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Nur Statisten: Adrian Ramos (li.) und die Hertha auf Schalke.
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Nur Statisten: Adrian Ramos (li.) und die Hertha auf Schalke.

Berlin verliert gegen Schalke

Würfel der Hoffnung für Hertha BSC

Nur dank der Schützenhilfe des SC Freiburg darf sich Hertha BSC immer noch Erstligist nennen. Die Mannschaft von Otto Rehhagel spielt immer schlechter, je näher das Saisonfinale rückt. Dort warten Hoffenheim und Ex-Trainer Babbel, der bereits stichelt.

Von Michael Jahn

Sie hatten alles getan bei Hertha BSC. Alles, um die Mannschaft weiter abzuschotten von der Welt außerhalb des Rasens, von der harten Realität, die nichts Gutes verheißt für die Mannschaft von Cheftrainer Otto Rehhagel. Hertha hatte gerade beim FC Schalke 04 passend zum Vereinsnamen des Gegners mit 0:4 verloren, ohne größeren Widerstand geleistet zu haben.

Hertha wäre sang- und klanglos abgestiegen – im Beisein von 3500 Berliner Fans – hätte es da nicht diesen riesigen Videowürfel gegeben, der in der Schalker Arena weit oben über dem Rasen hängt.

Hertha vermeidet Kontakt mit Fans

Dieser Würfel, auf dem ständig mit einem zischenden Geräusch die Zwischenstände aus den anderen Stadien angezeigt werden, entpuppte sich für Berlin als Würfel der Hoffnung. Am Ende war dort zu lesen, dass der für seine Fairness zu lobende SC Freiburg den 1. FC Köln mit 4:1 geschlagen hatte. Nur deshalb kann sich Hertha wenigstens bis kommenden Sonnabend noch Erstligist nennen.

Kontakt mit den eigenen enttäuschten Fans aber wollten sie bei Hertha dennoch vermeiden. So durfte der blau-weiße Mannschaftsbus direkt vor dem gläsernen Haupteingang der Arena parken. Der Weg von der Kabine bis zum Bus war nicht weit und Berliner Ordner wiesen die Richtung.

An den wartenden Journalisten aber mussten die Verlierer vorbei. „Andreas, ein Wort. Bitte!“ wurde Mittelfeldspieler Ottl gedrängt. Der hatte 90 Minuten auf der Ersatzbank verbracht, weil Trainer Otto Rehhagel auf den Brasilianer Ronny gesetzt hatte. „Tut mir leid. Fragt doch die Protagonisten!“ lautete seine Antwort. Er schien beleidigt ob seiner Nichtberücksichtigung.

"Wir sollen nichts sagen"

„Sie müssen das Trainerteam fragen!“, rief Patrick Ebert, der für den verletzten Christian Lell eine halbe Stunde als Rechtsverteidiger aushelfen musste. „Ich habe nichts zu sagen“, teilte Tunay Torun mit. „Schade!“, murmelte der erneut ganz schwache Stürmer Adrián Ramos und eilte zur Rolltreppe. „Wir sollen nichts sagen. Das ist eine Anweisung vom Mediendirektor“, gab der sonst so auskunftsfreudige Christian Lell im Vorbeihuschen von sich.

„Da kommen noch welche“, verwies Abwehrmann Felix Bastians auf die Kollegen in der Kabine. „Ich will nichts sagen, sonst muss ich aufpassen“, meinte schließlich Torhüter Thomas Kraft, der bei allen vier Gegentoren keine Abwehrchance besaß.

Realistisch betrachtet, gab es ja tatsächlich nicht viel zu sagen. Hertha BSC spielt immer schlechter, je näher das Saisonfinale rückt. Obwohl Rehhagel zuvor aus dem selbstgewählten Exil, einem dreitägigen Trainingslager in Castrop-Rauxel, verkünden ließ: „Wir werden eine Mannschaft auf den Platz schicken, die ums Überleben kämpft.“

Überlebt haben die Profis schon in der hitzigen Arena auf Schalke, wo nach Treffern von Klaas-Jan Huntelaar (2), Lewis Holtby und Raúl die direkte Qualifikation für die Champions League ausgiebig gefeiert und der Abschied von Weltstar Raúl Gonzalez tränenreich zelebriert wurde. Doch ob dieser schwache Auftritt zum Überleben in der Ersten Bundesliga reichen wird, scheint äußerst zweifelhaft.

Otto Rehhagel, für dessen Statements sich bei den jubelnden Schalkern niemand interessierte, legte dann im fast leeren Medienraum („Hier ist ja niemand!“) einer Handvoll Berliner Journalisten seine Sicht der Dinge gleich im Stehen dar.

„Der Fußball-Gott hat gesagt: Komm, ich geb’ euch noch eine Chance“, bemühte der 73-Jährige höhere Mächte. Tatsächlich kommt es zu einer irren Konstellation am letzten Spieltag: Hertha (28 Punkte und das bessere Torverhältnis) muss gegen Hoffenheim mit Trainer Markus Babbel gewinnen und Köln (30 Punkte) darf gegen Bayern München nicht gewinnen.

Dann stünde Berlin in der Relegation.

Doll dementiert

Zu einer massiven Kritik am eigenen Team wollte sich der Trainer nicht hinreißen lassen. „Man hat gesehen, warum Schalke in der Champions League spielt und wir gegen den Abstieg“, sagte er. Noch ein Spiel oder im Erfolgsfall noch drei Mal wird Rehhagel auf der Hertha-Bank sitzen. Ralf Rangnick wird als möglicher Nachfolger gehandelt, gestern prominent der Name Thomas Doll kolportiert.

Der urlaubt gerade in Dubai und sagte dieser Zeitung: „Es gibt keinen Kontakt.“ Bei Hertha äußert sich derzeit natürlich niemand zu diesen Gerüchten. Gestern setzte der Verein seine wochenlange Wagenburg-Taktik fort. Das Auslaufen der Mannschaft war erneut nicht öffentlich.

Das Kuriose dabei: Es war sowieso kein einziger Fan am Trainingsgelände erschienen, nur vier Kamerateams, die ihre Bilder aus der Ferne drehten.

Babbel stichelt

Die anderen Protagonisten von Hertha BSC litten auf Schalke mächtig. Präsident Werner Gegenbauer und Finanzchef Ingo Schiller mussten auf der Tribüne euphorische Schalker Amtskollegen um sich herum ertragen und Menschen, die in Trikots mit der Nummer 7 und dem Aufdruck „Señor“ und „Raúl“ durch die Reihen schunkelten.

Manager Michael Preetz schlug auf der Trainerbank immer wieder die Hände vors Gesicht. Im Fernsehen sagte er: „Wir werden am letzten Spieltag mit aller Macht unsere Chance nutzen. Wir werden uns total fokussieren und das Spiel reißen.“ Preetz ordnet dem Duell wegen Babbel „einen Beigeschmack“ zu, sagte aber: „Wir spielen nicht gegen Babbel, sondern gegen Hoffenheim.“

Markus Babbel, der ehemalige Hertha-Coach, stichelt inzwischen aus der Ferne: „Wir wären hundertprozentig nicht abgestiegen, da hätte ich alles drauf gewettet.“

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