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Kennt die Olympiabühne: Timo Boll, 40 Jahre alt.
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Kennt die Olympiabühne: Timo Boll, 40 Jahre alt.

Tischtennis bei Olympia

Timo Bolls Suche nach dem guten Gefühl

  • VonMichael Wilkening
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Altmeister Timo Boll tastet sich in Tokio ins Turnier hinein - anfangs mit Problemen, dann immer besser im Auftaktspiel.

Das „Tokyo Metropolitan Gymnasium“ ist die sechste Halle, an denen an den Wänden überall die Olympischen Ringe aufgeklebt sind, die Timo Boll als Athlet betreten hat. Im Teilnehmerfeld des Olympischen Turniers in Tokio gibt es keinen, der annähernd so viel gesehen und erlebt hat wie der Erbacher. Der 40-Jährige hat sich viele Routinen im Laufe der Jahre angeeignet, aber sie alle halfen nicht bei einem speziellen „Problem“. Die Nervosität vor seinem ersten Einsatz musste er sich wie alle anderen auch aus den „Klamotten“ spielen. Weil das letztlich souverän gelang, hat Boll den Einzug ins Achtelfinale des Einzelwettbewerbs geschafft, nur ganz zu Beginn hatte er beim 4:1 (7:11, 11:6, 11:7, 11:2, 11:1) gegen den Kasachen Kirill Gerassimenko ein paar Schwierigkeiten.

„Am Anfang denkt man sich, wie grell es hier ist und fühlt sich angestrahlt“, sagte Boll später. Wie alle Athleten sucht der deutsche Fahnenträger von Rio de Janeiro 2016 ein gutes Gefühl für seinen Wettkampfort, um die bestmögliche Leistung zeigen zu können. Die Schläge sitzen, sind tausendfach im Training eingeübt worden.

In Japan ein Star

Bei den großen Turnieren bedarf es zusätzlich einer Zufriedenheit mit der Spielstätte, mit der Temperatur in der Arena oder der Beschaffenheit des Bodens, um erfolgreich sein zu können. Die besten Sportler sind eben auch Gefühlsmenschen. „Wenn man im Spiel ist, sucht man nach dem Feintuning“, erklärt Boll.

Anderthalb Sätze lang fand er es gegen den zu Beginn stark aufspielenden Gerassimenko nicht, verlor den ersten Durchgang und musste im zweiten aufpassen, nicht noch höher in Rückstand zu geraten. In diesen Momenten half aber, was einem 40-Jährigen in einer solchen Phase helfen muss. Mit Ruhe und Beharrlichkeit, erworben in knapp 20 Jahren Tischtennis auf Spitzenniveau, entwickelte Boll ein Gefühl für den Gegner, für die Platte – und für sich selbst. Nach zwei spektakulären Punktgewinnen im dritten Satz war er endgültig im Olympischen Turnier angekommen und gab in den Durchgängen vier und fünf insgesamt nur noch drei Punkte ab.

Nach 32 Minuten war das Match beendet. Insgesamt war der Einstand souverän, der Erfolg ungefährdet und Boll deshalb gelassen. „Am Anfang habe ich den Ball noch nicht so gespürt, aber das ist normal. Im zweiten Satz wurde ich dann immer besser und besser Man bekommt etwas mehr Selbstvertrauen“, umschrieb Boll die Entwicklung während seiner persönlichen Tokio-Premiere.

Nach dem Matchball winkte er kurz in Richtung der Tribüne, auf der eine kleine deutsche Delegation saß. Kaum vorstellbar, wie groß wohl die Begeisterung gewesen wäre, wenn Zuschauer in der Halle zugelassen wären. Boll ist ein Superstar in Fernost, er hat dort den Rang eines Popstars, weil Tischtennis in Asien eine Rolle wie in Deutschland der Fußball genießt, und weil Boll ein paar Jahre lang eine ernste Bedrohung für die Topspieler vor allem aus China, aber auch aus Japan war. Die ehemalige Nummer eins der Weltrangliste ist bei den Japanern ein Idol. Sie würden ihn begeistert feiern, sofern er nicht gegen einen Japaner antreten würde – und das ist aktuell noch nicht absehbar.

Im Viertelfinale könnte er in Tokio auf den aktuellen Weltranglistenersten Zhendong Fan aus China treffen, doch bis zu einem traumhaften Duell auf den größten Tischtennisbühne wartet noch ein weiteres Match. Gegen den Griechen Panagiotis Gionis oder den starken Südkoreaner Youngsik Jeoung, die erst in der Nacht auf Dienstag aufeinandertrafen, steht am Dienstag (9.30 Uhr MESZ) das Achtelfinale an.

Nach überstandenen Hüftproblemen, die ihn in Tokio nicht mehr behindern, soll in der Runde der letzten 16 noch nicht Endstation sein, bei seiner Abschiedsvorstellung im Zeichen der fünf Ringe wünscht er sich noch einen Vergleich mit dem stärksten Chinesen. „Timo ist in einer guten Form, körperlich wie mental“, sagte Bundestrainer Jörg Roßkopf: „Aber hier haben 20, 25 Spieler realistische Chancen auf eine Medaille. Und da gehört Timo dazu, ganz klar. Dafür ist er hier.“

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