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Zeit fürs Gefühl

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Rainer Schüttler hat wieder das Gespür, im Spiel das Richtige zu tun. Haas und Kiefer sind indes ausgeschieden.

Von DORIS HENKEL

Eine Woche wie diese hat Rainer Schüttler lange nicht erlebt. Dreimal kam er als Sieger in die Umkleidekabine zurück, und überall standen Gratulanten bereit. Nach dem Sieg gegen den Spanier Guillermo Garcia-Lopez (6:2, 6:3, 6:4) steht er zum ersten Mal seit fast fünf Jahren wieder im Achtelfinale eines Grand-Slam-Turniers. Aber es gibt Wichtigeres für ihn als die Zahlen: "Ich hatte endlich wieder das Gefühl, im Spiel das Richtige zu tun, und das habe ich sehr, sehr lange gesucht."

Er will die Siege nicht größer machen, als sie sind, auch den in Runde zwei gegen James Blake nicht, aber wie gut sie ihm nach einer Zeit der Ratlosigkeit und Rückschläge tun, das ist nicht zu übersehen. Vor genau einem Jahr war er auf Platz 155 der Weltrangliste zurück gefallen, auf die schlechteste Position in zehn Jahren. Was er auch probierte, wie viel er auch trainierte, das Gefühl des Sieges und die daraus entstehende Zuversicht war durch nichts zu ersetzen. Sicher habe er sich manchmal gefragt, ob er sich nicht nach einer anderen Beschäftigung umsehen solle, gibt Schüttler zu. Aber jedes Mal, wenn er zwei, drei Tage Pause gemacht habe, habe er gemerkt, wie sehr ihm das Spiel, aber vor allem die Arbeit beim Training fehlt. Wie viel ihm das alles bedeutet. Also machte er weiter.

Haas zollt Schüttler Respekt

Zu denen, die ermessen können, was es heißt, immer von vorn anfangen zu müssen und sich nicht unterkriegen zu lassen, gehört Tommy Haas. Der sagt: "Respekt. Es freuen sich viele für Rainer, der wirklich die harte Tour gehabt hat und jetzt zurückgekommen ist. Ich hoffe, das gibt ihm Selbstvertrauen."

Für Haas hatte dieser Sommersamstag in Wimbledon ein paar schöne Momente im Angebot, aber letztlich eben auch eine Enttäuschung über die Niederlage gegen Andy Murray (4:6, 7:6, 3:6, 2:6). Natürlich sei das ein prima Erlebnis gewesen, zum ersten Mal nach zehn Jahren wieder auf dem Centre Court spielen zu dürfen, aber mit einem Sieg wäre das Ganze halt deutlich schöner gewesen. Ob es noch ein drittes Spiel für Tommy Haas auf Wimbledons Centre Court geben wird? "Ich hoffe", sagt er, "dass so eine Gelegenheit vielleicht noch mal wiederkommt."

Diese Hoffnung gönnt sich Nicolas Kiefer auch. Als der nach dem Ende der Begegnung mit Rafael Nadal seinen Schläger ins Publikum warf, hätte man meinen können, das sei ein Abschiedsgeschenk, aber so war das nicht gemeint: Der Schläger war kaputt. Der Auftritt gegen Nadal, vor allem der enge erste Satz beim 6:7, 2:6, 3:6, bestärkt Kiefers Einschätzung, auf einem guten Weg zu sein. "So wie ich heute gespielt habe, hätte es gegen viele andere zum Sieg gereicht." Möglich.

Sicher dagegen ist, dass Rafael Nadals Rasenspiel von Tag zu Tag besser wird; er ist unfassbar gut in Form. Und frech ist er auch. Beim Handschlag am Netz meinte er zu Kiefer: "Und morgen gewinnt Spanien auch." Natürlich meinte er Fußball, das Endspiel der EM.

Rainer Schüttlers nächster Gegner ist heute im Achtelfinale Janko Tipsarevic. Er hat zwar noch nie bei einem Turnier gegen den Serben gespielt, aber die beiden sind befreundet und kennen sich aus unzähligen gemeinsamen Trainingsstunden - Schüttlers langjähriger Manager und Coach Dirk Hordorff ist auch Manager des Serben.

Schüttler hat sich vorgenommen, Hordorff zu schonen, weil es dem gesundheitlich in letzter Zeit nicht allzu gut ging. Sieg Nummer vier wäre sicher eine gute Medizin.

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