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Große Sprünge sind wieder sein Metier: Martin Schmitt.
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Große Sprünge sind wieder sein Metier: Martin Schmitt.

Vierschanzentournee

Dem Zweifel davongeflogen

Martin Schmitt hat das Vertrauen in seine Sprünge wiedergefunden - und den Respekt seiner Gegner erlangt. Von Stephan Klemm

Von STEPHAN KLEMM

Eine erstaunliche Sache haben die erfolgreichen Gesandten aus Österreich gesehen, sie waren darüber sogar richtig erschrocken. Toni Innauer ist selten um eine spontane Antwort verlegen, in Oberstdorf aber überlegt er lange und findet dann doch die gewohnt eloquente Wendung, diesmal für einen neuen Gegner: "Das Vertrauen in Martin Schmitt kann man nicht spielen. Da muss sein Trainer etwas entdeckt und aktiviert haben, was in ihm steckt."

Wie der deutsche Skispringer das Wiedererlernte umsetzt, ist für den österreichischen Rennsportdirektor für Sprunglauf "außergewöhnlich. Sein erster Sprung am Schattenberg war exorbitant gut." Alexander Pointner, der Trainer des Teams Austria, sagt sogar: "Der erste Sprung von Martin Schmitt war der beste der Konkurrenz. Es ist sensationell, wie er zurückgekommen ist. Wir müssen wieder mit ihm als Sieger rechnen."

Die bisher gezeigte Stärke des Schwarzwälders hat die derzeit beste Mannschaft des Weltcups noch einigermaßen gleichgültig hingenommen - ja, das ist jemand, aber nein, gefährlich wird er uns nicht mit seinen Platzierungen. Nach dem ersten Wettkampf der 57. Vierschanzentournee in Oberstdorf jedoch ist das anders: Pointner und Innauer zählen Schmitt seit Montagabend zum Kreis der Favoriten dieser Veranstaltung. Das ist auch ein Reflex der Sorge um das eigene Team.

Konstanz und Form wieder da

Schmitts Weg von ziemlich weit unten zurück nach ziemlich weit oben hat sich in Oberstdorf also fortgesetzt. Am Ende rangierte er als bester Deutscher auf Rang fünf, was ihn zunächst ein bisschen enttäuscht hat. Am Dienstag jedoch war dieses Gefühl verflogen: "Ich bin sehr zufrieden. Und glücklich, weil ich weiß, dass meine Konstanz und meine Form weiter da sind." Jetzt will er daran arbeiten, die Konkurrenz zweimal zu verblüffen. In Oberstdorf gelang das nicht, weil sich ein Fehler in den zweiten Flug geschlichen hat, den Schmitt manchmal macht. Es geht um einen Spannungsverlust kurz vor dem Absprung, indem er seinen Schwerpunkt zu weit nach hinten verlagert. Die Folge ist eine zu flache Flugkurve und eine geringere Weite. Laut Schmitt muss das nicht so bleiben, er will nun am Neujahrstag in Garmisch-Partenkirchen - Station zwei der Tournee - wieder angreifen. Und die dortige Anlage "liegt mir sehr, sehr gut."

In manchen Phasen ist allerdings der Zweifel noch einer von Schmitts Flugbegleitern. Vor zehn Jahren wäre das anders gewesen, da begann seine Siegesserie, sie führte ihn zu 28 Weltcup-Erfolgen, vier Weltmeister-Titeln und 2002 zu einem Team-Olympiasieg. Letztmals gewonnen hat Schmitt einen Wettkampf im finnischen Lahti, das war am 1. März 2002. Danach war die Leistung verschwunden, das Selbstvertrauen auch, gekommen war die Unsicherheit und mit ihr die Skepsis.

Nach seiner ersten Landung in Oberstdorf war sie wieder da - "ich war unsicher, ich wusste nicht, was der Sprung wert war. Dieses Wissen muss ich mir erst wieder erarbeiten." Inzwischen weiß er, dass er die Konkurrenz damit fast im Griff hatte - für ihn wurden zudem die mit Abstand schlechtesten Bedingungen der Favoriten gemessen. "Das gibt mir schon Vertrauen in mich. Aber ich weiß, dass ich weiter arbeiten und geduldig sein muss. Auch in Garmisch," sagt Schmitt.

Bundestrainer Werner Schuster fällt mit nicht gespielten Entspanntheit ein: "Die Zeit war noch nicht reif. So einfach ist das." Diese von oben vorgelebte Lockerheit hat den Rest der Mannschaft sportartgerecht beflügelt: Michael Neumayer und Michael Uhrmann als Neunter und Zehnter und auch noch Stephan Hocke auf Rang 15 haben die Deutschen zu einem lange nicht mehr erlebtem Team-Ergebnis geführt. Sie alle sind laut Schuster "ganz ruhig und gelöst in ihre Sprünge gegangen. Das ist ein enormer Vorteil." Die geballte Rückkehr nach vorn hat Schuster "besonders gefreut, es zeigt, dass wir wieder mittendrin sind". Der Beste seines Teams sieht sich nun aber nicht als abgehobenen Teil des Ganzen oder als entstaubten Chef: "Mir hat keiner das Frühstück ans Bett gebracht, nur weil ich wieder gut bin", sagt Schmitt. Und so soll es auch bleiben.

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