Kommentar Lionel Messi

Zahn um Zahn

Lionel Messi setzt erst zum Kopfstoß an, und als sein Kontrahent ausweicht, entscheidet er sich für einen Griff an dessen Hals. Nicht eine Tätlichkeit, sondern gleich zwei. Doch wieder kommt Messi glimpflich davon. Ein Kommentar.

Von Manuel Schubert

Marco Materazzi, der knochenharte italienische Verteidiger, hat vor einigen Wochen wieder mal seine ganz eigene Sicht der Dinge erläutert. Es ging um den vierfachen Weltfußballer Lionel Messi. Materazzi, mittlerweile 41 Jahre alt und beim indischen Erstligisten Chennaiyin unter Vertrag, erklärte, man könne Messi nur stoppen, indem man ihn foule. „Und dann beten.“

Ob der Argentinier Messi dasselbe tut, wenn er eine Unsportlichkeit begeht, ist nicht überliefert. Fakt ist aber: Es scheint zu funktionieren. Das gigantische Tattoo, das Messi neuerdings auf seinem rechten Arm mit sich herumträgt und die Sagrada Familia zeigt, ist wohl eher dazu da, seine Verbindung zu Barcelona, denn zum lieben Gott auszudrücken. Und doch ist „La pulga“ (der Floh), wie sie Messi in Spanien nennen, schon oft mit dieser Methode durchgekommen. Zuletzt am vergangenen Mittwoch. Bei einem Testspiel wohlgemerkt. 33 Minuten waren gegen den AS Rom gespielt, da schickte Verteidiger Mapou Yanga-Mbiwa dem Argentinier ein paar böse Worte hinterher. Und Messi? Der setzte erst zum Kopfstoß an, und als Yanga-Mbiwa auswich, entschied er sich für einen Griff an den Hals. Nicht eine Tätlichkeit, sondern zwei. Die Strafe: Gelb für beide.

Es ist beileibe nicht das erste Mal, dass der sonst so ruhig wirkende 28-Jährige die Fassung verliert. Ein gutes Dutzend Tätlichkeiten, Ausraster und Unsportlichkeiten haben sich über die Jahre angesammelt. Nach einem „Clasico“ gegen Real Madrid wartete Messi einmal angeblich mehr als eine Stunde im Parkhaus auf den Verteidiger Alvaro Arbeloa, um ihn und seine schwangere Frau anzupöbeln.

Belangt wurde Messi für seine Fehltritte bislang ein einziges Mal. Bei seinem ersten Länderspiel gegen Ungarn sah er nach wenigen Sekunden die Rote Karte – wegen einer Tätlichkeit. Übrigens war es Markus Merk, der den Argentinier vom Feld verwies. Im Dress des FC Barcelona ist ihm das noch nie passiert. Der Verdacht liegt nahe, dass die Unparteiischen bei dem Wunderknaben gerne mal beide Augen zudrücken. Doch vor was fürchten sie sich? Vor dem Verein? Vor Messis großer Fanschar?

So oder so steht dieses Verhalten einem wie Messi nicht gut zu Gesicht. Und das Lebensmotto „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, hat ohnehin noch niemandem geholfen. Vielleicht kann Messi ja mal Materazzi um Rat bitten. Der hat es nach dem legendären Kopfstoß von Zinedine Zidane im WM-Finale 2006 geschafft, sich mit dem Franzosen zu vertragen. Wenn auch erst viereinhalb Jahre später.

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