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Oliver Zeidler.

Rudern

Ruder-Neuling Zeidler greift nach EM-Medaille

Ruderer Oliver Zeidler greift am Wochenende bei seinem EM-Debüt nach einer Medaille im Einer. Dabei war der 22-Jährige bis 2016 noch erfolgreicher Schwimmer.

Für einen EM-Debütanten klingt Oliver Zeidler ganz schön forsch – für einen Quereinsteiger erst recht. „Ich will in Luzern um die Medaillen mitrudern. Und dann kommt auch schon die WM. Und dann hoffentlich Olympia“, sagt der 22-Jährige, der die Hackordnung im traditionsreichen Einer im Handumdrehen auf den Kopf gestellt hat. Denn bis 2016 war der 2,03 m große und 103 kg schwere Muskelmann noch erfolgreicher Schwimmer.

Dann aber sattelte Zeidler um und folgte dem Vorbild seines Großvaters Hans-Johann Färber und seiner Tante Judith Zeidler, die beide Ruder-Olympiasieger wurden. Das Ergebnis ist beeindruckend: Im Einer, wo einst prominente Namen wie Peter-Michael Kolbe, Thomas Lange oder Marcel Hacker unterwegs waren, geht Zeidler in diesem Jahr erstmals als deutsche Nummer eins in die Saison. Und gehört schon jetzt zur Weltspitze.

Zeidler werde am Sonntag in Luzern „sicher ganz vorne mitfahren“, sagt der leitende Bundestrainer Ralf Holtmeyer, der seinen Schützling schon als „Sechser im Lotto“ bezeichnete. Erste Duftmarken hat der Ingolstädter bereits hinterlassen. Bei seinem WM-Debüt 2018 in Plowdiw wurde er gleich Sechster – und war unzufrieden, weil ihm am Start ein Fehler unterlief. Nun steht die erste EM an, einen erneuten Patzer will er verhindern.

Kaum zu glauben: Als Jugendlicher hatte sich Zeidler zunächst im statt auf dem Wasser versucht, und der Erfolg gab ihm recht. Das Multi-Talent holte als Schwimmer mehrere DM-Titel, 2014 mit der Staffel sogar Silber bei der Junioren-EM. Doch als sich seine Trainingsgruppe auflöste, verlor er die Motivation. Aber: „Ich weiß vom Schwimmen, wie man sich im Wasser schnell fortbewegt. Das hilft mir im Rudern“, sagt Zeidler.

Den ersten großen Sieg holte der Newcomer im April bei der DM in Köln. „Nach 25 Monaten im Sport hat es endlich geklappt“, sagte Zeidler anschließend. Der auf Rang zwei verwiesene Stephan Krüger flüchtete sich in Galgenhumor: „Dass Oli aus seinem Schwimmbecken auftaucht und ins Ruderboot springt, ist für den deutschen Ruderverband super – für mich aber ein bisschen scheiße“, sagte der Routinier dem Magazin Sxulls.

Und Oliver Zeidler? Der Shootingstar genießt seine neue Rolle. „Letztes Jahr bin ich schon überraschend gut in der Weltspitze zurechtgekommen“, sagte er unlängst der ARD und richtete seinen Blick bereits in Richtung Tokio 2020: „Das ist meine Motivation, deswegen mache ich das Ganze. Wenn man das Potenzial hat, sogar eine Goldmedaille mitzunehmen, spornt einen das an.“ Ganz schön forsch, dieser Quereinsteiger. (sid)

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