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Wollen ganz legal wieder stehen: englische Fußballfans.
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Wollen ganz legal wieder stehen: englische Fußballfans.

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Steht auf, ihr Briten

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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England will nach langer Zeit wieder Stehplätze in der Premier League zulassen. Es gibt aktuell wenig Argumente gegen die Rückkehr zur aufrechten Haltung.

Es ist ja nicht so, dass in Englands Stadien nicht schon jetzt gestanden würde - nicht nur bei einer beifallumrauschten Auswechselung. Sondern die vollen 90 Minuten. Es ist halt nur verboten, aber viele halten sich schlicht nicht dran. Gästefans stehen auf der Insel grundsätzlich in Premier League und Championship, der zweiten Liga, und auch für heimische Anhänger gibt es in vielen Arenen eine Art Stimmungsblock, in dem niemand sitzt. Es wird toleriert, verstößt im Kern aber gegen die heilige Stadionordnung,

Denn das Stehen ist gesetzlich verboten, seit 1994. Das liegt ursächlich im Trauma begründet, das das Hillsborough-Desaster im Jahr 1989 auslöste. Damals kamen im FA-Cup-Halbfinale zwischen Liverpool und Nottingham Forest 97 Menschen auf einer bereits heillos überfüllten Stehtribüne ums Leben, die meisten unter 30 und aus Liverpool. Seitdem gibt es ein striktes Sitzgebot.

Doch alles deutet daraufhin, dass dieses Verbot bald aufgehoben wird. Im neuen Jahr starten englische Klubs ein sechsmonatiges Pilotprojekt, Stehen im Stadion soll möglich und legal sein.

Das seit Jahren leidenschaftlich geforderte Umdenken hat mehrere Gründe, gute Gründe. Zum einen sind die Stadien auf der Insel längst Schmuckstücke, hochmodern, sicher und längst nicht mehr mit jenen engen, abrissreifen, käfigartigen Bruchbuden vergleichbar, eingangs der 90er Jahre, die die Katstrophe ja bedingt haben. Ein Stadionbesuch in England ist sicher.

Ein zweiter Grund ist, dass das derzeitige eigentlich unerlaubte Stehen gefährlich ist. Fast an jedem Spieltag sieht man nämlich Fans, die nach einem Tor jubelnd über Sitzlehne stolpern und mehrere Reihen tief fallen. Es gibt ja kein sogenanntes Safe Standing, also die aus den meisten Bundesligastadien bekannten, etwa bis zur Hüfte reichenden Geländer mit Klappsitz.

Reise zum Stehplatz

Schließlich gibt es auch in England zahlreiche Fan-Gruppierungen, die sich seit Jahren vehement für bezahlbare Stehplätze einsetzen. Ein Fußballspiel, so die Auffassung vieler, wird stehend geguckt und soll sich auch jeder leisten können. Viele können das nicht mehr, auch deshalb hat sich - jedenfalls vor der Pandemie - regelrecht eine erstaunliche Reisetätigkeit Richtung Deutschland entwickelt, die in hiesigen Arenen eben just dieses Stehplatzerlebnis genießen wollen - selbst wenn da auf dem Rasen, sagen wir Borussia Dortmund gegen den FC Augsburg spielen.

Schließlich herrscht in den hypermodernen Arenen bisweilen eine unterkühlte Stimmung, die einen stark an ein Operettenpublikum erinnert. Und vielerorts kann sich eben just nur noch ein solches Publikum die sündhaft teuren Tickets leisten. Auch in England werden die einfachen Fans immer mehr vors heimische TV (oder in die Pubs) gedrängt.

Es gibt also wenig Argumente gegen die Rückkehr zur aufrechten Haltung. Steht auf, wenn ihr Engländer seit.

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