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Nicht zu stoppen: Tadej Pogacar ist ganz oben angekommen.

Tadej Pogacar

Wunderknabe auf dem Olymp

Tour-Sieger Tadej Pogacar gilt als Galionsfigur, doch einige unangenehme Fragen bleiben offen.

In der Nacht zu seinem 22. Geburtstag grinste Tadej Pogacar vom höchsten Gebäude der Welt. Ein Sponsor hatte das Konterfei des neuen Radsport-Superstars nach dem Sieg bei der Tour de France an das Burj Khalifa in Dubai projizieren lassen. Es soll ein Bild für die Zukunft sein. Denn der Slowene mit dem Babyface und dem Killerinstinkt gilt nach seinem spektakulären Triumph in Frankreich als Galionsfigur der jungen Wilden, die den Radsport im kommenden Jahrzehnt prägen und vor allem skandalfrei bleiben sollen.

Der Zweifel fährt unweigerlich mit. Wobei der Erfolg von Pogacar bei seiner ersten Tour-Teilnahme offenbar erklärbar ist. „Man weiß in der Szene seit zwei, drei Jahren, um welches Talent es sich da handelt. Experten haben sich die Leistungsdaten angeschaut und waren perplex, wie viel Talent in dem jungen Mann steckt“, sagte Ralph Denk, Chef von Bora-hansgrohe dem ZDF: „Wir können nur auf die ganz strikten Kontrollen vertrauen und das tun wir auch. Ich denke, dass die Leistung ehrlich errungen wurde.“

Hoffnung auf sauberen Sieg

Selbst Greg LeMond, Doping-Kritiker und Erzfeind von Lance Armstrong, schwärmt von Pogacars Leistung. „Ich hoffe, dass es keine Zweifel gibt. Für mich ist er ein sehr großer Gewinner der Tour“, sagte der 59-Jährige, der selbst dreimal das Gelbe Trikot in Paris erhalten hatte. Vor der dunklen Epo-Ära war es für Hochbegabte nicht ungewöhnlich, schon in jungen Jahren auf das Tour-Podium zu fahren. LeMond gelang es mit 23, Laurent Fignon und der Ikone Eddy Merckx gar mit 22 Jahren.

Bisher gibt es bei Pogacar selbst keine Verdachtsmomente. Allerdings ist das Personal seines UAE-Teams ein Abbild der alten Generation. Sein Sportlicher Leiter Andrej Hauptman, der Pogacar vor zehn Jahren bei einem Kinderrennen entdeckte, wurde im Jahr 2000 wegen überhöhter Blutwerte aus der Tour ausgeschlossen. Teamchef Mauro Gianetti und Manager Joxean Matxin zogen einst beim Skandal-Team Saunier-Duval die Fäden, beteuerten aber stets ihre Unschuld.

So wird Pogacar, der Wunderknabe aus dem Dorf Komenda, auch künftig von Doping-Fragen begleitet werden. Dabei böte die neue Radsport-Generation genug Stoff für große Geschichten. Denn Pogacar wird die Tour in den kommenden Jahren womöglich nicht dominieren wie einst Armstrong oder Chris Froome. Vorjahressieger Egan Bernal ist erst 23 und wird nach seinem persönlichen Tour-Drama mit dem vorzeitigen Aus reifer und stärker zurückkommen.

Der Schweizer Marc Hirschi, nur einen Monat älter als Pogacar, begeisterte mit seiner Angriffslust bereits bei dieser Tour und aus deutscher Sicht verspricht man sich viel von Etappensieger Lennard Kämna (24). Und dann wäre da noch Remco Evenepoel. Der 20 Jahre alte Belgier kuriert gerade einen Beckenbruch aus und dürfte im kommenden Jahr sein Tour-Debüt geben.

Beim „neuen Merckx“ ist ausgerechnet das Original zurückhaltend. „Man sollte bei Remco nicht zu voreilig sein, noch hat er nichts gezeigt. Er redet viel, aber ich warte immer noch“, sagte der 75-Jährige. Eine bessere Motivation, es mit Pogacar im kommenden Jahr aufzunehmen, dürfte es nicht geben. (dpa)

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