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Sprung ins Freiwasser hat sich gelohnt

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Von: Nico-Marius Schmitz

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Leonie Beck mit der WM-Medaille in Gold.
Leonie Beck mit der WM-Medaille in Gold. © Andrea Masin/Imago

Weltmeisterin Leonie Beck aus Würzburg schaut freudig zurück auf das Jahr 2022.

Am Lido di Ostia, ein Badeort vor den Toren Roms, machte Leonie Beck im August etwas, was sie normalerweise nicht tut: jubeln. Nicht etwa, weil Beck keinen Erfolg hätte. „Aber normalerweise freue ich mich immer mehr innerlich“, sagt sie. Doch nach dem 10-Kilometer-Rennen bei der Freiwasser-EM und der Goldmedaille streckte Beck nach dem Anschlag die Faust in die Luft. Ihr erstes Gold in einem Einzelrennen. Und der nächste Höhepunkt einer Karriere, die auch schon mal holprig verlief.

Beck schwamm jahrelang im Becken, konnte sich immer für die wichtigsten Wettbewerbe qualifizieren, dort aber nie ihre Bestleistung abrufen. Die Olympischen Spiele 2016, ausgeschieden im Vorlauf über 800 Meter Freistil, waren ein Wendepunkt. „Rio war sozusagen das Highlight meiner Niederlagenserie“, sagt Beck: „Wenn man viele Misserfolge hat, ist das Gefühl natürlich nicht mehr gut, man macht sich immer mehr Druck. Nach Rio habe ich mir dann gedacht: Entweder ich höre jetzt auf, oder ich schnupper mal ins Freiwasser rein.“

Doch ein Reinschnuppern war das nicht. Beim Freiwasserschwimmen braucht man entweder viel Erfahrung oder viel Talent, sagt Beck. „Ich hatte beides nicht.“ Becken und Freiwasser sind nicht zu vergleichen. Beck musste sich alles wieder neu erarbeiten. Die ersten Rennen verliefen schlecht. „Ich hatte ständig Ellenbogen im Gesicht, bin mit blutenden Augen aus dem Wasser gekommen, irgendwo ganz hinten.“ Aber die Würzburgerin konnte schon nach einem Jahr zwei Silbermedaillen bei der Europameisterschaft erschwimmen.

Bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio wurde Beck über die 10 Kilometer Fünfte. Bei der Weltmeisterschaft in Budapest gab es dieses Jahr Gold mit der Staffel und Silber im Einzel. Die 25-Jährige ist längst in der Elite angekommen – und glänzt auch abseits vom Schwimmen.

Die Masterarbeit über „Body Positivity“ auf Instagram schrieb sie in zweieinhalb Wochen. Es ist Beck wichtig, sich ein zweites Standbein neben dem Sport aufzubauen. „Der Schwimmsport finanziert dir nicht dein Leben“, sagt sie. Um das abzufedern, ist Beck wieder auf Instagram aktiv, eigentlich hatte sie die App 2019 schon gelöscht, weil sie zu viel Zeit damit verbracht hatte. „Gerade bei Sportarten, die nicht so im Rampenlicht stehen, ist es wichtig, sich selbst zu vermarkten. Ohne Social Media geht es heutzutage nicht mehr.“

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