„Über die 100 Meter kann es schnell werden.“ Lisa Mayer (Mitte).
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„Über die 100 Meter kann es schnell werden.“ Lisa Mayer (Mitte).

Leichtathletik

Sprinterin Lisa Mayer: Endlich schmerzfrei

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
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Kurzsprinterin Lisa Mayer geht am Samstag bei ihrem Heimatverein in Wetzlar nach langer Zeit wieder über die 200 Meter an den Start. Für das kommende Jahr hat sie große Ziele.

Es wird in gewisser Weise eine neue Erfahrung für mich“, sagt Lisa Mayer. Über drei Jahre ist es her, seit die Kurzsprinterin das letzte Mal über die 200 Meter an den Start gegangen ist. Damals, am 27. Mai 2017, sprintete sie in Weinheim in 22,64 Sekunden über die Ziellinie. Hessenrekord und immer noch die schnellste Zeit einer Deutschen in diesem Jahrtausend. Andauernde Probleme mit den Beugeransätzen im Oberschenkel haben die 24-Jährige fast zwei Jahre lang zurückgeworfen, ehe sie im Februar dieses Jahres ihr emotionales Comeback beim Hallen-Meeting in Karlsruhe über die 60 Meter feierte. „Da habe ich nach dem Vorlauf etliche Tränen geweint“, erinnert sich die Strahlefrau gerne zurück. In 7,33 Sekunden war sie über die Ziellinie gerannt und hatte damit sogar ihren Trainer Rüdiger Harksen, bei dem sie in Mannheim trainiert, überrascht. „Das hattest du gar nicht drauf“, habe er ihr gesagt.

Am Samstag (14 Uhr/live auf Youtube bei leichtahtletik.de) steht auch die Rückkehr auf die 100 und 200 Meter beim Leichathletik-Meeting ihres Heimatvereins Sprintteam Wetzlar an. Die 1,71-Meter große Athletin wird sich mit der gesamten nationalen Spitze - allerdings ohne Gina Lückenkemper und Malaika Mihambo - messen. „Ich bin heiß darauf, zu laufen“, sagt die gebürtige Gießenerin voller Vorfreude. Auch bei den Männern sind bis auf Kevin Kranz alle Topsprinter um den deutschen Rekordhalter Julian Reus und den deutschen Meister Michael Pohl am Start.

„Über die 100 Meter kann es schon ganz schön schnell werden“, sagt die Zeitsoldatin. Für die 200 Meter würde ihr aber noch die Tempohärte fehlen, die es braucht. „Aber irgendwann muss ich ja wieder anfangen“. Schließlich will sie sich langfristig über die mittlere Sprintstrecke für Olympia qualifizieren. Die Corona-Krise und auch die Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio auf das Jahr 2021 sieht sie als Geschenk an.

„In der Hallensaison habe ich gemerkt, dass ich noch wahnsinnig viele Baustellen habe und noch lange nicht da bin, wo ich vor meiner Verletzung war.“ Richtig schmerzfrei ist sie erst seit Ende Mai. Ohne Corona, glaubt Mayer, hätten wieder ein paar Verletzungsbruchteile aufbrechen können. Schließlich wäre es unter normalen Bedingungen bei den Deutschen Meisterschaften Anfang Juni schon um die Tickets für Olympia gegangen. So finden die nationalen Titelkämpfe erst am 8. und 9. August in Braunschweig statt. Und ob die Olympischen Spiele in Tokio tatsächlich wie geplant ausgetragen werden können, ist weiterhin offen. „In meinem Kopf ist Olympia 2021 jedoch fest verankert“, sagt Mayer. Sonst wäre es schwierig, die Motivation aufrecht zu erhalten.

Während der Verletzungspause war es nicht immer einfach, sich zu motivieren. Vor allem, weil es keine Erklärung dafür gab, warum die Beuger im Oberschenkel jetzt wieder schmerzten – weder die Ärzte noch Physiotherapeuten hatten eine Antwort. Zudem hatte sie öfter mit Infekten zu kämpfen, die sich sofort auch in ihrer Muskulatur bemerkbar machten. „Meiner Meinung nach hat die Zusammenarbeit mit einer Heilpraktikerin den Durchbruch gebracht“, erklärt Mayer. „Wir haben meinen Magen-Darm-Trakt aufgebaut und das Immunsystem gestärkt.“ Seitdem war sie nicht mehr krank. Seit längerer Zeit ernährt sie sich mit ihrem Freund, dem 800-Meter-Läufer Marc Reuther von der LG Eintracht Frankfurt, vegan. Zudem hat sie vor zwei Jahren einen Nahrungsmittelunverträglichkeitstest gemacht, wo festgestellt wurde, dass ihr Körper unter anderem keine Paprika verträgt.

„So hart die zwei Jahre waren, so viel habe ich auch über mich gelernt und an mir arbeiten können“, sagt Mayer, die einen Bachelor in Germanistik und Geografie hat und nach ihrer sportlichen Laufbahn zum Fernsehen will. „Die Verletzungsphase hat mich mehr gelehrt, als jede Medaille es könnte, weil ich dadurch viel mehr gewonnen habe.“ Sie sei aufgeschlossener und hinterfragender in dieser Zeit geworden. „Jetzt habe ich aber genug gelernt“, sagt Mayer lachend.

Schließlich will sie ihre persönlichen Bestzeiten über die 100 Meter (11,14 Sekunden) und 200 Meter (22,64 Sekunden) knacken und hat auch noch mit der 4x100-Meter-Staffel Großes vor. „Wir wissen seit Rio, dass die Medaille drin ist“, sagt Mayer. 2016 bei Olympia wurden die deutschen Frauen Vierter. Ein Jahr später auch WM-Vierter. Im gleichen Jahr gab es Gold bei der Staffel-WM auf den Bahamas. Vor kurzem hat sich die Sprintelite in Kienbaum getroffen und da sei über die Ziele für die kommenden Jahre diskutiert worden. „Wir haben einen Plan“, sagt Mayer vielsagend, ohne in Details zu gehen.

Sie selbst denkt erst einmal kurzfristig. Nach Wetzlar wird sie noch in Regensburg und eventuell in Weinheim vor den deutschen Meisterschaften laufen. Danach würde sie noch gerne bei internationalen Meetings bis Anfang September starten. „Dann gehe ich eine Woche in Urlaub und dann fangen auch schon die Vorbereitungen für Tokio an.“

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