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Seine Mimik dürfte die Stimmung aller Profiligen wiedergeben: Handball-Torhüter Silvio Heinevetter. 

Versicherung

„Das steht in keinem Verhältnis“

Die Berufsgenossenschaft hat die Beiträge für die Unfallversicherung deutlich erhöht und stellt die Profiklubs aus dem Eishockey, Handball und Basketball vor erhebliche Probleme.

Wegen Corona keine Spiele und keine Einnahmen, aber zusätzliche Kosten: Die Profiligen im Eishockey, Handball und Basketball schlagen Alarm, weil inmitten der existenzbedrohenden Krise die Unfallversicherung für ihre Spieler erheblich teurer wird. „Die Beitragserhöhungen treffen alle Vereine, ausgenommen die Klubs der ersten und zweiten Liga im Fußball, bis ins Mark. Das ist kein Trinkgeld“, sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL). „Auch ohne die Corona-Krise wäre das eine bittere Pille gewesen – aber jetzt schlägt es dem Fass den Boden aus.“

Die für den Profisport zuständige Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) hat im April, als die Saison wegen der Corona-Pandemie längst abgebrochen oder zumindest unterbrochen war, rückwirkend den sogenannten Beitragsfuß für das Jahr 2019 von 3,9 auf 4,6 angehoben. Die Rechnungen wurden Anfang Mai verschickt. „Das sind 100 000 bis 150 000 Euro mehr für jeden Klub“, erklärte Geschäftsführer Gernot Tripcke von der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Insgesamt müssen die 14 DEL-Klubs Beiträge in Höhe von 10,7 Millionen Euro für das vergangene Jahr zahlen, geplant hatten sie ursprünglich mit 9,1 Millionen. Im Dezember kündigte die VBG zunächst eine Erhöhung des Beitragsfußes auf 4,3 an und empfahl den Klubs, „rechtzeitige Rückstellungen“ zu bilden.

Jetzt hat sich die finanzielle Situation deutlich verschärft: Eishockey wird seit dem Saisonabbruch am 10. März nicht mehr gespielt, die lukrativen Playoffs und damit Einnahmen von rund 20 Millionen Euro fielen weg. Der Handball pausierte seit dem 12. März und brach am 21. April die Spielzeit endgültig ab, der Schaden wird auf rund 25 Millionen beziffert. Einzig die Basketballer wollen die Saison mit einen Finalturnier in München im Juni – ohne Zuschauer und mit großen Einbußen – zu Ende bringen. Insolvenzen sind, auch mit Blick auf den ungeklärten Start der nächsten Saison im Herbst, nicht ausgeschlossen.

Die DEL, die HBL und die Basketball Bundesliga (BBL) wandten sich gemeinsam mit dem Profifußball an die Politik und baten Bundesarbeitsminister Hubertus Heil um Hilfe zu einer Stundung bis Ende 2021 und einen Teilerlass. Daraufhin bot die VBG jedoch lediglich eine Ratenzahlung der vollen Beiträge bis Ende dieses Jahres an, wie allen anderen versicherten Unternehmen auch. Bohmann hofft nach einer Videoschalte unter anderem mit dem Innenministerium auf Hilfe der Politik und hat auch eine „Sensibilität“ festgestellt.

Die aktuelle Beitragserhöhung inmitten der Corona-Krise ist nur ein Teil des Problems. Man müsse anschließend mit der VBG grundsätzlich über die Beitragshöhe sprechen, sagte BBL-Chef Stefan Holz.: „Bei einem mittleren BBL-Klub, der etwa um Rang acht mitspielt, macht es eine halbe Million Euro aus, das sind etwa zehn Prozent des Etats. Das steht in keinem Verhältnis mehr.“

Seit 2013 haben sich die Beiträge fast verdoppelt. Und sie steigen weiter: Für das laufende Jahr wurde die Beitragsbemessungsgrenze von 96 000 auf 120 000 Euro brutto erhöht. Der Gefahrtarif steigt bis 2022 von 60,39 auf 68,54. Für 2020 müssten die Klubs für einen Spieler mit 120 000 Euro Bruttogehalt fast 35 000 Euro zahlen, 2018 waren es noch knapp 22 000.

„Seit Jahren sind die Beiträge im Schnitt doppelt so hoch wie die Kosten, die wir verursachen“, betonte Gernot Tripcke und verwies darauf, dass auch Freizeitsportler, die 200 Euro im Monat verdienen, als „bezahlte Sportler“ mitversichert sind. „Alle werden in einen Topf geworfen“, sagte der DEL-Geschäftsführer, „die Untergrenze sollte bei mindestens 20 000 Euro im Jahr liegen, entsprechend dem Mindestlohn.“ (sid)

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