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Endlich geschafft; die Münchner Mads Christensen (links) und Frank Mauer jubeln nach dem Spielende über ihren Sieg gegen Augsburg.

Eishockey

Auf wunden Sohlen ins Endspiel

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In den DEL-Finals hat dürfte es der EHC München gegen die Adler Mannheim schwer haben.

Es war anders all die Jahre, in denen der EHC München Meister geworden war. 2016, 2017, 2018. Platz eins in der Hauptrunde der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), Playoff-Viertel- und Halbfinalserien, die leicht von der Hand gingen, bis zum Sweep, dem Zu-Null-Erfolg. Vor dem Finale hatten die Münchner immer noch eine Pause von einigen Tagen und genügend Muße, ihre Kabine mal ein Stündchen für die Medien zu öffnen, um mit ihnen über die Perspektiven für die Endspiele zu plaudern.

2019 kein „Open Locker Room“. Einfach keine Zeit dafür. Am Dienstagabend erst endete die Halbfinalserie gegen die Augsburger Panther, die Münchner Spieler gingen nur kurz vor die Nordkurve, in der ihr Anhang steht, dann begann bereits die Vorbereitung auf Mannheim. Am Mittwoch die Reise, und am Donnerstag (19.30 Uhr) schon das erste Spiel in der Arena am Maimarkt.

2016, 17, 18 war es der jeweilige Finalgegner (zweimal Wolfsburg, einmal Berlin), der die anspruchsvolleren und intensiveren Playoffs hinter sich hatte, nun sind es die Münchner. Die Adler Mannheim haben den Aufwand gering halten können: Gegen Nürnberg brauchten sie fünf Spiele, gegen Köln gar nur das Minimum von vier. Das Programm verlief weitgehend ohne Overtime-Drama. Mannheim musste nur durch eine Verlängerung, sie dauerte fünf Minuten, München hatte gegen Berlin zehn und gegen Augsburg insgesamt 87 Minuten Aufschlag. Das sind in den Playoffs fast sechs Sechzig-Minuten-Einheiten mehr als die Adler – und man kann die Rechnung noch ausdehnen: Der EHC spielte eine erfolgreiche Champions-League-Saison, die ihn bis ins Finale nach Göteborg trug – 13 Spiele. Mannheim war für die CHL wegen seiner schwachen vorangegangenen Saison gar nicht qualifiziert.

Unterm Strich liegt Münchens Belastungsplus bei de facto 19 Partien. Was das für die anstehende Best-of-Seven-Begegnung mit Mannheim bedeutet? „Wir wissen es nicht“, sagt EHC-Trainer Don Jackson, „wir haben unsere Erholung aber immer gut hinbekommen und können nur versuchen, uns positiv anzunähern: Wir sind im Rhythmus.“ Doch unübersehbar war, wie sich neben der Münchner Strafbank die nicht zur Verfügung stehenden Spieler aufreihten: Konrad Abeltshauser an Krücken, Jason Jaffray, Maxi Kastner mit eingeschienter Hand. „Er wurde operiert, die Knochen wurden wieder zusammengesetzt“, so Jackson.

Kastner hatte sich in Spiel sechs gegen Augsburg die Hand gebrochen und wird diese Saison nicht mehr spielen können. Sein Vertreter Maxi Daubner schied am Dienstag nach dem ersten Drittel aus. Hingegen die Mannheimer: „Sind gesund und warten auf uns“, so Jackson über den Rivalen. Stürmer Mads Christensen bestreitet nicht, „dass die Ausgangslage für Mannheim ein Vorteil ist“. Klingt, als wäre der Meister der Underdog in diesem Duell der beiden Klubs, die von ihrer Ausstattung weit über den anderen der DEL stehen. „Ob wir Außenseiter sind, das ist eine Frage für alle – aber nicht für uns“, so Jackson. Er wird das betonen, was für seine Mannschaft sprechen könnte. Zum Beispiel: Sie spielt extrem diszipliniert. Nur drei Strafzeiten nahm sie im bedeutsamen Spiel sieben gegen Augsburg, gar nur eine in Spiel fünf. „Disziplin“, sagt Jackson, „ist ein großer Teil unseres Plans“.

Mit Charakter und Willen

Und: „Wir haben gezeigt, dass wir Antworten finden können, defensiv wie offensiv.“ Gegen Augsburg stand der EHC am Abgrund. „Das war unsere bei weitem größte Herausforderung in dieser Saison. Die Panther sind in der Serie immer besser geworden.“ Ein Aus wäre eine Blamage für München gewesen, verhindert wurde sie, wie Tormann Danny Aus den Birken empfand, „mit Teamcharakter und Willen. Wir wollten es im siebten Spiel mehr.“

Für Charakter und Willen steht Mads Christensen. Der Däne mit deutschem Pass verpasste die halbe Saison mit einer Schulterverletzung, steckte in den Playoffs lange im vierten Sturm fest, wirkte nicht fit. Doch am Dienstag erzielte er das 1:0. Es war wichtig, weil in allen sieben Matches das Team gewann, das zuerst traf. „Ich sehe es in Mads’Augen, dass diese besondere Jahreszeit angebrochen ist. Er ist ein Performer“, sagt Jackson.

Christensen glaubt, dass die Finals gegen Mannheim einen anderen Charakter haben werden als die lästigen Augsburg-Spiele. Er freue sich jedenfalls darauf: „Es ist die Nummer eins gegen die Nummer zwei. Das geht in Ordnung.“

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