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Jubelnde Dreifachtorschützin: Alexandra Popp (Mitte).

Frauen-Nationalmannschaft

Torreicher Aufbruch

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Die deutschen Frauen wollen sich vom 10:0 nicht täuschen lassen.

Eben noch hatte Alexandra Popp so breit gelächelt wie die vielen jugendlichen Zuschauer, die sich in Kassel vom torreichen Auftakt der deutschen Frauen-Nationalmannschaft in die EM-Qualifikation gegen Montenegro (10:0) so gut unterhalten fühlten wie von einem prall gefüllten Geschenkekorb beim Kindergeburtstag. „Das war ein Riesenspaß“, befand die Dreifachtorschützin (8., 24. und 34.), die seit Samstag bei 102 Länderspielen auf 51 Treffer kommt und neben der sich noch Svenja Huth (3.), Klara Bühl (34./59.), Sara Doorsoun (52.), Turid Knaak (54.), Lea Schüller (84.) und Linda Dallmann (88.) in die Torschützenliste eintrugen. Doch absolut „keinen Bock“, so deutlich gab die Kapitänin es fast im selben Atemzug zu verstehen, habe sie noch darauf, irgendwelche Interpretationen aus der WM-Analyse anzustellen. Die Erlebnisse in Frankreich seien unter der Woche in intensiven Gesprächen hinlänglich aufgearbeitet, und jetzt geht bitte der Blick nach England, wo 2021 die EM stattfindet.

Selbst wenn sich die 28-Jährige eine strikte Trennung zwischen vergangener WM und bevorstehender EM wünscht, verknüpft die nächste EM-Qualifikationspartie in der Ukraine (Dienstag 16 Uhr/ZDF) unweigerlich Vergangenheit und Gegenwart. Und davon erzählte die nachträglich für ihr 100. Länderspiel von DFB-Interimspräsident Rainer Koch und Direktor Oliver Bierhoff ausgezeichnete Anführerin mit der ausgewiesenen Luft- und Deutungshoheit ja selbst: „Wenn ich meine Tore mache, ist das ein gutes Gefühl. Aber ich weiß einzuordnen, dass der Gegner nicht Schweden war, sondern Montenegro. Die Ukraine ist einen Tacken stärker. Die haben Schweden 1:0 in der WM-Qualifikation geschlagen.“ Allein dieser Fakt bildete die imaginäre Verbindungslinie: Es waren nun mal die Skandinavierinnen, die mit ihrem Viertelfinalsieg (2:1) vor zwei Monaten die Grundsatzfragen für den deutschen Frauenfußball aufwarfen.

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg wusste, dass der einseitige Vergleich gegen die arg limitierten Fußballerinnen aus dem Balkan, das erst seit sieben Jahre ein Frauen-Nationalteam unterhält, nicht viel Aussagekraft für eine bessere Zukunft besaß: „Wir waren in allen Belangen überlegen. Mit Blick aufs Ukraine-Spiel haben wir ein paar Kräfte geschont.“ Popp, Sara Däbritz und Giulia Gwinn wurden ausgewechselt, Spielmacherin Dzsenifer Marozsan hielt sich sehr zurück.

Lob von Dietrich

In der Ukraine werden die Tore nicht so leicht fallen wie auf dem sonnenüberfluteten Rasen im Auestadion überreife Äpfel von einem voll behangenen Obstbaum. „Wir wollen dort drei Punkte, müssen uns aber auf einen kampfstarken Gegner einstellen, der auch spielerische Fortschritte gemacht hat“, warnte Voss-Tecklenburg. Es war immerhin ihrem von Anfang bis Ende engagierten Team anzumerken, dass die persönlichen Befindlichkeiten hintenan zu stehen haben, um gemeinsam voranzukommen. Liga-Sprecher Siegfried Dietrich (1.FFC Frankfurt), als einer der wenigen anwesenden Funktionäre aus der Frauen-Bundesliga, befand: „Bei den Bedingungen haben die Spielerinnen Charakter gezeigt.“ Froh gestimmte 6275 Zuschauer hörten gar nicht auf, mit ihren Klatschpappen gute Stimmung zu machen. Was die Bundestrainerin freute, der die positiven Aspekte der WM in der Gesamtbetrachtung ein bisschen zu kurz gekommen sind. Der Neustart in Nordhessen sandte somit allenfalls eine zarte Aufbruchsstimmung aus, wobei auch die erstmals im DFB-Dress als Torschützin in Erscheinung eingetretene Verteidigerin Sara Doorsoun sagte: „Wir wissen, bei allem Respekt, was das für ein Gegner war.“

Bemerkenswert, dass an ihrer Seite nun wohl dauerhaft Lena Oberdorf verteidigen soll. Voss-Tecklenburg möchte die noch gar nicht volljährige Allrounderin von der SGS Essen für die letztlich doch zu limitierte und aktuell verletzte Vereinskollegin Marina Hegering zur Abwehrstütze aufbauen. Der erste Lackmustest für die Standfestigkeit der deutschen Deckung mit einer 17 Jahre alten Innenverteidigerin wird morgen die Partie im westukrainischen Lwiw, wohin der DFB-Tross bereits am Sonntag vom Flughafen Kassel-Calden aufgebrochen ist.

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