Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Alexander Zverev nach seinem Sieg gegen Matteo Berrettini bei den ATP Masters in Madrid. Foto: Gabriel Bouys / Afp
+
Alexander Zverev nach seinem Sieg gegen Matteo Berrettini bei den ATP Masters in Madrid.

ATP Masters

Tennis: Zverev siegt in Madrid - Grand-Slam-Titel in Sicht?

  • VonJörg Allmeroth
    schließen

Tennisspieler Alexander Zverev setzt sich im Endspiel der ATP Masters in Madrid gegen den Italiener Matteo Berrettini durch.

Wie eine rauschende Party in diesen Corona-Zeiten aussieht, präsentierte Alexander Zverev seiner Internet-Gemeinde noch am Abend des Masters-Sieges von Madrid in Bild und Ton. Gemeinsam mit dem Team Zverev posierte der Sandplatz-Champion vor den Überresten einer üppigen Fastfood-Lieferung in seinem Hotel. Es wirkte nicht besonders gesund oder anziehend, dieses spätabendliche Mahl, aber die kleine Sünde tat offenbar sehr gut nach der harten Plackerei im roten Sand. „Unbeschreiblich“ fühle es sich an, nach drei Jahren wieder einen Masters-Titel gewonnen zu haben, sagte der 24-jährige Hamburger nach dem Erfolgserlebnis, das er mit einem dramatischen 6:7 (8:10), 6:4, 6:3-Sieg gegen den formstarken Italiener Matteo Berrettini in der „Caja Magica“ sichergestellt hatte. In Sichtweite der Jahres-Höhepunkte, der wichtigsten Saisonwochen, wirkte Zverev bereit für die kommenden Herausforderungen – bei den French Open in Paris ab Ende Mai und in Wimbledon einen Monat später. „Das war beeindruckend von Zverev. Sehr, sehr gut“, befand Turnier-Impresario Ion Tiriac, der am Sonntag seinen 82. Geburtstag feierte.

Turniersiege kann man mit viel Glück und der Gunst des Auslosungs-Schicksals erarbeiten. Es gibt Gewinner, die durchs Ziel marschieren, ohne auch nur einen Top-10-Gegner geschlagen zu haben. Auf Zverev traf das allerdings in Madrid, beim Masters-Branchentreffen der Topspieler, ganz und gar nicht zu. Zunächst erledigte er äußerst unbequeme Vorrundenaufgaben, gleich zum Auftakt gegen einen ehemaligen Grand-Slam-Finalisten wie Kei Nishikori oder den Briten Dan Evans. Dann hätte ihn normalerweise das Aus ereilen können, vielleicht gar müssen, im Viertelfinale gegen den besten Sandplatzspieler aller Zeiten, den 13-maligen French- Open-Sieger Rafael Nadal. Doch den „Kannibalen“ und Lokalmatador räumte er ebenso sicher aus dem Weg wie im Halbfinale dessen Kronprinzen, den zweimaligen Roland-Garros-Finalisten Dominic Thiem. Was für Zverev im letzteren Fall auch eine kleine Revanche für den großen US-Open-Frust des letzten Herbstes war – damals hatte der Deutsche gegen den Österreicher noch eine 2:0-Satzführung im Grand-Slam-Finale verschleudert. „So etwas schafft man nicht alle Tage“, sagte Zverev im Rückblick, zu Recht selbst etwas beeindruckt vom außergewöhnlichen Double gegen Nadal und Thiem.

Fast immer weiß man bei Zverev nicht so genau, woran man mit ihm ist. Im Guten wie im Schlechten. Im Finale gegen Berrettini schien vieles möglich: eine stabile Fortsetzung seiner Erfolgsserie, aber auch ein Einbruch, wie der Aussetzer vor anderthalb Wochen bei den Münchner BMW Open, als er gegen den Belarussen Iwaschka, die Nummer 107 der Weltrangliste, jäh ausschied. Aber ein vergleichbar bitterer Abgang blieb ihm in Madrid erspart, trotz eines Black-Outs im umkämpften Tiebreak des ersten Satzes, als er bei 8:8 einen zweiten Aufschlag mit 226 Stundenkilometern ins Aus setzte und das Glücksspiel danach verlor. Zverev machte sich wenig draus, drehte die Partie, vor allem mit unbändigem Einsatz, weniger mit großer spielerischer Klasse. Er zeigte die Qualitäten, die es bei den Zermürbungsauftritten im Sand braucht: Ausdauer, Geduld, Defensivstärke, Moral. Ganz einfach den nötigen Biss und Mumm. „Ich habe in keinem Spiel irgendwie nachgelassen oder aufgesteckt“, sagte Zverev.

Grand-Slam-Titel fehlt

Es lohnte sich, am Stichtag Madrid einen Blick auf Zverev und seine Altersgenossen zu werfen. Denn so sehr etwa die Russen Medwedew oder Rublev gehypt werden, so sehr man von der Kreativität des Griechen Tsitsipas schwärmt – Zverev ist der mit Abstand erfolgreichste Spieler der U25-Truppe im Wanderzirkus. Bis jetzt hat er 15 Titel eingesammelt, dahinter folgen in gebührender Distanz Medwedew (10) und Rublev (8). Unter den aktiven Spielern aller Altersklassen hat Zverev nach den Großmeistern Djokovic, Nadal, Federer und Murray nun die meisten Masters-Siege, vier an der Zahl. Was ihm noch fehlt, ist ein Grand- Slam-Titel.

Drei Möglichkeiten hat er noch in dieser Saison, allerdings zeigen gerade an diesen Schauplätzen die überaus rüstigen Veteranen ihre Beharrungskraft. „Ich fühle mich gut, um in diesem Jahr überall angreifen zu können“, sagte Zverev, dem nach dem Sieg und der leicht bizarren Fast-Food-Sause kaum Zeit zum Atemholen blieb. Schon am Montagmorgen ging es per Flugzeug weiter nach Rom, weiter zum nächsten Masters-Wettbewerb. „So lange wie möglich“ wolle er auch dort am Ball und im Geschehen bleiben, so Zverev, „mal sehen, was geht.“ Das eigentlich große Ziel sind nun aber erst einmal die Grand-Slam-Festspiele in Paris. Dort hat es Zverev schon zwei Mal bis ins Viertelfinale geschafft. Mehr ist möglich und machbar für ihn. Vielleicht schon 2021.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare