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Behält die Übersicht: Der Ex-Frankfurter Danilo Barthel im Spiel gegen Israel.

Basketball-Nationalmannschaft

„Wir wollten ein Zeichen setzen“

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Basketball-Nationalspieler Danilo Barthel über #wirsindmehr, die erfolgreiche WM-Qualifikation und das große Talent im Team.

Herr Barthel, was haben Sie 0,4 Sekunden vor Schluss gedacht, als der Israeli Tomer Ginat an die Freiwurflinie getreten ist?
Wir hatten tatsächlich auf der Bank darüber geredet, welche Möglichkeiten bleiben und einer meinte: Wir können nur eine Auszeit nehmen, wenn es ein Airball wird – und dann wird es ein Airball. Ich selbst hatte nicht mehr dran geglaubt, dass wir das Spiel gewinnen, aber dann hat in den letzten Aktionen alles Glück zusammengespielt. Umso schöner war es, dass wir in die Verlängerung gekommen sind und dort dominant gespielt haben.

Kapitän Robin Benzing hat im Anschluss sich und das Team fast selbst gegeißelt und von purem Glück und einem schlechten Spiel gesprochen. Wie haben Sie das Spiel intern analysiert?
Die Israelis hätten es auf jeden Fall mehr verdient gehabt, das Spiel zu gewinnen. Einerseits. Andererseits muss man auch sehen, dass wir Charakterstärke gezeigt haben, nach 23 Punkten Rückstand zurückgekommen sind und nicht aufgegeben haben. Es war aber absolut kein gutes Spiel von uns.

Unter dem Strich steht die erste WM-Qualifikation seit neun Jahren für die DBB-Auswahl, die erste seit der Ära Dirk Nowitzki. Was bedeutet Ihnen das?
Das war das Ziel, worauf wir alle hingearbeitet haben. Ich kann mich da nur wiederholen, wie wichtig Kontinuität in der Mannschaft ist, damit wir uns einspielen und uns weiterentwickeln können. Das ist der nächste Schritt für Basketball-Deutschland und für die Nationalmannschaft, sich auf der Weltbühne zu präsentieren. Darauf freue ich mich sehr.

Das Team hat unglaublich viel Talent, wenn man alleine sieht wie viele Spieler in der kommenden Saison in der NBA aktiv sein werden oder wichtige Rollen in Euroleague-Teams spielen. Wie stark sehen Sie das Team?
Wenn alle fit sind, sind wir sehr stark. Leider kam es noch nie dazu, dass alle spielen konnten. Es kommen natürlich noch einige Jungs aus den jüngeren Jahrgängen nach, die in den nächsten Jahren integriert werden. Die Breite in der Nationalmannschaft ist riesig und der Zwölf-Mann-Kader, der nach China fährt, wird es in sich haben.

Die Qual der Wahl für Hendrik Rödl. Wie erleben Sie den Bundestrainer, seit er das Amt von Chris Fleming übernommen hat?
Er macht einen sehr guten Job. Chris hat das Ganze angestoßen, den Kern der Mannschaft gegründet, die Identität. Hendrik führt das mit seiner emotionalen Art fort. Er ist ein Trainer, der den Spielern viele Freiräume lässt und eine gute Atmosphäre schafft.

Apropos Identität. Das Team hat vor dem Spiel gegen Israel ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit gesetzt. Sie sind mit einem T-Shirt mit der Aufschrift #Wirsindmehr in die Halle eingelaufen und haben zudem ein Video gedreht. Wie kam es dazu?
Bastian Doreth hatte den Vorschlag gemacht und der kam im Team sehr gut an. Wir wollten uns positionieren und als Mannschaft ein Zeichen setzen. Es ist sehr, sehr wichtig, dass man als in der Öffentlichkeit stehende Person und als gesamtes Team eine Meinung vertritt. Wir haben das auf eine gute, dezente Weise gemacht.

Das Länderspielfenster mitten in der Saisonvorbereitung hat bei einigen Klubs für Unmut gesorgt. Wie wurde das untereinander thematisiert?
Im Großen und Ganzen fokussiert man sich auf die Situation, in der man sich befindet. Natürlich ist man im Austausch mit den Vereinen. Klar war das kein günstiger Zeitpunkt, die Vereine mussten viele Spieler abstellen und da war der Trainingsalltag natürlich nicht optimal. Die Spieler in den Nationalmannschaften haben ihre Zeit aber genutzt, um fit zu werden und bereit zu sein für den Saisonstart.

Ihre Saison geht in zwei Wochen wieder los. Sie bestreiten das Eröffnungsspiel der Bundesliga gegen Ulm. Welche Ziele haben Sie mit den Bayern national, aber auch international in Ihrer ersten Euroleague-Saison?
Wir gehen als amtierender Meister und Pokalsieger ins Rennen, wollen das natürlich bestätigen und wiederholen. Wir wissen aber, dass es eine sehr enge Kiste war und wieder sein wird und wir uns verbessern müssen, wenn wir weitere Titel gewinnen wollen. Euroleague ist für viele Neuland und deshalb geht es für uns darum, sich dort zu beweisen und zu schauen, wie wir mit der Belastung zurechtkommen.

Interview: Timur Tinç

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