detailbesessenen Deutschen lernen dürfte und die unter Lampard ja zwischenzeitlich auch in der Lage war, aufregenden Fußball zu zelebrieren.

Der FC Chelsea und Thomas Tuchel - das klingt verdächtig nach einer Win-Win-Situation. Denn natürlich ist der Traditionsklub aus dem Londoner Südwesten auch ein - noch dazu bestens bezahltes - Geschenk für den gebürtigen Schwaben. Die Premier League war schon lange ein Traumziel für den selbstbewussten Mann. Nicht nur, weil er dort sein Vorbild Pep Guardiola wiedertreffen wird.

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