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Auf dem Platz Rivalen, aber außerhalb Geschäftspartner: Alexander Zverev (r.) und Roger Federer.

Daviscup

In den Fängen des Maestro

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Was wirklich hinter der Daviscup-Absage von Alexander Zverev steckt.

Dieser Fall scheint schnell gelöst: Der beste deutsche Tennisspieler schlägt lieber bei Schaukämpfen auf, anstatt für Schwarz-Rot-Gold beim Davis Cup um die nationale Sportehre zu kämpfen. Beweisführung abgeschlossen. Das Urteil: Schnöseliger Tennis-Millionär ohne patriotische Seele. Alexander Zverev ist als Täter überführt – der Fall abgeschlossen. Doch so einfach ist dieser Krimi nicht. Dahinter steckt ein Streit mit Roger Federer in der Hauptrolle und Alexander Zverev als dessen Komplize. Im Sommer entbrannte zwischen Zverev und seinem Manager Patricio Apey ein hässlicher Rosenkrieg. Der Deutsche wollte aus dem Vertrag mit dem Chilenen vorzeitig aussteigen. Dagegen sperrte sich der ehemalige Davis-Cup-Spieler und leitete juristische Schritte ein. Bis heute ist die Trennung rechtlich nicht geklärt. Gleichwohl arbeiten Zverev und der 80-Jährige nicht mehr zusammen.

Zverev hatte nämlich ein ganz anderes Ass im Ärmel. Die Vermarktungsagentur „Team8“ wollte unbedingt das Management des ATP-Weltmeisters von 2018 übernehmen. Und hinter „Team8“ steht nicht irgendjemand – sondern Roger Federer. Die lebende Tennislegende gründete die Agentur 2013 gemeinsam mit seinem mächtigen Berater und Strippenzieher Tony Godsick. Bei ihnen steht unter anderem auch US-Wunderkind Coco Gauff unter Vertrag.

Das wichtigste Projekt des Duos ist jedoch der Laver Cup. Bei dem Turnier tritt eine Weltauswahl einmal im Jahr gegen die besten europäischen Spieler an – angelehnt an den Ryder Cup im Golf. Dreimal fand der Laver Cup bisher statt und langsam kommt Schwung in die Sache. In Genf Ende September waren alle drei Tage ausverkauft.

Allerdings hat der Laver Cup einen mächtigen Gegenspieler – den Davis Cup. Dieser läuft gerade in neuem, gestrafftem Gewand in Madrid. Die Schweiz konnte sich zwar nicht qualifizieren. Aber selbst wenn, hätte Roger Federer einen großen Bogen um die spanische Hauptstadt gemacht. Die Gefahr, dass er mit seinem Nimbus dem „neuen“ Davis Cup einen positiven Schub verleiht, war ihm zu groß. Lieber tourt er parallel durch Südamerika und serviert in Chile, Argentinien, Kolumbien, Mexiko und Ecuador spektakulären Sport mit einer Extraportion Show. Mittendrin: Alexander Zverev.

Kaum vorstellbar, dass es Federer und Godsick akzeptiert hätten, wenn ihr neues Zugpferd die Konkurrenz in Madrid unterstützt hätte. So macht auch Zverev einen großen Bogen um den Davis Cup. Dafür betont er stets brav, wie viel ihm der Laver Cup bedeutet und was für eine Ehre es für ihn sei, Teil dieses Wettbewerbs zu sein.

Fehlender Patriotismus kann man Zverev daher kaum vorwerfen. Zudem auch früher viele Spieler auf den Davis Cup verzichtet haben. Im deutschen Tennis geht die Absagenliste bis zu Boris Becker und Michael Stich, die sich immer wieder Auszeiten von dem Teamevent nahmen.

Trotzdem kann man das Verhalten von Zverev kritisch sehen. Er stellt geschäftliche Interessen über sportliche Herausforderungen. Dass er sich mehr als internationaler Tennis-Botschafter sieht anstatt als deutscher Nationalheld, überrascht bei seinen russischen Wurzeln, der deutschen Jugend und einer US-amerikanischen Trainingsbasis zwar nicht, versperrt aber seinen Weg in deutsche Fanherzen.

Ob sich der von Barca-Star Gerard Piqué renovierte Davis Cup allerdings überhaupt etabliert, steht in den Sternen. Eines scheint allerdings sicher: Auf die Unterstützung von Roger Federer braucht er nicht hoffen.

Und auf die von Alexander Zverev ebenfalls nicht.

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