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Basketball

„Wir sind noch am Leben“

Eigentlich waren die Bayern-Basketballer der klare Favorit beim Meisterturnier in München.

Traurig saß Nihad Djedovic mit dem obligatorischen Mund-Nasen-Schutz auf der leeren Tribüne und konnte einfach nichts tun. Seine Basketball-Kollegen vom FC Bayern verspielten gerade auf haarsträubende Art und Weise den Sieg gegen die Baskets Oldenburg und eine gute Ausgangsposition für die Playoffs des Meisterturniers.

Routinier und Erfolgsbringer Djedovic hätte dem Titelverteidiger in dieser Situation womöglich helfen können. Doch der Deutsch-Bosnier, im vorigen Jahr noch als wertvollster Spieler des Finales geehrt, hat seine Saison wegen einer Knieverletzung bereits beendet. Und so sah er als Zuschauer im Dome neben Geschäftsführer Marko Pesic, dass seine Münchner von einer Meisterform aktuell sehr weit entfernt sind.

In der ersten K.o.-Runde kommt es am Mittwoch zum frühen Topspiel, wenn die Bayern als enttäuschter Vorrundendritter auf den Zweiten der Gruppe B treffen. Wer das ist, entschied sich am Montagabend zwischen den formstarken Teams von Alba Berlin und den Riesen Ludwigsburg.

Der Frust war groß nach dem 81:89 im letzten Vorrundenspiel gegen Oldenburg und damit der zweiten Niederlage im vierten Match. Auch bei illustren Teams kommt mal ein verpatzter Tag vor – die Ratlosigkeit und die Aussagen der Spieler nach dem herben Dämpfer aber waren am Sonntagabend außergewöhnlich. „Wir haben es einfach nicht geschafft, aus diesem Loch rauszukommen“, sagte Nationalspieler Paul Zipser zum letzten Viertel, als aus einer knappen Führung für den Meister plötzlich ein großer und vorentscheidender Rückstand geworden war.

14 Punkte am Stück gestatteten die Bayern den Niedersachsen im Schlussabschnitt – so ist der erhoffte Titelhattrick nicht machbar. Vladimir Lucic gab bei Magentasport einen erstaunlichen Einblick in die Psyche des Teams in jenem Moment: „Wir hatten zwar eine gute Phase, aber als wir fünf oder sechs Zähler hinten lagen, hatte man das Gefühl, das Spiel ist vorbei.“ Und da war noch lange zu spielen!

Nachdem die Bayern schon den Start in dieses coronabedingt einmalige Finalturnier unter strengen Quarantäne-Regeln verpatzt hatten, schienen sie sich in den folgenden zwei Partien gefangen zu haben. Die Leichtigkeit und das Selbstverständnis aber waren gegen Oldenburg wieder weg. 16 Turnover, also einfache Ballverluste, unterliefen dem Titelverteidiger; darüber hinaus ließ Bayern 15 Oldenburger Offensiv-Rebounds zu. „Wir haben einige Statistiken, mit denen man kein Spiel gewinnen kann“, haderte Trainer Oliver Kostic, der während der Partie immer wieder verzweifelt „Box out!“ gebrüllt hatte – aber seine Spieler schafften es nicht, Oldenburg am Rebound zu hindern.

Neben Djedovic als starkem Verteidiger und versiertem Spielgestalter fehlt auch Greg Monroe auf beiden Seiten des Feldes. Der frühere NBA-Hüne verpasst das Saisonfinale aus familiären Gründen – in der Vor-Corona-Saison war er bester Bayern-Scorer und bester Rebounder.

Statt als Team traten die Münchner in den kritischen Phasen immer wieder als Individualisten auf – und das ohne Erfolg. „Das darf uns nicht passieren“, mahnte Zipser. Nachdem seine Akteure mit hängenden Köpfen vom Parkett und zum Bus Richtung Quarantäne-Hotel gegangen waren, wurde Coach Kostic noch auf das Innenleben seines Teams angesprochen. „Wir sind noch am Leben“, beteuerte der Serbe. (dpa)

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