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Hofft, dass das deutsche Team an die Leistungen der ersten WM-Spiele anknüpfen kann: Kapitänin Kim Naidzinavicius (rechts).

Handball-WM

Zorn weicht Zuversicht

Für die deutschen Handballerinnen steht in der WM-Partie um Platz sieben viel auf dem Spiel.

Beim extra spät angesetzten Frühstück im Teamhotel war der Ärger über das verpasste WM-Halbfinale noch nicht ganz verflogen. Doch als das Endspiel um den Olympiatraum allmählich näher rückte, wich auch bei Kim Naidzinavicius der Zorn der Zuversicht. „Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass die vergangenen zwei Partien aus den Köpfen sind“, sagte die Kapitänin der deutschen Handballerinnen. „Aber es steht noch etwas auf dem Spiel. Wir müssen jetzt all unsere Kräfte bündeln.“

In der Tat. Im Spiel um Platz sieben kämpft das Team von Bundestrainer Henk Groener in Japan um ihr vor dem Turnier ausgerufenes Ziel. Gewinnt Deutschland am Freitag (6.30 Uhr) gegen den WM-Vierten Schweden, wäre es im März bei einem von drei Qualifikationsturnieren für Tokio 2020 dabei. „Henk hat uns noch einmal deutlich gesagt, um was es geht“, berichtete Naidzinavicius von der ersten Besprechung nach dem bitteren 29:32 Norwegen.

Mächtig Dampf abgelassen

Nach der Niederlage gegen den zweimaligen Olympiasieger, durch welche die deutsche Auswahl ihre zweite und letzte Chance auf das Halbfinale herschenkte, hatte die Spielführerin mit hängendem Kopf sekundenlang auf dem Hallenboden gekauert und anschließend mächtig Dampf abgelassen. „Wir starten so gut ins Turnier und dann, wenn es drauf ankommt, schaffen wir es nicht mehr, unsere Leistung so abzurufen, wie es nötig ist“, lautete die Kritik der Bietigheimerin. Falsch waren die Worte gewiss nicht.

Eine gute Portion Schlaf später sah die Gefühlswelt dann aber wieder ein wenig harmonischer aus. „Jeder geht anders mit so einer Situation um. Es wurde allen Raum gegeben, traurig zu sein“, sagte die 28-Jährige, die sich auf ihrem Hotelzimmer noch in wenigen Worten mit Antje Lauenroth ausgetauscht hatte, ehe auch sie um kurz nach Mitternacht ausgepowert in den Schlaf gefallen war. Knapp 40 Stunden später soll eine gesunde Mischung aus Willen und Lockerheit die WM versöhnlich abschließen. Doch es steht mehr auf dem Spiel. Unter anderem die öffentliche Wahrnehmung der deutschen Auswahl, die ein bisher gutes Turnier mit überzeugenden, teils begeisternden Auftritten noch zu einem schlechten machen könnte. Auch die Entscheidung des Deutschen Handballbundes (DHB), den Vertrag mit Coach Groener noch vor dem Turnier bis 2021 zu verlängern, könnte sich als vorschnell, mindestens als fragwürdig entpuppen.

„Das Team wird bereit sein“

An eine weitere Niederlage will im deutschen Lager aber niemand denken – auch, um sich selbst zu schützen. „Das, was die Mannschaft stark gemacht hat, war die Lockerheit in den ersten Spielen“, sagte Kim Naidzinavicius. „Jeder muss sich selbst noch einmal klarmachen, was wir geleistet haben, und was wir in der Lage sind zu leisten“, sagte die Rechtshänderin – und meinte damit unter anderem die äußerst knappen, aber begeisternden Siege gegen Dänemark (26:25) oder die Niederlande (25:23).

Wie sehr die Enttäuschung aber tatsächlich nachwirkt, wird sich nun erst im Duell gegen Schweden zeigen. Bundestrainer Groener ist vor dem neunten Spiel in 14 Tagen trotz der hohen körperlichen Belastung zuversichtlich. „Das Team wird bereit sein für den nächsten Kampf“, versicherte der Niederländer. Naidzinavicius muss er das nicht zweimal sagen: „Wir haben noch eine Chance“, sagte sie. Diese muss und sollte Deutschland nutzen. (sid)

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