Tennis-Daviscup

Die Wundertüte

Ohne Alexander Zverev greift das deutsche Team beim Daviscup-Finalturnier an.

Der neue Daviscup war kaum geboren, da hatte ihn Boris Becker beerdigt. „Hier ruht der Daviscup. 1900 bis 2018“ war auf dem Grabstein zu lesen, dessen Foto die deutsche Tennis-Ikone nach dem Beschluss der Reform im vergangenen Jahr postete. Viele taten es dem dreimaligen Wimbledonsieger in seiner Kritik gleich, viele sind vor der Premiere des Finalturniers in Madrid wieder zurückgerudert.

Bis Sonntag kämpfen 18 Nationen beim einwöchigen Event um den Titel, die Sieger der sechs Dreiergruppen sowie die beiden besten Zweiten qualifizieren sich fürs Viertelfinale. Der von vielen geschätzte Modus mit vier über das Kalenderjahr verteilten Runden in Heim- und Auswärtsspielen ist Geschichte – nun wartet die Tenniswelt mit Spannung darauf, ob sich die Reform als Erfolg oder Rohrkrepierer entpuppt.

„Wir waren ja auch keine Freunde dieser Reform“, sagt der deutsche Daviscup-Kapitän Michael Kohlmann, „aber ich glaube, dass man sich erstmal angucken muss, was für ein Event da entsteht. Und dann kann man sich endgültig ein Urteil bilden.“

Nach anfänglicher Skepsis vertreten nun viele Topspieler ihre Nationen in Madrid: Der spanische Weltranglistenerste Rafael Nadal ist ebenso dabei wie Wimbledonchampion Novak Djokovic aus Serbien. Bei den Deutschen jedoch fehlt Alexander Zverev, so dass es andere richten müssen. Gleich drei Debütanten sind am Start, der US-Open-Achtelfinalist Dominik Koepfer sowie die French-Open-Doppelsieger Kevin Krawietz und Andreas Mies. Dazu kommen die erfahrenen Jan-Lennard Struff und Philipp Kohlschreiber. Es sei „etwas ganz Spezielles, mit drei Leuten zu den Finals zu fahren, die noch nie vorher Daviscup gespielt haben“, sagt Kohlmann. Dennoch geht er optimistisch in die Vorrundenspiele in Gruppe C gegen Argentinien am Mittwoch und tags darauf gegen Chile (beide ab 11 Uhr). Kohlmann ist davon überzeugt, „dass wir da auch bestehen können. Das ist mit Sicherheit auch das Ziel“.

Becker glaubt ebenfalls fest an den Erfolg des deutschen Teams – auch ohne Zverev. „Seit ich wieder dabei bin, hat uns unsere Teamfähigkeit stark gemacht. Es war nie von einem Spieler abhängig, sondern unsere Gemeinschaft hat uns stark gemacht“, sagte der Head of Men’s Tennis im Deutschen Tennis Bund (DTB): „Das wird auch unser Schlüssel zum Erfolg sein.“ (sid)

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