+
Ruft nach der Euphorie über den Einzug ins Finale gleich wieder zum Training auf: Bundestrainerin Ulla Koch.

Titelkämpfe in Katar

WM-Finale für Turnerinnen nur ein Zwischenstopp

Alle schwärmen sie von dem neuen Teamgeist, der sie beflügelt. Auch ohne die verletzten Pauline Schäfer und Tabea Alt stehen die deutschen Turnerinnen nun am Dienstag nach 2011 wieder in einem Team-Finale bei Weltmeisterschaften.

Einen Abend lang genossen sie die Glücksgefühle, am Montag rief Cheftrainerin Ulla Koch die deutschen Turnerinnen in Doha gleich zu zwei Trainingseinheiten.

„Es gibt noch viel zu tun auf dem Weg zu Olympia. Vor allem am Sprung und Boden müssen wir besser werden. Auch das haben wir bei aller Zufriedenheit hier gesehen“, konstatierte die Chefin nach dem glücklichen Einzug in das Teamfinale der Turn-WM am Persischen Golf.

Kim Bui, die in ihrer langen Turn-Karriere schon viele Highlights erlebte, gestand, dass sie „wie vor sieben Jahren in Tokio Freudentränen in den Augen“ hatte, als das haudünne Ergebnis mit nur 0,107 Punkten Vorsprung vor Großbritannien an der Videowand aufleuchtete. Auch Ulla Koch zog sofort den Vergleich zum ersten WM-Finaleinzug ihrer Riege im Jahr 2011. „Damals war es genauso knapp. Aber diesmal haben viele das als selbstverständlich angesehen. Und das war es ganz und gar nicht.“

Noch bis in die Nachtstunden schwärmten die Deutschen in ihrem Hotel in der Hauptstadt Katars von dieser so emotionalen Stunde auf der Tribüne des Aspire Domes, die ihnen wohl für ewig unvergesslich bleiben wird. „Einfach bombastisch. Nach der achten Subdivision hatten wir nicht mehr damit gerechnet, weil wir die Britinnen so stark einschätzten“, analysierte Leah Grießer. Und die Karlsruherin räumte auch ein: „Heute stand das Glück ein bisschen auf unserer Seite.“

Im Team-Finale wollen die Deutschen noch einmal angreifen. „Wir haben nichts zu verlieren. Jetzt wollen wir noch einmal ein kleine Party feiern“, meinte Grießer. Und Kim Bui setzte hinzu: „Wahnsinn, dass wir nach diesen unendlich nervenaufreibenden Stunden noch einmal auf dem Podium stehen. Wir wollen rausgehen und zeigen: Wir sind das Team Deutschland, und wir haben Spaß.“

Für die 29 Jahre alte Aktivensprecherin war für das Ergebnis der neue Teamspirit ausschlaggebend. „Wir sind alle tolle Charaktere, jede steht für die andere ein“, meinte sie, nachdem bei der EM in Glasgow noch einige Risse im Gefüge sichtbar geworden waren. Mit selbst organisierten Maßnahmen wie dem Besuch eines „Escape Games“, bei der sich die Frauen gemeinsam aus einer virtuellen Höhle befreien mussten, war die Truppe in der Vorbereitung zusammengewachsen.

Dies war auch in der German International School deutlich geworden, wo die Deutschen die Kinder aus mehr als 30 Ländern zum gemeinsamen Sporttreiben animierten. Ulla Koch selbst hatte dabei per Mikrofon die Übungen koordiniert.

Ihr Blick geht nun schon weit über das Team-Finale und die Einzel-Auftritte von Aushängeschild Elisabeth Seitz in den Finals im Mehrkampf und Stufenbarren hinaus. Ziel ist nächstes Jahr bei der Heim-WM in Stuttgart, einen der neun noch zu vergebenen Startplätze für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio zu ergattern.

Die ersten drei Olympia-Tickets werden schon an die Podeststürmer der WM von Doha vergeben. Eine Medaille ist für die Deutschen angesichts der Top-Leistungen der Konkurrenz außer Reichweite. Doch zumindest die Wiederholung des sechsten Platzes von 2011 und damit des besten WM-Ergebnisses seit der deutschen Vereinigung scheint bei einer weiteren Steigerung nicht unmöglich. Entscheidend wird sein, wer am besten mit dem strengen Modus mit nur drei Turnerinnen ohne Streichwert durchkommt.

(Von Frank Thomas, dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion