Ski und Rodeln satt.
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Ski und Rodeln satt.

Kommentar

Es wintert mal wieder

  • Jürgen Ahäuser
    vonJürgen Ahäuser
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Am Wochenende ist es wieder so weit: Wintersport satt, acht Stunden Minimum, wohlgemerkt pro Tag. Der ewige Kampf mit Eis und Schnee sowie widerborstiger Konkurrenz, unterbrochen nur von Werbefilmchen und Nachrichten. Der Bildschirm glüht. Ein Kommentar.

Zugegeben: Beim Schlittenfahren wird es selbst für jemanden, der immerhin im olympischen Vierjahres-Rhythmus sich die Füße an diversen Bobbahnen halb abfriert, ein wenig schwierig. Ich bin dankbar, wenn ich zwischen dem Begießen des Sonntagsbratens und der Tischlein-deck-dich-Arbeit genau aufgeklärt werde, warum Russland eins eine Tausendstelsekunde hinter Litauen zwei zurückliegt. Der Russe hat in Kurve zwölf zu stark am Steuerseil gezerrt, erklärt der äußerst sachkundige und mit mehr als Adleraugen ausgerüstete Bob-Kommentator. Ich, Schmalspur-Experte in mindestens zwei Dutzend Sportarten, glaubte dagegen, dass der Bremser Nummer zwei kurz mit dem Kopf gewackelt hätte und daher das schwere russische Gerät ins Schlingern geraten sei.

Dafür sind sie da – die Experten in Eis und Schnee, um uns Halbwissende entweder nicht dumm sterben zu lassen oder uns zum x-ten Mal mit x-Zeitlupen unterlegt in unserer eigenen Erkenntnis zu bestärken, dass Felix Neureuther das Tor elf viel zu direkt angefahren ist und daher nur eines passieren konnte: Der Artist landet im Schneestaub.

Am Wochenende ist es wieder so weit: Wintersport satt, acht Stunden Minimum, wohlgemerkt pro Tag. Der ewige Kampf mit Eis und Schnee sowie widerborstiger Konkurrenz, unterbrochen nur von Werbefilmchen und Nachrichten. Der Bildschirm glüht. ARD, ZDF und Eurosport lassen die Lawine los, die am frühen Samstagmorgen von einem einsamen Skilangläufer in irgendeinem dunklen finnischen Wald losgetreten wurde. Gestoppt wird die Winterwalze erst am frühen Abend, wenn uns Dieter Thoma in irgendeinem Skisprungstadion dieser Welt erklärt, warum Österreichs Adler doch wieder nur als Suppenhühner gelandet sind.

Es ist eine Mischung aus der Bauernschläue der Wintersportverbände, die, wie Fernsehleute sagen, das wintersportliche Geschehen nahtlos ineinandergreifen lassen, und dem Verlangen (speziell der deutschen Zuschauer), das Hinterteil nicht allzu weit vom angewärmtem Sofa und schon gar nicht vor die eisverzierte Haustür zu bewegen. Und da selbst den öffentlich-rechtlichen Fernsehmachern die x-te Wiederholung von „Ferien auf dem Ponyhof“ auf den Keks geht, senden sie halt, was Pisten, Loipen, Bob- und Eisschnelllaufbahnen so an sich frostsicher verausgabenden Athleten ausspucken.

Es wird gern geguckt. Auf 17 Prozent Marktanteil kommt, abgesehen von der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, nur noch Til Schweiger, falls er mal wieder metzeln darf. Los geht’s am Samstag, 8.40 Uhr. Ski Heil!

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