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Nicht glücklich über den fünften Platz: Martin Schmitt.
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Nicht glücklich über den fünften Platz: Martin Schmitt.

Vierschanzentournee

Zwischen Jubel und Trauer

In Oberstdorf überzeugt Martin Schmitt beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee, tut sich aber schwer, seinen fünften Platz als Erfolg zu werten. Von Stephan Klemm

Von STEPHAN KLEMM

Die Zutaten haben auf jeden Fall gestimmt nach dem ersten Durchgang für Martin Schmitt kurz nach Sonnenuntergang an der Schattenbergschanze in Oberstdorf. Zur Halbzeit war er Vierter - mit minimalem Rückstand auf Rang zwei, und sogar Position eins und der Schweizer Simon Ammann schienen angreifbar: Nur 3,6 Punkte weniger für den Schwarzwälder, das entspricht exakt zwei Metern. Die Stimmung war entsprechend ausgelassen in der Allgäu-Arena, als Schmitt um 18:12 Uhr hoch oben auf dem Balken saß, um sich abzustoßen für die Entscheidung der ersten Station der 57. Vierschanzentournee.

Doch die Verhältnisse waren nicht optimal - 1,0 Meter Rückenwind, ein Zustand, den Skispringer nicht mögen, weil er sie nach unten drückt. Hinzu kam ein nicht so gelungener Absprung, die Landung erfolgte entsprechend früh, die gute Ausgangsposition war verloren. Den 134,5 Metern zum Auftakt folgten 129 Meter, kein schlechtes Resultat, aber eben auch nicht die benötigte überragende Weite für den Flug nach ganz vorn. Am Ende reichte es aber immer noch zu Rang fünf für den besten deutschen Teilnehmer, der damit seine starke Form der Vorwochen bestätigte.

Der Sieg jedoch ging an den großen Favoriten Ammann. Der Weltcup-Führende gewann knapp mit 1,2 Punkten Vorsprung vor dem Österreicher Wolfgang Loitzl und 2,0 Zählern vor dem Überraschungs-Dritten Dimitri Wassiliew aus Russland.

In Schmitts Schatten konnten seine lange so hadernden und zaudernden Team-Kollegen komplett überzeugen: die Bayern Michael Neumayer und Michael Uhrmann auf den Plätzen neun und zehn sowie sogar noch Position 15 für den Oberhofer Stephan Hocke. Uhrmann brachte die Stimmung im Team auf den Punkt: "Ich freue mich über das super Teamresultat, nur schade, dass es Martin nicht aufs Podest geschafft hat. Aber das holt er bei der Tournee bestimmt noch nach."

Vier Akteure des Deutschen Ski-Verbandes unter den besten 15 - ein so gutes Ergebnis hat es lange nicht mehr gegeben. Entsprechend zufrieden war der neue Bundestrainer Werner Schuster: "Das ist eine ganz ausgezeichnete Startposition für uns in diese Tournee." Und DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller jubilierte: "Ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann ich so etwas das letzte Mal erlebt habe. Das muss zu Sven Hannawalds Zeiten gewesen sein."

Es war aber dennoch kein Tag der allgemeinen Freude in Schusters Team. Schon nach seinem starken ersten Sprung schien Schmitt ein wenig misslaunig, er schüttelte die Hände als Geste der Unzufriedenheit. "Da ist mir der Absprung auch nicht gelungen, ich habe viel mit meiner Routine im Flug selbst korrigiert", sagte der 30-Jährige, dessen Freundin Patricia unter den Zuschauer. Als Schmitt dasselbe Missgeschick am Bakken noch mal passierte, "war dann aber nichts mehr zu machen. Es war ja noch irgendein Fehler drin, das habe ich gespürt, ich weiß aber noch nicht, welcher es war." Schmitts obligatorisches Lächeln schien in diesem Moment sehr gezwungen.

Der Ehrgeiz war Schuld, Schmitt hatte mehr von sich erwartet: "Klar, ich wollte weiter nach vorne, dafür bin ich Sportler, dafür lebe und trainiere ich. Wenn man die Chance hat, auf das Podest zu springen, würde man gerne im Auslauf jubeln. Deshalb bin ich etwas enttäuscht." So wurde es Rang fünf - und immerhin die Bestätigung der Vorleistungen: "Ich weiß, dass die Form stimmt. Aber nun tut es erst mal ein bisschen weh." Nach dem Abendessen jedoch "wird sich mein Zustand schon wieder ändern, dann bin ich bestimmt glücklich".

Ammann wiederum war schon vor dem Abendessen glücklich. Beim Versuch einer ersten Analyse überschlug sich seine Stimme, es entwickelte sich die für ihn in Phasen der Aufgeregtheit so typische gleichzeitige Lach-und-Sprech-Phase: "Das war gewiss kein überragender Auftakt für mich im ersten Sprung. Ich wusste, ich muss einen genialen Sprung auspacken. Und das macht es nicht leichter." Letztlich ist es ihm gelungen, in Oberstdorf feierte er bereits seinen fünften Sieg im achten Wettkampf dieses Winters.

Auf seiner Mission, als erster Schweizer die Vierschanzentournee zu gewinnen, hat er den ersten Schritt gemacht. Seit seinem Doppel-Olympiasieg von Salt Lake City trägt Ammann den Spitznamen "Harry Potter". Wie ein kleiner Zauberer hat der amtierende Weltmeister mit der markanten Brille Titel abgeräumt, aber jetzt ist er so gut in Form wie noch nie. Bundestrainer Schuster sagt über seinen Ex-Schützling, dass "er sich wie kein zweiter Springer auf den Punkt konzentrieren kann". Der 27-Jährige mit deutscher Freundin hat nun vor dem Neujahrsspringen kein Problem mit seiner Position als Tourneefavorit: "Die Rolle als Gejagter gefällt mir. Ich will die Dominanz der Österreicher zerschlagen."

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