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Julian Edelman (11) und Tom Brady feiern den Super Bowl.

Super Bowl

„Ein hässlicher Sieg“

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Die Patriots gewinnen in einem schlechten Spiel zum sechsten Mal den Super Bowl.

Es war irgendwie treffend, dass Julian Edelman am Ende das Gesicht dieses 53. Super Bowl war, dieser raue, bullige Kerl mit dem wild wuchernden Bart, dieser unermüdlicher Rackerer in der Offensive der New England Patriots, die am Sonntagabend mit einem 13:3-Erfolg gegen die Los Angeles Rams ihren sechsten Football-Titel innerhalb von 18 Jahren gewannen.

Es war Edelman, der für seine überragende Leistung als Passempfänger die Auszeichnung als wertvollster Spieler des Abends verliehen bekam und nicht etwa Tom Brady, der Superstar der Patriots, der seit 18 Jahren das Team aus Boston von Triumph zu Triumph führt. Und das leuchtete jedem ein, der die durchwachsene Partie in Atlanta gesehen hatte, bei der beinharte Zweikämpfe das Geschehen bestimmten und nicht die eleganten Spielzüge für die der smarte Brady steht.

So fasste Edelman in seiner einfachen, direkten Sprache den Abend auch mit den Worten zusammen: „Ich nehme lieber einen hässlichen Sieg als eine hübsche Niederlage.“ Brady stimmte ihm darin durchaus zu, als er den Erfolg der Patriots als „erschunden“ charakterisierte.

In der Tat war das nicht hübsch anzuschauen, was sich da in der hypermodernen Arena von Atlanta vor den Augen von weltweit mehr als 110 Millionen Zuschauern abspielte. Bis in die Mitte des letzten Viertels war keine der beiden Mannschaften in die Endzone des Gegners vorgedrungen, die bis dahin jeweils drei Punkte hatten beide Teams ihren Kickern zu verdanken. Ansonsten ließen extrem aggressive Defensivaufgebote dem jeweiligen Gegner keinen Zentimeter Raum. „Es gab nicht wirklich viel Platz“ sagte Brady. Beinahe zwei Stunden lang mussten sich die Zuschauer ein schlechtes Spiel anschauen.

Dann gelangen Brady doch noch zwei seiner legendären Pässe, die nur wenige Minuten vor dem Abpfiff das Schicksal der wackeren Rams aus Los Angeles besiegelten. Ein Bilderbuchwurf über 29 Yards landeten in den Armen von Rob Gronkowski und nur einen Yard von der Line der Rams entfernt. Ein Laufspielzug brachte den ersten und letztlich entscheidenden Touchdown der Partie.

Edelman als bester Mann des Abends ausgezeichnet

Bis dahin war es vor allem Edelmann gewesen, der Bewegung ins Spiel gebracht hatte. Mit unglaublicher Wendigkeit war er der einzige Patriot, der sich immer wieder durch die Linien der Rams schlängeln konnte, um Würfe von Brady zu empfangen. Zum Erfolg führte jedoch auch das nicht.

Doch am Ende teilte ein strahlender Brady die Auffassung seines Passempfängers, dass ein hässlicher Sieg besser sei als keiner. „Das fühlt sich definitiv besser an,als letztes Jahr“, sagte Brady. Damals hatte New England im Finale etwas überraschend gegen Philadelphia verloren.

Nach dem Spiel fand Brady, dass dieser Sieg unter der Rekordzahl seiner nunmehr sechs Meisterschaften der vielleicht befriedigendste gewesen sei. Denn wie das Super-Bowl-Spiel selbst war auch die ganze Saison ein Kampf. Noch im Dezember wurde den Patriots nach einer Serie von Niederlagen nachgesagt, dass sie nicht mehr gewinnen könnten. Das Gefühl, dass sie doch noch das Zeug dazu haben, gab Brady zu, habe er erst während dem Conference-Endspiel gegen Kansas City vor zwei Wochen wieder verspürt.

Der sportliche Durchhänger während der Saison hatte auch eine Diskussion entfacht, ob Patriots-Dynastie mit Brady und seinem Mentor Bill Belichick, die wohl erfolgreichste Verbindung in der Geschichte des US-Profisports, langsam zu Ende gehe. Offene Auseinandersetzungen auf dem Spielfeld schienen die Eiscnhätzung zu belegen, man sagte Brady nach, dass er den alten Griesgram Belichick mit seiner Besessenheit langsam satt habe.

Von all dem war am Sonntag in Atlanta jedoch nichts mehr zu spüren. Brady jedenfalls wollte trotz seines fortgeschrittenen Alters von 41 Jahren von einem Rücktritt nichts wissen. Für ihn spreche nichts dagegen, auch noch mit 45 die Knochen hinzuhalten – eine Botschaft, die bestens zu seinem Buch zum Thema lebenslange Höchstleistung passt.

Das gefällt nicht jedem: Brady ist, wie die „New York Times“ erst jüngst schrieb, „in den ganzen USA außerhalb von New England unbeliebt“. Die scheinbar unzerstörbare Dominanz, die Skandale um mutmaßlichen Betrug, ein gewisser Hauch von Überheblichkeit – das alles macht Tom Brady gewiss nicht zum Liebling der Massen. Und doch musste man in den ganzen USA am Sonntag zähneknirschend anerkennen, dass Brady sich den Titel des Größten aller Zeiten nun endgültig verdient hat.

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