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Tollkühnes Quartett: Der Dortmunder Jadon Sancho (2.v.l.) freut sich über das Tor zum 2:0 mit Thorgan Hazard (links), Dan-Axel Zagadou und Marco Reus (rechts).

Überzeugendes 4:0 in Mainz

Die Trendwende für Borussia Dortmund

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Der BVB hat mit seiner neuen Grundordnung rechtzeitig vor dem Spitzenspiel gegen RB Leipzig wieder in die Spur gefunden.

Jadon Sancho hat sich nach Abpfiff sehr beeilt. Der Jungstar von Borussia Dortmund ist bekanntlich nicht immer der Pünktlichste, aber meist der Schnellste. Einige Kollegen standen nach dem 4:0 beim FSV Mainz 05 noch auf dem Rasen vor der Interviewwand, da war der 19-Jährige bereits in die Kabine gehastet, aber auch sofort wiedergekommen: Der Niederländer Jean-Paul Boëtius hatte nach seinem Trikot gefragt und artig drückte es ihm der Engländer in die Hand. Kurz darauf schob Dortmunds Busfahrer Christian Schulz bereits eine Metallkiste bunter Schuhe nach draußen, die so akkurat gepackt war, als würde der Weihnachtsmann daraus bald die Geschenke verteilen. Beim BVB hatte bei der Dienstreise zu den Rheinhessen wirklich alles beste Ordnung. Manager Michael Zorc fand den sechsten Auswärtsauftritt nach einem Champions-League-Abend „sehr gut, sehr dominant: Wer heute was zu meckern findet…“

Die noch beim Zittersieg gegen Slavia Prag wieder aufgetretene Wankelmütigkeit wirkte wie weggeblasen, fokussiert erledigten die Westfalen ihr Tagwerk und nutzten ihre Tempovorteile gnadenlos aus. Der Viererpack durch Marco Reus, Sancho, Thorgan Hazard und Nico Schulz verstärkte die Gewissheit, dass auch jener Klub um die Meisterschaft mitmischt, der offen die Schale ins Visier genommen hatte.

Genau zum richtigen Zeitpunkt ist die Borussen-Brust wieder breiter geworden: Zorc erwartet jedenfalls ein „Spitzenspiel“ gegen RB Leipzig (Dienstag 20.30 Uhr): Der in Dortmund nicht sonderlich geliebte Brauseklub stehe nicht umsonst da oben: „Aber wir spielen zu Hause und wollen gewinnen.“ Eine Kampfansage für dieses in der Vergangenheit mitunter überladene Duell schob Kapitän Reus noch hinterher, ehe er zur Dopingkontrolle entschwand: „Dann wird es noch mal richtig brennen.“

Tatsächlich ist die Mannschaft nun offenbar wieder mit Feuereifer unterwegs, wofür der auf die Doppelsechs versetzte Julian Brandt das beste Beispiel gibt: Der 23-Jährige kompensierte den Ausfall von Axel Witsel mit spielerischer Leichtigkeit und war sich auch für Tiefenläufe in die eigene Hälfte nicht zu schade. Als „Teil unseres Aufschwungs“ will Sebastian Kehl als Leiter der Lizenzspielerabteilung, in aktiven Zeiten selbst Ordnungshüter im zentralen Mittelfeld, die Systemumstellung sehen, bei der sich der Nationalspieler „viel wohler fühlt“. Denn: „Er ist viel mehr im Zentrum, viel mehr im Spiel, hat viel mehr Ballkontakte.“ Die Rückversetzung stärkt nicht nur das gesamte Gebilde, sondern auch den Coach Lucien Favre, der vor Wochen nur noch auf Abruf zu arbeiten schien. Brandt habe „gut verteidigt, und nach vorne bringt er immer etwas“, lobte der Fußballlehrer in seiner typisch frankophonen Tonlage.

Favres bester Punkteschnitt

Drei Bundesligasiege in Folge markieren einen Umschwung, seit nach dem Offenbarungseid gegen den SC Paderborn (3:3) nicht nur intern Tacheles geredet, sondern auch die Umstellung auf Dreierkette zur Festigung des gesamten Gebildes mitsamt Trainerstuhl beschlossen wurde. Favre sprach von „Intuition“, aber es soll auch sanften Druck aus Spielerkreisen gegeben haben. Plötzlich weist der Schweizer vor seinem 50. Bundesligaspiel den besten Punkteschnitt (2,14) aller Dortmunder Trainer auf. Thomas Tuchel (2,09) ist Zweitbester.

„Das tut sehr gut“, bestätigte der 62-Jährige fast ein bisschen gerührt, für den der Kraftakt bei Hertha BSC (2:1) das Schlüsselerlebnis der Trendwende bedeutete. Natürlich gebe auch der Achtelfinaleinzug in die Königsklasse „Vertrauen“, erklärte Favre noch. Am heutigen Montag werden dafür die Lose gezogen, wobei Zorc bereits einen vorweihnachtlichen Wunsch äußerte: „Die Klubs aus dem Norden Englands brauchen wir nicht unbedingt.“

Weder soll es also der FC Liverpool mit seiner Kultfigur Klopp noch Manchester City mit seinem Charakterkopf Pep Guardiola sein. Sollte es doch so geschehen, hat der BVB-Baumeister beschlossen, es so hinzunehmen „wie das Wetter“.

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