Handball

Tempo, Abwehr, Abstimmung

Viel Arbeit für deutsche Handballerinnen.

Der Bundestrainer war ein bisschen genervt. „Mit den ersten 20 Minuten bin ich überhaupt nicht zufrieden, da haben wir ohne Aggressivität in der Abwehr und ohne Druck im Angriff gespielt“, sagte Henk Groener nach dem 26:32 (10:18) der deutschen Handballerinnen gegen Weltmeister Niederlande in Lingen. Seine Kapitänin Kim Naidzinavicius zeigte die Baustellen auf, die es auf dem Weg zur EM im Dezember zu beackern gilt: „Unser Tempospiel, unsere Abwehr und vor allem unsere Abstimmungsprobleme.“

Nach dem ebenso überraschenden wie erfreulichen 27:25-Sieg gegen denselben Gegner zwei Tage zuvor ließ Groeners Team am Samstag besonders in den ersten 20 Minuten alles vermissen, was ein gutes Team ausmacht. Das DHB-Team verschlief den Start komplett, biss sich die Zähne an der gegnerischen Abwehr aus und war schwach im Abschluss. Beim Stand von 3:12 nahm Groener die erste Auszeit, kurz darauf bat er beim 5:14 wieder zum Gespräch.

Kreisläuferin Luisa Schulze sparte nicht mit Kritik. „Wir waren gar nicht anwesend und fokussiert“, sagte die 30-Jährige: „Wir haben viel zu viele einfache Tore kassiert, und im Angriff fehlte uns die Sicherheit.“ Allerdings gönnte Groener dem Abwehr-Innenblock mit Naidzinavicius und Xenia Smits viele Pausen und testete andere Varianten. Zudem fehlten in Emily Bölk und Julia Behnke zwei starke Kräfte für den Mittelblock.

Nach 20 Minuten erwachte das deutsche Team dann aus ihrem Tiefschlaf und bot dem Weltmeister deutlich mehr Gegenwehr. Shenia Minevskaja verkürzte zwischenzeitlich auf drei Tore (20:23/46.), auf Rechtsaußen wirbelte Julia Maidhof die niederländische Abwehr durcheinander, hinten entschärfte Torfrau Dinah Eckerle etliche Chancen des Gegners. Doch die Aufholjagd blieb unbelohnt, am Ende wurde es ein deutlicher Sieg für den Weltmeister.

EM im Dezember

„Wir haben insgesamt zu viele einfache Fehler gemacht“, sagte Groener, der aber insgesamt mit dem einwöchigen Lehrgang zufrieden war: „Auf vieles können wir im Hinblick auf die EM aufbauen – wenn man von den ersten 20 Minuten des zweiten Spiels absieht.“ Auch Rückraumspielerin Minevskaja sprach von einem „Schritt in die richtige Richtung. Wir haben Moral gezeigt und uns zurück ins Spiel gekämpft, auch das ist eine Leistung.“

Mit Blick auf die EM werden außerdem einige Stammkräfte zurückkehren, die in Lingen fehlten. Rückraumspielerin Emily Bölk und Kreisläuferin Julia Behnke durften wegen einiger Corona-Fälle in ihrem Budapester Verein nicht reisen, beide gelten für die EM als gesetzt. Auf Rechtsaußen überzeugte Julia Maidhof, sie dürfte sich die Position bei der EM mit Routinier Marlene Zapf teilen. Im Tor ist Dinah Eckerle gesetzt, die junge Lea Rüther erwies sich aber gegen die Niederlande als verlässlicher Ersatz.

Die EM findet vom 4. bis 20. Dezember in Dänemark und Norwegen statt. Deutschland bekommt es in der Vorrunde in Trondheim mit Co-Gastgeber Norwegen, Polen und Rumänien zu tun. sid

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