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Tief verflochten im Netzwerk des Sports

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Von: Mathias Müller

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Eishockey mag der Präsident, da schießt er auch schon mal sieben Tore in einem Spiel.
Eishockey mag der Präsident, da schießt er auch schon mal sieben Tore in einem Spiel. © AFP

Kreml-Boss Putin ist auch durch Gazprom in die Fußballwelt hinein gedribbelt, ihm geht es um eines: Macht!

Wladimir Putin, 69, ist Träger des schwarzen Gürtels. Zu seinem 60. Geburtstag bekam er vom Internationalen Judoverband den 8. Dan der Meisterstufe – als erster Russe überhaupt. Verliehen hat ihn ihm IJF-Präsident Marius Vizer. Der Rumäne ist einer von vielen guten Sportfreunden des russischen Präsidenten. Im Radsport, Fechten, Schach, Schießen und Boxen sitzen russische Oligarchen (siehe untenstehenden Artikel) als Putins „Sportsoldaten“ jeweils sogar an der Vereins- oder Verbandsspitze. Durch Gazprom und andere Investoren hat sich der Kreml-Boss auch tief bis in das Fußball-Netzwerk gedribbelt. Warum er das alles macht? Macht.

„Putin erweckt oft patriotische Gefühle. Die Sportler werden als Helden gefeiert, und ihre Erfolge dienen der Leistungsschau“, sagt Robert Kempe, der seit zehn Jahren für die ARD und den WDR über die Zusammenhänge von Sport und Politik berichtet. Dass er seine Gefolgsleute in den Verbänden positioniert, ist kein Zufall. „Er will Einfluss und im Gespräch bleiben“, sagt Kempe, der vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 selbst erfahren durfte, wie weit Putins Arm reicht.

Putin liebt Eishockey

Kurz vor Turnierbeginn wurde ihm seine Akkreditierung, nach vorheriger Uefa-Zusage, von Russland nach einem „Hintergrund-Screening“ entzogen und erst auf mehrfache Nachfrage seines Arbeitgebers doch wieder erteilt. Dass Putins Plan oft genug aufgeht, zeigte die Rangliste der IOC-nahen Onlineseite „Around the Rings“, die ihn im Jahr 2014 als zweiteinflussreichste Person im Sport aufführte - das hat sich bis heute zumindest nicht entscheidend verändert.

Dass seine Position und die Russlands durch die aktuellen Entwicklungen in der Ukraine geschwächt werden, glaubt Kempe dagegen nicht: „Der Sport ist nicht bekannt dafür, kritisch mit seinen Geldgebern umzugehen. Wie das Beispiel China zeigt, tut er sich ja schon schwer damit, bei dem Thema Menschenrechte klar Stellung zu beziehen.“

Dabei wäre es beispielsweise für die Uefa eine Möglichkeit, das Finale der Fußball-Königsklasse aus St. Petersburg an einen anderen Ort zu verlegen. Uefa-Präsident Aleksander Ceferin dürfte darauf aber wenig erpicht sein. Der Slowene, übrigens auch Schwarzer-Gürtel-Träger, schaffte es 2016 aus dem Nichts auf den Thron. Russlands skandalumwitterter Ex-Sportminister Witali Mutko soll ihn dabei protegiert und unterstützt haben. Obendrein ist Gazprom Hauptsponsor bei Zenit St. Petersburg, Premiumpartner der Champions League. Zwar verfügte beispielsweise die Europäische Handball-Föderation, dass wegen der angespannten Lage in den kommenden vier Wochen keine internationalen Spiele in der Ukraine stattfinden werden. In Richtung Russland gibt es im Profisport aber noch keine klaren Konsequenzen.

Dass Russland im Sportbereich von den Verbänden letztendlich relativ wenig Auswirkungen zu befürchten haben dürfte, zeigt auch der Umgang mit dem staatlich organisierten Olympia-Dopingskandal 2014 in Sotschi. Der Sportgerichtshof CAS halbierte seine ohnehin eher weichen Sanktionen von zunächst vier auf zwei Jahre. Immerhin: Russland darf bis Ende 2022 keine Großereignisse austragen. Also eigentlich.

Die Spiele der Fußball-EM 2021 zählten nicht dazu – kleines Schlupfloch. Gleiches gilt 2022 für die Formel 1 und die Volleyball-WM. 2023 findet die Eishockey-WM in St. Petersburg statt. Da ist Putin in seinem Element. Zu seinem 63. Geburtstag veranstaltete er zu seinen Ehren ein Spiel. Putins Team gewann 15:10, der Präsident schoss sieben Tore. Mit dabei: Ex-Profis, Politiker – und einige Oligarchen.

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