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Tokios Olympische Ringe im Zeichen der Pandemie.
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Tokios Olympische Ringe im Zeichen der Pandemie.

Kommentar

Spritze und Moneten

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Beim Versuch, die Olympischen Spiele in Tokio trotz steigender Corona-Fallzahlen zu retten, fordern Funktionäre eine Impfbevorzugung der Sportler:innen. Moralisch vertretbar ist das nicht. Ein Kommentar.

Thomas Bach, Gralshüter einer bis in die allerletzte Verästelung vermarktete Gelddruckmaschine namens Olympische Spiele, hat sich in seinem Bestreben, just diese Spiele in Japan im Sommer auf Gedeih und Verderb durchzuziehen, natürlich schon positioniert und sich klar für eine möglichst umfassende Impfung aller Sportler:innen ausgesprochen. Und Richard Pound, dienstältestes IOC-Mitglied, geht sogar noch einen Schritt weiter und fordert beim Impfen eine Vorrangbehandlung jener, die ab dem 23. Juli noch höher, weiter und schneller springen, werfen und laufen sollen. Der Kanadier, auch schon 78 Jahre auf der Welt, will die Spiele retten, er ahnt wohl, dass es eng werden könnte angesichts eines aktuell rapiden Anwachsens der Neuinfektionen mit dem Corona-Virus in Tokio und der Tatsache, dass im Sommer mehr als 10 000 Athlet:innen aus aller Herren Länder zusammenkommen werden.

Klar ist, dass sich eine Gesellschaft vor allem um jene kümmern muss, die alt, schwach und hilfsbedürftig sind, die dieser Pandemie allein nicht gewachsen sind. Deshalb gibt es hierzulande eine wohl durchdachte Reihenfolge, oberste Priorität genießt die Erhaltung der Gesundheit der Allgemeinheit. Und nicht das Interesse von Olympionik:innen oder auch Fußballprofis, die bereits einen Monat zuvor ihre kontinentale Meisterschaften in Europa ausspielen. Und allergrößten Wert darauf legen, dass auch in Zeiten der Pandemie der Rubel rollt, Olympische Spiele und Fußball-Europameisterschaften sind bekanntlich Milliardengeschäfte.

Einerseits. Andererseits sind die Mengen, die möglicherweise verimpft werden, eher gering. In den nächsten Monaten dürfte die Verfügbarkeit der Impfstoffe zudem steigen, die Sportler:innen würden somit niemandem etwas „wegnehmen“. Und will man das Risiko auf sich nehmen, dass nach dem Ende der Spiele und der EM, wenn alle wieder durch die Welt ziehen, als Super-Spreader wirken? Heikel bleibt aber die Frage, ob am Ende dann doch nur Vertreter der großen Nationen in den Genuss des Schutzes kommen. Und die armen sehen müssen, wo sie bleiben.

Die Gretchenfrage, ob es moralisch und ethisch vertretbar sei, dass junge, vor Gesundheit nur so strotzende Menschen eher zu impfen als jene, die in der Prioritätenliste weiter hinten angesiedelt sind, ist folglich leicht zu beantworten: natürlich nicht!

Der Sport, insbesondere der Profisport, tut gut daran, sich in dieser Frage defensiv zu verhalten und nicht sofort den Finger zu heben. Man werde sich nicht vordrängen, hat Alfons Hörmann die verantwortungsvolle Position des DOSB vertreten, man werde die Reihenfolge akzeptieren, die Ethikrat und Politik vorgeben. Alles andere ist einer aufgeklärten, deutlich sensibler gewordenen Gesellschaft auch nicht zu vermitteln. Eine Vorzugsbehandlung darf es nicht geben.

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