Tennis

Struff will jetzt auch Djokovic ärgern

Tennisprofi spielt sich in die Fan-Herzen und kommt so weit wie nie bei einem Grand Slam

Als Jan-Lennard Struff selig und schreiend vor Freude zu Boden ging, war es ein Wunder, dass seine Gelenke heil blieben. Wie ein Eishockey-Torhüter im Butterfly-Stil sank er auf der rote Asche von Roland Garros auf die Knie, weit hinten auf Court 14, wo das Publikum seinen Spaß daran hatte, diesen tatsächlich bis zum Umfallen kämpfenden Deutschen abzufeiern. „Ich freue mich unglaublich für ihn“, betonte Alexander Zverev, der zur gleichen Zeit über seinen eigenen Fünfsatz-Sieg am Tag der zwei deutschen Marathon-Männer Auskunft gab.

Zverev und Struff stehen bei den French Open nun im Achtelfinale, Struff zum ersten Mal bei einem Grand Slam. Nach seinem packenden, 4:28 Stunden dauernden 4:6, 6:1, 4:6, 7:6 (7:1), 11:9 gegen Borna Coric (Kroatien, immerhin 15. der Weltrangliste) trifft er nun auf Branchenführer Novak Djokovic. „Es bedeutet mir alles“, sagte Struff (29) über seinen ersten Vorstoß in die zweite Woche eines Grand Slams und ergänzte ruhig: Wenn er gegen Djokovic gut serviere und aggressiv spiele, „habe ich eine Chance, ihn zu ärgern.“

Das mag vielleicht ein bisschen zu optimistisch klingen, aber Struff ist bereits seit Wochen in bestechender Form. „Ich kann die Jungs alle schlagen, das ist gerade so mein Gefühl“, sagte der Sauerländer, nachdem er in der ersten Runde Kanadas Jungstar Denis Shapovalov (Nummer 24) besiegt hatte. Er hat in diesem Jahr auch schon Stefanos Tsitsipas aus Griechenland (6.) oder den ehemaligen US-Open-Sieger Martin Cilic (Kroatien/13.) besiegt. Und beim Masters in Indian Wells auch Zverev (5.). Struff ist derzeit 45. der Weltrangliste.

Das alles kommt nicht von ungefähr. Struff, seit zwei Monaten erkennbar glücklicher Vater von Sohnemann Henry, spricht in Paris von der „harten Arbeit“, die er und „mein Team“ jetzt in die Karriere investieren. Er setzt sich nun höhere Ziele, weil „irgendwann sagt man sich: Es reicht nicht mehr, wenn man kleine Ziele hat, dann erreicht man nicht viel.“ Er lobt in diesem Zusammenhang Coach Carsten Arriens, Ex-Profi und eine Weile Davis-Cup-Kapitän: „Er kann einen sehr gut pushen und neue Wege aufzeigen.“ Offensichtlich sind es Wege zum Erfolg.

Geholfen haben mag Struff bislang auch, dass er in Roland Garros mit Zverev trainierte. „Netter Typ“, sagt der derzeit einzig wahre Warsteiner über den ATP-Champion. Die Trainingseinheit am Sonntag aber wollte Struff nach seinem Marathon gegen Coric nicht wahrnehmen, „da kann ich ihm leider keinen Gefallen tun“, sagte er mit einem Augenzwinkern. Ach ja, und seinen Bart, den er gerade sprießen lässt und den nicht mal seine Freundin mag, will er auch nicht abrasieren. Nicht aus Aberglaube, sondern der Optik wegen: „Sonst sehr ich ja aus wie zwölf.“

Struff war nach seinem Sieg gegen Coric sogar der „New York Times“ eine Schlagzeile wert – er stellte damit Zverev und dessen 6:4, 6:2, 4:6, 1:6, 6:2 gegen Dusan Lajovic aus Serbien in den Schatten. „Es muss mir mal jemand erklären“, sagte der Hamburger danach im Scherz, „dass nicht jedes Match über fünf Sätze gehen muss.“ Am Montag bekommt es Zverev mit Fabio Fognini (Italien) zu tun, der auf Sand beste Referenzen vorweisen kann. Das heißt: Es könnte wieder über fünf Sätze gehen. (sid)

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