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War mal der Beste, will wieder der Beste werden: Gregor Schlierenzauer.
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War mal der Beste, will wieder der Beste werden: Gregor Schlierenzauer.

Gregor Schlierenzauer

Zurück im Flugplan

  • Jürgen Ahäuser
    vonJürgen Ahäuser
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Der früher als eigenbrötlerisch geltende Gregor Schlierenzauer hat eine schwere Zeit hinter sich gebracht und gibt sich jetzt offener.

Im Jahr 2013 hätte Gregor Schlierenzauer die Notbremse für sich selbst ziehen müssen. Freiwillig eine Zwangspause einlegen. Raus aus dem Hamsterrad Hochleistungssport. Fast zehn Jahre lang war der Österreicher der beste Skispringer der Welt. 53 Weltcupsiege sind einsame Spitze. Sechsmal war er Weltmeister, zweimal Sieger der Vier-Schanzentournee und Triumphator im Gesamtweltcup. So jemand nimmt unmittelbar vor den Olympischen Spielen in Sotschi keinen Urlaub, zumal auf dem Erfolgskonto unter Einzel-Olympiasieg nur eine weiße Stelle steht. So trieb ihn der eigene Ehrgeiz und die Erwartungshaltung einer ganzen Nation immer weiter, bis er krachend vor eine „schwarze Wand“ gefahren war. Um den Schlieri, den stolzen österreichischen Adler, war es dunkel und einsam geworden.

Am Samstagabend sitzt Gregor Schlierenzauer zusammen mit dem Abgesandten des polnischen Siegerteams, Maciej Kot, und dem zu diesem Anlass als Sprecher der drittplatzierten Deutschen ausgesuchten Markus Eisenbichler auf dem Podium in Willingen. Es war sicher kein Zufall, dass Österreich seinen tief gefallen Helden an die Pressefront schickte. Seht her, er ist wieder da. Und selten war wohl eine Nummer zwei so zufrieden wie Schlierenzauer. Sein aus dem Herzen kommender Satz: „Ich freue mich, wieder hier zu sein“, verlieh selbst dem garagenähnlichen Konferenzraum mit seiner in Beton gegossenen Kälte etwas Warmes.

Im Gespräch mit der FR hat der Tiroler wenig scheu über die Begegnung mit der schwarzen Wand gesprochen. Der Fragesteller muss nicht groß bohren, der 27-Jährige benutzt die Worte „Sinnkrise“, „ausgebrannt“, „müde“, „ohne Energie“ ganz offen und hat für sich auch eine sinngebende Erklärung gefunden: „Ich glaube nicht, dass solche Dinge zufällig passieren.“ Selbst dem Tiefpunkt seiner Talwanderung, als er nach einem Ausflug auf Alpinskiern mit gerissenem Kreuzband im Tiefschnee lag, gewinnt der deutlich relaxter als früher wirkende Athlet noch etwas Positives ab. „Diese Verletzung, auch das ist kein Zufall, wie ich glaube, hat mir noch mehr Zeit gegeben, in mich zu gehen, darüber nachzudenken, wer ich bin und was ich will.“ Für sein Leben seien das durchaus wertvolle Erfahrungen. „Als Mensch bin ich gewachsen.“

Vor einem Jahr, war ihm, dem von vielen in aller Welt bewunderten Sportler, das widerfahren, was gemeinhin für die Könige der Arenen der Tiefpunkt ist. Konkurrenten, Fans und die Verantwortlichen im Österreichischen Skiverband hatten Mitleid mit ihm. Aus der Vierschanzentournee stieg der Stubaitaler aus: Psychisch und physisch ausgebrannt. Zum Burnout kam dann der Riss im Knie hinzu. Würde der König der Lüfte jemals wieder Fliegen können? Der Sport hat ihm jede Menge Energie geraubt, das Skispringen, so sagt er, „gibt mir nun auch wieder viel Energie zurück“.

Schlierenzauer ist zurück im Flugplan. Er springt wieder sehr ordentlich, „auch wenn es da noch viel zu tun gibt“ und er hat klare Ziele vor Augen. Im nächsten Jahr Olympa in Südkorea, ein Jahr später die Heim-WM in Seefeld. Von der WM in diesem Jahr in Lahti (Finnland) spricht er (noch) nicht. Motivation und Kraft hat er sich bei Lehrgängen als Mentalcoach und seinen ersten Schritten als Trainerlehrling geholt. Und auf seinem Weg zurück in größere Höhen hat sich der Tiroler seiner sportlichen Wurzeln erinnert.

Einst selbst Schüler der österreichischen Talentschmiede am Ski-Gymnasium in Stams, trainierte der Weltcuprekordsieger dort sehr viel mit Kindern und Jugendlichen: „Durchatmen und die letzten zehn Jahre verarbeiten“ und in Ruhe an den Grundlagen des Skispringens arbeiten.

Gregor Schlierenzauer, den sein einstiger Trainer Alex Pointner und sein Ex-Teamkollege Thomas Morgenstern in ihren Büchern als Egozentriker bezeichnen, ist lockerer geworden. Über die „Nachrufe“ aus Österreich will der früher als arrogant und eigenbrötlerisch geltende Athlet sich nicht äußern. Aber das einstige Wunderkind lässt keinen Zweifel an seinem wiedererwachten Ehrgeiz. Wenn er springt, will er weit fliegen, demnächst wieder in der Liga der Freunds, Stochs, Prevcs und Krafts mitspielen. Aber das Flugsystem soll nie wieder auf eine schwarze Wand zu steuern.

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