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Hoffnungsträgerin außer Form: Denise Herrmann. 

Biathlon-Bundestrainer im Interview

„Wir Können ihr nicht nachtrauern“

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Biathletinnen-Bundestrainer Kristian Mehringer über das schwere erste Jahr nach dem Rückzug der Ausnahmeathletin Laura Dahlmeier.

Herr Mehringer, als Bundestrainer der deutschen Biathletinnen ist man stets mit hohen Erwartungen konfrontiert. Wie bewerten Sie das eher negative Echo auf den Saisonstart in Östersund?

Es ist ähnlich wie im letzten Jahr. Da sind wir auch mit Problemen in die Saison gestartet.

Fest steht, dass die Ansprüche im deutschen Biathlon traditionell höher sind, als es nun die ersten Ergebnisse waren. Wie gehen Sie mit dieser Belastung um?

Wir als Trainer versuchen zumindest, den Druck von den Sportlerinnen so weit wie möglich fernzuhalten. Wir wissen natürlich auch, dass wir uns im Saisonverlauf noch steigern müssen.

Wie reagierte die Mannschaft auf den nicht optimalen Saisonauftakt?

Die ist weiter sehr zuversichtlich gestimmt. Nach dem Rücktritt von Laura Dahlmeier hat ja jede Athletin die Chance, in den Vordergrund zu laufen. Optimal wäre es natürlich, wenn wir eine breite Spitze hätten. Vorerst sind nur Franziska Preuß und Denise Herrmann vorn mit dabei.

Im deutschen Biathlon schreibt man ja das Jahr eins nach Laura Dahlmeier. Sie müssen eine Spitzenkraft ersetzen, die nicht ersetzbar ist. Empfinden Sie das als Bürde?

Es ist natürlich schade, dass Laura ihre Karriere beendet hat. Wenn so eine Ausnahmeathletin aufhört, ist es immer schwierig – auch für den ganzen Verband. Aber wir können ihr jetzt nicht nachtrauern. Vielmehr müssen wir positiv in die Zukunft schauen. Wir werden alles versuchen, dass wir aus jeder Sportlerin das Beste herausholen.

Zur Person
Kristian Mehringer , 38 Jahre alt, lebt in Ruhpolding, war früher selbst Biathlet und wurde 2018 als Nachfolger von Gerald Hönig zum Leitenden Disziplintrainer der Biathletinnen ernannt. 

Den stärksten Eindruck hat bisher Franziska Preuß gemacht. In der Vergangenheit wurde sie immer wieder von Verletzungen und Krankheiten gebremst. Haben Sie denn Vorkehrungen getroffen, dass sie diesmal stabiler durch den Winter kommt?

Die medizinische Abteilung und die Physiotherapeuten arbeiten da sehr engmaschig zusammen. Von ihren muskulären Problemen, die vom oberen und unteren Rücken kommen, wird sie im Wettkampf kaum noch beeinträchtigt.

Weltmeisterin Denise Herrmann wurde schon im Sommer zur neuen Frontfrau erklärt. Wird Sie diese Führungsrolle auch ausfüllen können?

Wichtig war, dass Denise im Schießen stabiler geworden ist. Da hatte sie zu Beginn der vergangenen Saison noch ihre Probleme. Ihre Laufform ist zu diesem frühen Zeitpunkt bei ihr nie so extrem überragend, wie das noch bei der letzten WM der Fall gewesen ist. Sie baut ihre Form natürlich in Richtung der WM auf. Sie geht derzeit relativ entspannt damit um. Mit den Ergebnissen ist Denise noch nicht zufrieden, es könnte noch ein bisschen mehr sein.

Wie schaut es mit dem Nachwuchs aus? Ist schon eine neue Laura Dahlmeier in Sicht?

Wir haben einige Talente, aber von einer Überathletin würde ich jetzt nicht sprechen. Über eine Ausnahmebegabung verfügen wir zwar derzeit nicht, aber mit hartem, strukturiertem Training und Selbstdisziplin kann man auch Erfolg im Biathlon haben.

Saisonhöhepunkt ist im Februar die WM in Antholz. Was trauen Sie Ihrem Team zu?

Wir haben gutes Potenzial. Man muss allerdings auch beachten, dass international die Konkurrenz immer stärker wird. Es kommen aber immer mehr junge Biathletinnen nach. Aus Norwegen, Frankreich, Italien, der Schweiz. Das Feld wird enger. Für eine Medaille muss natürlich alles passen. So wie das bei der letzten WM der Fall war, als wir vier Medaillen holten. Es ist jedenfalls einiges möglich.

Interview: Armin Gibis

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