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Hatte schon bei den Deutsche Hallenmeisterschaften über 60 Meter die Nase vorn: Kevin Kranz vom Sprintteam Wetzlar.
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Hatte schon bei den Deutsche Hallenmeisterschaften über 60 Meter die Nase vorn: Kevin Kranz vom Sprintteam Wetzlar.

Leichtathletik

Sprinter Kevin Kranz: Professioneller und schneller

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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Kevin Kranz vom Sprintteam Wetzlar reist als Mitfavorit über die 60 Meter zur Leichtathletik-Hallen-EM nach Polen.

Zwischenzeitlich hatte Kevin Kranz „überhaupt keinen Bock mehr“. Nur eine Woche konnte der Sprintspezialist trainieren, dann war er wieder 14 Tage lang krank. Und irgendwann versagte der Körper des gebürtigen Frankfurters völlig. Das Pfeiffersche Drüsenfieber setzte ihn Schachmatt. 18 Monate nach der niederschmetternden Diagnose ist der 22-Jährige wie verwandelt. Er ist fitter, professioneller und schneller geworden.

Bei der Deutschen Hallenmeisterschaft in Dortmund vor zwei Wochen stellte er über 60 Meter den nationalen Rekord (6,52 Sekunden) von Julian Reus (Erfurt) ein und verbesserte seine persönliche Bestzeit um vier Hundertstel. Damit ist der Mann vom Sprintteam Wetzlar ein Mitfavorit auf den Titel bei der Leichtathletik-Hallen-EM im polnischen Torun an diesem Wochenende (5. bis 7. März). Die Kurzsprintspezialisten sind am Samstag dran. „Wenn ich als schnellster Mann in Europa anreise, will ich auch eine Medaille gewinnen“, sagt der deutsche Meister über die 100 Meter von 2018 selbstbewusst. Nur die US-Amerikaner Trayvon Bromel (6,48 Sekunden) und Micah Williams (6,49 Sekunden) waren diese Saison rascher unterwegs.

„Ich habe jetzt mehr Energie“, nennt Kranz den simplen Grund für seine Steigerung. Auch wenn der 1,80 Meter und 70 Kilogramm schwere Athlet sich den Weg dahin gerne erspart hätte. „Der Darm war komplett hin“, berichtet sein Trainer David Corell, der Kranz zu einem Spezialisten schickte. Das Drüsenfieber habe das aufgedeckt. So wurde eine Gluten- und Ei-Unverträglichkeit festgestellt und ein Pilz entdeckt. „Ich esse keinen Zucker mehr, ernähre mich gesünder“, sagt Kranz. Zum Kurz-Trainingslager nach Kienbaum von Samstag bis Mittwoch nahm er sich sein eigenes Frühstück mit. Selbst den Apfelsaft lässt er stehen. „Da er die Bestätigung durch die Zeiten hat, dass es funktioniert, nimmt er es noch ernster“, sagt Corell. Der Cheftrainer Sprint des Hessischen Landesverbandes (HLV) ist ebenfalls in Torun dabei und freut sich, dass neben Kranz auch Michael Pohl aus seiner Trainingsgruppe in Frankfurt am Start ist. Er war in Dortmund neue persönliche Bestzeit in 6,60 Sekunden gelaufen und hatte sich so für die Hallen-EM qualifiziert. „Ich nenne ihn Benjamin Button. Je älter er wird, desto schneller ist er“, scherzt Corell über den 31-Jährigen. Pohl hat seine Masterarbeit abgegeben, pausiert bei seiner Arbeit und fokussiert sich nun im Olympiajahr vollends auf den Sport. „Wir haben eine saugute Trainingsgruppe“, findet Kranz: „Michael und ich pushen uns gegenseitig hoch.“ Auch das Zustoßen von Lisa Mayer in die Frankfurter Trainingsgruppe, die wie Pohl und Kranz zum Sprintteam Wetzlar gehört, hat Kranz gutgetan, weil er sich so etwas von der Professionalität der Staffel-Olmypiavierten von Rio abschauen kann.

Ein ebenfalls wesentlicher Faktor ist, dass Kranz den Kopf nur für den Sport frei hat. Seine Ausbildung bei der Sportfördergruppe der hessischen Polizei hat er nach zweieinhalb Jahren abgebrochen. „Es hat mir keinen Spaß gemacht. Außerdem war ich nach der Arbeit oft platt und konnte dann im Training nicht mit vollem Akku auf hohem Niveau sprinten“, erklärt er. Dafür nahm er auch 20 000 Euro Schulden, 30 Prozent von dem, was er bei der Polizei verdient hat, in Kauf. Den Betrag muss er über die kommenden zehn Jahre zurückzahlen.

Aus Fehlern zu lernen gilt auch am Samstag, wenn es in den Startblock geht. Vor zwei Jahren war er als Deutscher Hallenmeister mit der zweitschnellsten Zeit Europas nach Glasgow zur EM gereist und wollte im Finale zu viel. „Ich bin beim letzten Mal gestolpert“, erinnert sich Kranz, der damals Achter wurde. Das soll diesmal anders werden, auch wenn er mit Marcell Jacobs einen starken Konkurrenten hat. Der Italiener lief nur eine Hundertsel (6,53 Sekunden) langsamer in dieser Saison, war aber konstanter in seinen Leistungen. „Es ist kein unmachbares Ding. Kevin kann Jacobs Stress und Druck machen“, sagt Corell. Darauf hat Kevin Kranz auf jeden Fall richtig Bock.

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