„Man sollte nicht mit Angst operieren sondern mit Augenmaß.“ Bob Hanning.
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„Man sollte nicht mit Angst operieren sondern mit Augenmaß.“ Bob Hanning.

Handball

„Das wird ein Balanceakt“

  • vonPatrick Reichelt
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Bob Hanning, Manager der Füchse Berlin, über staatliche Hilfen in Corona-Zeiten und die Rückkehr des Handballs.

Bob Hanning , 52, ist Manager des Handball-Bundesligen Füchse Berlin. Außerdem ist der ehemalige Trainer und gebürtige Essener Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB). 

Der Bund hat ein Hilfspaket in Höhe von 200 Millionen Euro angekündigt, mit dem Einnahmeausfälle für Profiklubs abgefangen werden sollen. Lässt Sie das ruhiger schlafen?

Es ist jedenfalls ein Ansatz den Spitzensport unterhalb der Fußball-Bundesliga zumindest ein Stück weit zu unterstützen und damit auch am Leben zu erhalten. Alleine wird dieser Betrag natürlich nicht reichen. Aber man darf nicht maßlos werden. Am Ende des Tages sind wir alle dazu aufgefordert, unsere Hausaufgaben zu machen. Es ist wie in der freien Wirtschaft: Unternehmen, die die Jahre zuvor nicht gut gearbeitet haben, wird man auch damit nicht helfen können, Aber das ist auch nicht die Aufgabe der Politik, alles zu retten. Sie hat ihre Aufgabe erst mal gut erfüllt.

Die Füchse Berlin gelten seit langem als gesund...

Und trotzdem hat uns die Pandemie im falschesten Moment getroffen, weil wir gerade dabei waren, oben anzugreifen. Dafür haben wir auch Geld in die Hand genommen. Haben den Trainer gewechselt. Mit Dainis Kristopans einen Topstar geholt. Drei Wochen später war alles vorbei. Im Nachhinein hätten wir uns diese Investitionen natürlich sparen können. Aber es stimmt schon. Wir werden in der Lage sein, mit unseren Fans, unseren Sponsoren und der Hilfe der Politik die Krise zu bewältigen. Und natürlich müssen auch die Spieler ihren Beitrag leisten.

Mit einer Gehaltskürzung. Wie groß wird der Einschnitt sein?

Das kann man noch nicht sagen. Klar ist: Die Spieler können nicht die Lösung sein, aber sie müssen Teil der Lösung sein. Du kannst nicht rechtfertigen, dass der Steuerzahler helfen soll, aber die Spieler tragen nichts bei.

Immerhin gibt es seit Kurzem einen Beschluss, dass ab Oktober wieder gespielt werden soll. Sehen Sie da noch Fragezeichen?

Nein, wir müssen spielen. Wir dürfen nicht länger von der Bildfläche verschwinden. Das ist eine Aufgabe, die wir lösen müssen.

Im Zweifel also auch ohne Zuschauer.

Im Zweifel auch ohne Zuschauer, ja. Wir sind ja dank der Hilfen nun in der Lage, das auch ein Stück weit zu finanzieren.

Es gibt momentan einige Experimente in anderen Sportarten. Macht das Mut? Oder fürchten sie die von vielen Experten angekündigte zweite Welle?

Ach, wenn ich mich nur mit Problemen befassen würde, wären wir heute nicht da wo wir sind. Weder im Verein noch im Verband. Aber man muss sich fragen: Wofür machen wir das alles? In Berlin machen wir das zum Beispiel für unseren Nachwuchs, weil wir die gerne spielen sehen wollen. Und wir machen das für unsere Fans. Handballspiele ohne Fans machen auf Dauer weder Spaß noch Sinn. Man kann so etwas nur für einen gewissen Zeitraum machen. Natürlich ist die Pandemie nicht vorbei, aber man kann flexibler werden.

Zum Beispiel wie?

Das erste, wovon wir wegkommen sollten, ist die vierzehntägige Quarantäne, die mir völlig unangemessen erscheint. Wenn wir das auch in der Gesellschaft auf eine Woche reduzieren würden, würde das schon helfen. Des Weiteren muss man auch die Hallen entsprechend umrüsten, dass es passt. Aber man sollte nicht mit Angst operieren sondern mit Augenmaß.

Es wartet eine Saison , die bedingt durch die Pandemie umfangreicher wird denn je. Wie kann man sich für so etwas rüsten?

Es geht erst mal darum, dass man Wege findet, die Spieler in vernünftiger Form auf die Vorbereitung vorzubereiten. Dann in die Spiele zu gehen, ohne ein gewaltiges Verletzungsrisiko einzugehen. Das wird ein Balanceakt. Wir haben unseren Kader trotz der wirtschaftlichen Probleme relativ breit aufgestellt. Aber unser Trainer ist wie alle Trainer gefordert, Be- und Entlastung gut zu steuern. Auch in der Nationalmannschaft ist man gefordert zu überlegen, wie man mit den Spielern in den nächsten Monaten umgeht.

Interview: Patrick Reichelt

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