Wintersport

Die Kombi siecht vor sich hin

Der traditionsreichsten alpinen Disziplin droht das endgültige Aus, weil der Skiweltverband andere Wettbewerbe bevorzugt.

Maria Höfl-Riesch ist schon ein bisschen traurig. Die Kombination, der alpine Zweikampf bestehend aus Abfahrt und Slalom, war ihre Domäne. Sie gewann in diesem Wettbewerb dreimal Gold, zweimal bei Olympischen Spielen, einmal bei einer WM. „Die Kombination gewinnen nur die komplettesten Skifahrer“, sagt sie, und sie tut dies nicht, um sich selbst besser zu machen, als sie ohnehin war, sie tut dies aus Überzeugung. Ihre Meinung teilen viele, nur: Offensichtlich will keiner mehr wissen, wer zwei unterschiedliche Disziplinen am besten beherrscht und vereint.

Die Kombination ist so aus der Mode gekommen, dass die besten Skirennläufer der Gegenwart bei der WM in Are sogar Gold verschenken: „Selbst eine Mikaela Shiffrin fährt ja nicht mit“, hat Höfl-Riesch ernüchtert festgestellt. Sie wird den Wettbewerb der Frauen am Freitag (11.00 Uhr Abfahrt/16.15 Slalom) und den der Männer am Montag (11.00 Abfahrt, 14.00 Uhr Slalom) für die ARD kommentieren. Super-G-Weltmeisterin Shiffrin verzichtet, um sich für Riesenslalom und Slalom zu schonen, ebenso hält es Marcel Hirscher (Österreich): Auch der Olympiasieger im Zweikampf will nicht mehr kombinieren.

In der kommenden Woche entscheiden die Gremien des Ski-Weltverbandes FIS, ob sie die Kombination, die seit Jahren missachtet und planlos einem Siechtum hingegeben wird, endgültig streichen. „Ich fände das schade“, sagt Höfl-Riesch. Geht es nach FIS-Präsident Gian Franco Kasper, darf das ungeliebte Kind nicht einfach fortgeschickt werden. „Ich hätte große Sorge, wenn wir die alpine Kombination bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen abschaffen“, sagte der Schweizer, gerade durch abstrakte Ansichten zu Olympischen Spielen bei Diktatoren unangenehm aufgefallen.

Sollte die Kombination tatsächlich zugunsten des angeblich so modischen Parallel-Slaloms verschwinden, verlöre der Skirennsport seine traditionsreichste Disziplin. Bei den Olympischen Spielen 1936 war die Kombination der erste und einzige alpine Wettbewerb, in dem Medaillen vergeben wurden. Gold ging an die Deutschen Christl Cranz und Franz Pfnür. Bei den Spielen 1998 in Nagano feierten Katja Seizinger, Hilde Gerg und Martina Ertl einen einzigartigen Dreifachsieg in der Kombi, Miriam Vogt (1993) und Martina Ertl (2001) holten wie Höfl-Riesch (2013) WM-Gold.

Wenige Alles-Fahrerinnen

Dass nun ein Wettbewerb, in dem sich nur die komplettesten Skifahrer durchsetzen, der aus diesem Grund prächtig zu vermarkten sein sollte, vor dem Aus steht, muss freilich nicht wundern. Die FIS hat den Weltcupkalender so vollgestopft, dass für die Kombination darin kein Platz mehr ist – Alles-Fahrerinnen wie einst Höfl-Riesch sind praktisch ausgestorben. „Es hat sich leider alles Richtung Spezialisierung entwickelt“, sagt sie. Nur eine wie Shiffrin beherrscht noch alle Disziplinen grandios, aber auch sie muss mit ihren Kräften haushalten.

Bei den Männern hat es in diesem Winter erst eine Kombination gegeben: in Wengen. Bei den Frauen: keine. Die FIS glaubt, sie müsse stattdessen Parallel-Wettbewerbe pushen, auch, weil die das Internationale Olympische Komitee (IOC) ganz toll findet und im Programm haben will.

Es gibt allerdings auch nur zwei Orte, wo diese angeblich für das Publikum so attraktiven Rennen im Weltcup funktioniert haben: in Stockholm und in München. Nach München würde die FIS daher gerne zurückkehren – wenn dort nur die Sache mit dem häufigen Schneemangel nicht wäre. (sid)

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