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Die Kunst des Tischtennisspielens, hier demonstriert von Dimitrij Ovtcharov.
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Die Kunst des Tischtennisspielens, hier demonstriert von Dimitrij Ovtcharov.

Olympia

Tischtennis: Deutsches Team holt Silber und ist „stolz“

  • VonMichael Wilkening
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Die deutschen Tischtennisspieler treiben China zu einer Topleistung und sind trotz der knappen Niederlage zurecht stolz auf Silber.

Das Resultat war deutlicher als das Geschehen an der Platte. Die deutschen Tischtennisspieler waren im Finale des Teamwettbewerbs angriffslustig, aber der Gegner war stärker. Ein Erfolg gegen die übermächtigen Chinesen wäre einem absolutes Tischtenniswunder gleichgekommen – und eben das ist im Metropolitan Gymnasium in Tokio ausgeblieben. Mit 3:0 setzte sich der Favorit durch und gewann die olympische Goldmedaille. Für Dimitrij Ovtcharov, Timo Boll und Patrick Franziska gab es die Silbermedaille, die sich wie ein kleines Gold anfühlen durfte. Im Spiel mit den Celluloid-Bällen ist ebenfalls ein Sieger, wer hinter China Zweiter wird.

Die Deutschen hatten es probiert und die Chinesen unter Druck gesetzt. Nach den dramatischen 3:2-Erfolgen im Viertelfinale gegen Taiwan und im Halbfinale gegen Japan waren sie bereit für die größtmögliche Herausforderung, aber der Champion war stärker. „Wir haben sie vor Aufgaben gestellt“, sagte Bundestrainer Jörg Roßkopf. Der Favorit jedoch fand Lösungen.

Ovtcharov führte gegen den Weltranglistenersten Fan Zhendong mit 2:1 nach Sätzen, doch im finalen fünften Durchgang war gegen die Willenskraft des Silbermedaillengewinners im Einzel-Wettbewerb kein Kraut mehr gewachsen. Boll steigerte sich anschließend gegen Ma Long von Satz zu Satz, wehrte gegen den fünffachen Olympiasieger im dritten Durchgang drei Matchbälle ab, aber die Angriffslust des Chinesen ließ nicht nach, so dass der sechste Matchball von Ma Long die Partie und damit das Duell um Gold im vierten Satz entschied. Im Eröffnungsdoppel waren Boll und Franziska bei einer klaren 0:3-Niederlage ohne Chance geblieben. „Es muss alles perfekt laufen, wenn du gegen die Chinesen gewinnen willst“, sagte Boll. Der 40-Jährige wirkte wie seine Teamkollegen stolz auf das Erreichte, und er hatte die Siegerehrung genossen.

„Ein großes Turnier“

„Es war ein schöner Moment, als mir Timo die Medaille umgehängt hat“, sagte Ovtcharov. Der Bronze-Medaillengewinner im Einzel lebte wie seine Kollegen den Mannschaftsgedanken. Der Moment, als sich die Athleten gegenseitig mit dem Edelmetall für die starken Leistungen belohnten, sorgte für spezielle Emotionen. Ovtcharov erlebte den Empfang seiner insgesamt sechsten Olympiamedaille auf eine bislang unbekannte Art – und reagierte mit ein paar Tränen der Freude. Die Übermacht des Finalgegners hatten sie zu diesem Zeitpunkt längst akzeptiert. „Wir haben ein großes Turnier gespielt, auch im Finale. Wir haben unsere kleine Chance gehabt. Wir sind sehr stolz auf dieses Turnier und mit der Silbermedaille mehr als zufrieden“, sagte der Bundestrainer Roßkopf. Hans-Wilhelm Gäb, der Ehrenpräsident, fand: „Wir haben die Chinesen im Finale auf ihr höchstes Niveau getrieben.“

Die Chinesen haben in den Tagen von Tokio etliche Goldmedaillen gewonnen. Im Medaillenspiegel sind sie sogar den USA enteilt, aber die Erfolge im Tischtennis bleiben trotzdem die wichtigsten. Tischtennis ist im Reich der Mitte ein Kulturgut, es bildet ein Stück Identität. Der Druck auf den Schultern der besten Spieler des Riesenreiches ist unvorstellbar groß. Die Ausnahmekönner treten nicht nur gegen die besten Akteure der anderen Nationen an, sondern immer auch gegen die Gefahr einer „Schande“, einen großen Titel zu verpassen.

Nachdem das chinesische Mixed-Doppel das Finale in Tokio gegen Japan verloren hatte, gab es aus Peking „ordentlich Feuer“, wie Roßkopf berichtete. Vor diesem Hintergrund sind die Leistungen von Ma Long und Fan Zhendong noch ein Stück höher einzuordnen.

Im Finale des Teamwettbewerbs stellten sie ihre Stärke eindrucksvoll unter Beweis. Die Deutschen forderten die Topstars vor allem in den Einzeln, aber die Nummer eins und zwei der Weltrangliste wehrten alle Angriffe gekonnt ab. Die Chinesen wussten um die Gefahr, die von Ovtcharov, Boll und Franziska ausging und wirkten deshalb vom ersten Ballwechsel an hochkonzentriert. Mit stoischer mentaler Kraft schmetterten sie den Versuch der Deutschen ab, Geschichte zu schreiben. „Es ist beachtlich, wie gefestigt sie sind“, lobte Boll die Konkurrenten aus Fernost.

Irgendwann wird es im Teamwettbewerb bei den Olympischen Spielen einen anderen Sieger geben als China, auch wenn es aktuell schwer vorstellbar ist. In Tokio war dieser Zeitpunkt noch nicht gekommen, aller Angriffslust der Deutschen zum Trotz. „Wir werden es in Paris wieder probieren“, kündigte der Bundestrainer selbstbewusst Roßkopf an. Potenzial ist vorhanden.

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