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Der spanische Sportminister Inigo Mendez de Vigo.

Doping

Zustände im spanischen Fußball "alarmierend"

Der Anti-Doping-Kampf in Spanien ist seit knapp einem Jahr fast wirkungslos. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA schlägt Alarm.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur versuchte es politisch korrekt. Dass im spanischen Fußball seit knapp einem Jahr keine vernünftige Dopingprobe mehr genommen wurde, trage "wenig dazu bei, das Vertrauen in den sauberen Sport wiederherzustellen", teilte die "alarmierte" WADA der BBC mit.

Und dies ins Zeiten, "wo es am meisten gebraucht" werde. Die Doping-Hüter hätten auch schreiben können: Durch die verfahrene politische Situation auf der iberischen Halbinsel wird der Anti-Doping-Kampf mit Füßen getreten.

Weil die WADA im März 2016 Spanien und damit auch die spanische Anti-Doping-Agentur (AEPSAD) als "nicht konform" eingestuft hatte, entsprechen die seitdem durchgeführten Tests nicht dem internationalen Standard. Dopingsünder könnten das als eine Art Freibrief verstehen, der spanische Fußball gilt spätestens seit der Blutbeutel-Affäre um den Arzt Eufemiano Fuentes als vorbelastet.

Während in anderen Sportarten Hilfe durch internationale Verbände geleistet wurde und Doping-Tests übernommen wurden, war dies im Fußball nicht der Fall. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) teilte auf SID-Anfrage mit, ihr seien die Hände gebunden. Sie sei "nicht zuständig für Spieler und Partien auf nationaler Ebene". Auch die FIFA fühlt sich nur für internationale Spiele zuständig.

Weiterhin getestet wurden und werden deshalb nur die Profis, die mit ihren Vereinen in den internationalen Wettbewerben vertreten sind. Pro Spiel in der Champions League und Europa League also mindestens zwei Spieler, bei Trainingsbesuchen werden normalerweise rund zehn Spieler zum Dopingtest gebeten.

Die AEPSAD wies darauf hin, dass in der aktuellen Saison trotz der fehlenden WADA-Befugnisse 57 Spieler getestet wurden. Zum Vergleich: Die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) führte in der Saison 2015/16 1912 Trainings- und Wettkampfkontrollen im deutschen Fußball durch.

Die AEPSAD gab den großen Verbänden eine Mitschuld an der Situation. Schließlich seien FIFA und UEFA auf WADA-Geheiß um Unterstützung gebeten worden. Dass keine Einigung zustande kam, ist für die WADA "schwer enttäuschend", weil verhindert wurde, "das ein effektives Anti-Doping-Programm aufrechterhalten wird".

In die Situation geraten war Spanien durch die Politik. Die Querelen um die Regierungsbildung, die nach rund zehn Monaten erst im vergangenen Herbst durchgeführt werden konnte, verhinderten die Verabschiedung von Reformen und Gesetzen, die Neuerungen des WADA-Codes in die Statuten des Landes implementiert hätten. Wegen der veralteten Gesetze senkte die WADA im vergangenen März den Daumen.

Die Verabschiedung des nötigen "königlichen Dekrets" werde aber nicht mehr lange auf sich warten lassen, teilte die AEPSAD mit. Im Anschluss dürfte die WADA Spanien relativ schnell wieder die Lizenz erteilen. Ob in der Zwischenzeit der zu großen Teilen WADA-freie Raum im spanischen Fußball ausgenutzt wurde, können dann - soweit überhaupt möglich - nur Nachtests beweisen. (sid)

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