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Übt öffentlich Kritik: Kaori Yamaguchi.
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Übt öffentlich Kritik: Kaori Yamaguchi.

Der steinige Weg nach Tokio, Teil 6

Sportlicher Ungehorsam in Japan

  • VonFelix Lill
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Die Kritik in Japan an den Olympischen Spielern wird immer lauter - auch bei Offiziellen und Betroffenen

Olympische Spiele, so heißt es offiziell immer wieder, werden in erster Linie für die Sportler:innen gemacht. Es ist ihre Chance, vor einem Milliardenpublikum über sich hinauszuwachsen, auch mit einer Randsportart mal kurz berühmt zu werden, das eigene Land stolz zu machen. Auf diese Chance arbeiten die Athletinnen und Athleten jahrelang hin. Und wenn die Olympischen Spiele dann beginnen, ist auch ohne Triumph schon ein Traum erfüllt. Dabeisein ist ja alles.

Im Vorlauf der Spiele von Tokio ist von solchen Jubelchören der Vorfreude wenig zu hören. Auf der ganzen Welt bereitet die Pandemie der Sport treibenden Klasse große Probleme und Sorgen. Wo kann man sich wann impfen? Was gilt es im Fall einer Infektion zu beachten? Wie geht es mit den noch ausstehenden Qualifikationsevents weiter? Viele Fragen bleiben offen. Unter anderem auch diese grundsätzliche: Sollte man bei diesen Spielen wirklich dabei sein?

Vor einem Jahr waren es Athlet:innen aus dem Ausland, die durch ihre öffentlich mitgeteilte Skepsis gegenüber den Spielen im Sommer 2020 die einjährige Verschiebung quasi erzwangen. Denn nach mehrfachem Beteuern, die Spiele würden wie geplant stattfinden, lenkten Tokios Veranstalter erst ein, als die nationalen Verbände von Australien und Kanada die Bedenken einiger Sportler:innen deutlich wiederholt hatten. Doch in jenem Land, wo „Tokyo 2020“ für die Athlet:innen die allergrößte Bühne werden sollte, blieb es still: in Japan.

Ein Jahr später ist das anders. Eine um den Jahreswechsel unter 42 japanischen Athlet:innen durchgeführte Befragung des Rundfunksenders NHK dokumentiert weit verbreitete Zweifel und mindestens gedämpfte Vorfreude. 38 Prozent gaben darin zu Protokoll, dass in der aktuellen Situation ihre Motivation nachlasse. Außerdem fanden 26 Prozent, dass sich die öffentliche Debatte um die Sinnhaftigkeit dieser Spiele auch auf ihr Gemüt auswirke.

Und das Ganze ist mittlerweile auch nicht mehr nur anonym. Die für ihre Meinungsstärke bekannte Langstreckenläuferin Hitomi Niiya sagte zuletzt in einem Interview auf die Frage, ob sie sich auf Olympia freue: „Als Sportlerin will ich es durchziehen. Als Mensch will ich es nicht.“ Schon im August hatte sie verlautbart, man könne die Spiele auch absagen, „wenn die Bürger dagegen sind“. Niiya sprach wohl auch von sich selbst. Denn sie hat auch schon gesagt: „Um ehrlich zu sein, denke ich, dass das Leben wichtiger ist als die Olympischen Spiele.“

„Es gibt Wichtigeres“

Auch die Sportfunktionärin Kaori Yamaguchi, Bronzemedaillengewinnerin im Judo bei den Spielen von Seoul 1988 und Exekutivkomiteemitglied des Japanischen Olympischen Komitees, hat schon Zweifel geäußert. In einem Meinungsartikel in der liberalen Zeitung „Asahi Shimbun“ beklagte sie: „Der Standpunkt, die Menschen zurückzulassen und die Spiele einfach durchzuziehen, ist nicht im ursprünglich sportlichen Sinne von Olympia. Es sieht so aus, als gehe es dabei um Politik, um Wirtschaft, um kühle Erwägungen.“

IOC-Präsident Thomas Bach hat die Welt aufgefordert, nicht weiter über einen Ausfall zu diskutieren. „All diese Spekulationen schmerzen die Athleten in ihrer Vorbereitung.“ Dabei ist unklar, was die Athleten mehr schmerzt: zu den Gefahren zu schweigen oder sie offen anzusprechen. So sagte Takuya Haneda, japanischer Bronzemedaillist im Kanuslalom bei den Spielen von Rio 2016, über seine Olympiavorbereitungen: „Ich glaube, es gibt im Moment Wichtigeres. Ich muss mir jeden Schritt, heute und morgen, gut überlegen. Die Welt ist im Moment voller Risiken.“ Nicht für alle ist Dabeisein dieser Tage noch alles.

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