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Handball-Bundestrainer Christian Prokop.

Handball

Zerbrechliches Gebilde

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Handball-Bundestrainer Prokop hat ein mulmiges Gefühl: Kurz vor der Heim-WM treffen der THW Kiel und die Rhein-Neckar Löwen im Spitzenspiel der Handball-Bundesliga gegeneinander an. Auf gegenseitige Rücksicht darf Prokop nicht hoffen. Ein Kommentar.

Allzu rücksichtsvoll sind Handballer gewiss nicht. Nicht zu sich selbst und nicht zu anderen. Donnern die muskelbepackten Hünen aufeinander zu, dann kann das mitunter schon mal gewaltigt krachen. Und schmerzen. Wenn am Donnerstag Patrick Groetzki von Rechtsaußen auf Torhüter Andreas Wolff zufliegt, wenn sich am Kreis Jannik Kohlbacher mit Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler behagt, wenn aus dem Rückraum Steffen Fäth und Steffen Weinhold auf ihre Kontrahenten zupreschen, dann ist das einerseits Bundesligaalltag, andererseits aber auch nicht.

Denn zweifelsohne, das zwischenjährliche Spitzenspiel zwischen dem THW Kiel und den Rhein Neckar-Löwen aus Mannheim ist nicht nur ein sportlich spannendes, weil der Verlierer des Duells im Titelrennen weit zurückgeworfen wird, sondern vor allem ein nervlich äußerst aufreibendes - besonders für Christian Prokop.

Enger Zeitplan vor Heim-WM

Nur einen Tag später versammelt der Bundestrainer seine Nationalspieler zu einem dreitägigen Kurzlehrgang im niedersächsischen Barsinghausen, dem nach einem kurzen Silvesterurlaub ein weiteres Trainingslager vom 2. bis 6. Januar mit zwei Test-Länderspielen folgt, ehe die Heim-WM für die deutsche Auswahl am 10. Januar in Berlin gegen Korea beginnt. Das ist nicht mehr wirklich viel Zeit, vor allem nicht, um mögliche Verletzungen noch rechtzeitig vor dem Turnier auszukurieren.

Prokop, von dessen 18-köpfigem WM-Kader diesen Donnerstag 17 Spieler im Einsatz sind, wird also alle beide Daumen drücken, damit seinen Besten auch ja nichts mehr passiert. Denn eines ist klar, bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land ist für die DHB-Auswahl zwar einiges möglich. Stefan Kretzschmar, ehemaliger Weltklasse-Linksaußen, deutsche Handball-Ikone und dazu bekannt für seine klaren Worte, traf es in einem Interview mit der „FAZ“ aber doch ziemlich gut auf den Punkt: Die Mannschaft sei „ein Gebilde, das noch Zweifel offenlässt“, sagte er und fügte an: „Es ist keine Mannschaft, bei der du sagst: Die Jungs gehen auf jeden Fall ins Halbfinale.“ 

WM-Titel? Halbfinale? Ein frühes Ausscheiden wie zuletzt bei der EM in Kroatien vor einem Jahr? Nichts ist ausgeschlossen, alles ist möglich. Wenngleich das Prokop-Team kurzfristige Ausfälle sicher nicht so leicht wegstecken könnte wie manch Konkurrent. Insofern werden die Nerven des Bundestrainers noch angespannter als sonst sein. Denn auf gegenseitige Rücksichtnahme seiner Jungs zu setzen, das wäre doch arg vermessen. Da hilft schon eher kräftiges Daumendrücken. 

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