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Der Anzug hilft - viele kleine Luftbläschen sorgen für Auftrieb.
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Der Anzug hilft - viele kleine Luftbläschen sorgen für Auftrieb.

Olympia 2012 Schwimmen

Zweifel an den Fabelzeiten

Im Schwimmen purzeln die Weltrekorde. Mit wundersamen Leistungen sorgen die Chinesin Ye Shiwen und die Litauerin Meilutyte für Diskussionsstoff. Woran liegt es, dass auch ohne Ganzkörperanzüge die Schwimmer immer schneller werden?

Von Karin Bühler

Ob sich die Schwimmerin Ye Shiwen so gern an der Yams-Wurzel labt wie Jamaikas Leichtathletik-Clown Usain Bolt, ist nicht bekannt. Ebenso wenig kann man über das Blutbild der chinesischen Olympiasiegerin und neuen Weltrekordhalterin über 400 Meter Lagen erfahren. Denn anders als der internationale Radsport- oder Leichtathletikverband hat der Schwimm-Weltverband (Fina) bisher erfolgreich die Einführung eines biologischen Athletenblutpasses vermieden.

Was also soll man nun anfangen mit diesen Wunderzeiten aus dem Aquatics Centre? Misstrauisch den Kopf schütteln? Einfach staunen? Oder die Sprachlosigkeit der 15-jährigen Litauerin Ruta Meilutyte teilen, die im Halbfinale über 100 Meter Brust den Europarekord gebrochen hat, sich dabei selbst von 1:07,3 Minuten auf 1:05,21 Minuten verbesserte. Das war die viertschnellste Zeit auf dieser Strecke. Am Montagabend im Finale schwamm sie dann nur noch 1:05,47 Minuten, und es reichte trotzdem schon für die Goldmedaille.

"Es gibt kein Problem mit Doping"

Die Ganzkörperanzüge aus Hightech-Materialien wie Polyurethan sind längst verboten. Sie haben lange Zeit hergehalten als Erklärung für die Entwicklung der Ergebnisse, die schneller und immer schneller wurden. Wie aber lässt sich nun erklären, dass nach acht Entscheidungen in Londons Aquatics Centre bereits drei Weltrekorde fielen?

400-Meter-Lagen-Siegerin Ye Shiwen (16) beteuerte: „Es gibt kein Problem mit Doping.“ Das chinesische Team habe schließlich eine strikte Politik. Diese Aussage lässt freilich Interpretationsspielraum.

Natürlich gibt es da die veränderten Startblöcke, die nun eine schräge Absprungfläche haben und für Beschleunigung beim Sprung ins Wasser sorgen. Und auch das Becken in London hat seine Eigenheiten. Es ist mit drei Metern ungewöhnlich tief. Bei internationalen Wettkämpfen sind sonst Wassertiefen zwischen 1,80 und zwei Metern üblich. „Eigentlich sagt man: Je tiefer das Becken, desto schneller der Schwimmer“, hat Paul Biedermann vor den Wettbewerben erzählt.

Der allerneueste Schrei

Ist das wirklich so? „Da streiten sich die Wissenschaftler, ob das einen Anteil daran hat, der die Rekorde beeinflussen kann“, sagt Wolfgang Hein, der Vorsitzende der Kommission für Sportstätten und Umwelt beim Deutschen Schwimm-Verband (DSV). „Mehr Auswirkung hat die Verwirbelung und die Wasserzusammensetzung“, meint er. Die Transferkanäle, die am Beckenrand im Aquatics Centre dafür sorgen, dass überströmendes Wasser ungehemmt abfließen kann, damit es weniger Wasserverwirbelungen auf der Oberfläche gibt, seien sicherlich „der allerneueste Schrei“, meint der Architekt.

Die Beckentiefe hat wohl pragmatische Gründe: mehr Platz für die Unterwasserkameras – und für die Synchronschwimmerinnen, die kommende Woche ihre Figuren ins Wasser tanzen. Natürlich hat sich das Schwimmen und seine Trainingsmethodik entwickelt. Natürlich haben die Athleten ihre Kicks in den Unterwasserphasen ausgebaut und ihre Start - und Wendetechnik verbessert. Aber wie weit wollen sie die Grenzen der körperlichen Leistungsfähigkeit noch verschieben?

Das Vertrauen sinkt

DSV-Experte Hein verweist darauf, dass die Stoffanzüge, die derzeit getragen werden, zwar nicht mehr aus Polyurethan bestünden, dafür aber „noch technologischer konzipiert sind als vor drei Jahren“. Bei den Frauen zeigt die Unterwasserkamera viele kleine Luftbläschen in der Körpermitte, die für Auftrieb und eine bessere Wasserlage sorgen.

„Es gibt im Moment viele Punkte, die zusammenkommen. Technologisch wurde deutlich mehr gemacht, damit die Schwimmer in die Bereiche der Weltrekorde kommen“, sagt Hein. „Denn ohne Weltrekorde ist eine Sportart nicht so interessant.“ Das mag so sein. Allerdings gilt umgekehrt: Mit jedem neuen Weltrekord sinkt auch das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit des Sports – selbst wenn die Yams-Legende eine wirklich schöne Geschichte ist.

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